Hier entstehen neue Fussballplätze für Zürichs Junioren

Auf den städtischen Fussballfeldern wird es eng. Die Stadt will deshalb neue bauen – auch an unkonventionellen Orten.


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Fussball ist populär wie nie zu vor: Alle Quartiervereine der Stadt führen bereits Wartelisten. Gleichzeitig boomt die Stadt. Immer mehr Menschen wollen in Zürich leben. Diese Trends vereint verschärfen die Platznot bei den Fussballplätzen, und zwar derart stark, dass der Stadtrat bereits Fussballplätze auf Dächern geprüft hat. Jährlich kommen laut Prognosen 10 Prozent mehr Junioren dazu.

Die Idee von Fussballfeldern auf Dächern, wie etwa auf dem Dach des Busdepots Hardau, hat die Stadt mit einer Ausnahme verworfen. Sie will aber mit folgenden – realistischeren – Massnahmen dem Mangel an Plätzen nun entgegenwirken, wie aus einer Antwort auf einen Vorstoss der Gemeinderäte Anjushka Früh (SP) und Urs Egger (FDP und ehemaliger Präsident des FC Seefeld) hervorgeht. Die Stadt will: Neue Fussballplätze bauen, die Beleuchtung bestehender Anlagen ausbauen und auf Kunstrasen umrüsten.

Mehr geschlechtergetrennte Garderoben

Für neun neue Fussballfelder hat das Zürcher Sportamt bereits konkrete Pläne: Drei sollen im Gebiet Eichrain-Frohbühl in Seebach entstehen, weitere drei Felder ganz in der Nähe an der Seebacherstrasse. Je ein weiteres Feld ist im Hönggerberg im neuen Sportzentrum Oerlikon und in der Sonnau in Wollishofen vorgesehen. Für fünf weitere Felder wird ein Standort noch gesucht. Zudem ist im kommunalen Richtplan bis 2040 ein Bedarf von 33 Hektaren Flächen für Rasensportanlagen angemeldet, in etwa die Fläche des Katzensees, was zur Realisierung von rund 25 zusätzlichen Feldern ausreichen sollte.

Zudem plant das Sportamt, die Anlagen Juchhof, Hardhof in der Forrenweid, im Letzi und im Heerenschürli mit Lichtanlagen auszurüsten. Das erhöht die Kapazität. Denn auf einem beleuchteten Platz kann auch im Herbst bis um 22 Uhr gespielt werden.

Schliesslich sollen die Plätze im Letzi 1, im Hardhof und im Fronwald auf Kunstrasen umgestellt werden, der stärker beansprucht werden kann als ein natürlicher Rasen.

Bei den Quartiervereinen sind die Wartelisten derzeit bei den Mädchenmannschaften besonders lang. Rund die Hälfte der über 50 städtischen Clubs hat inzwischen mindestens ein weibliches Team. Der Boom im Frauenfussball hat den Bedarf nach zusätzlichen, nach Geschlechtern getrennten Garderoben gesteigert: 100 neue Einheiten sind unter anderem in Witikon, im Hardhof, der Allmend Brunau und im Hönggerberg vorgesehen.

Wie stark die Frauen in den letzten Jahren aufgeholt haben, zeigt sich an der kantonalen Statistik: Von 2010 bis 2016 hat sich die Zahl der Mädchen, die an Fussballkursen von Jugend und Sport teilnahmen, von 3000 auf 5000 erhöht. In der Stadt Zürich kickten 2017 bereits 1100 Mädchen und 500 Frauen. 6300 Knaben und 3100 Männern spielen in einem der städtischen Fussballclubs.

Dass sich das Sportamt um die Planung neuer Fussball-Infrastruktur bemüht, freut Urs Egger. Aber: «Es bleibt abzuwarten, wie schnell es dann tatsächlich geht.» Es sei mit Einsprachen von Anwohnern zu rechnen. Sowohl beim Bau neuer Anlagen als auch beim Ausbau bestehender Fussballfelder, etwa mit einer Beleuchtung. Und es bleibe fraglich, ob diese dann tatsächlich die erwartete Entlastung bringt. So würde auf manchem Feld in der Stadt trotz Beleuchtung nur bis 21 Uhr gekickt – um der guten Nachbarschaft willen.

Tatsächlich scheiterten Bauvorhaben für neue Sportanlagen in den vergangenen Jahren aus den verschiedensten Gründen: So sollte die Sportanlage Juchhof II um mehrere Rasenfelder ergänzt werden. Weil man aber dann doch zu Schulungszwecken auf Viehhaltung auf dem benachbarten städtischen Bauernhof setzen wollte, wurde der Plan nicht weiterverfolgt. Im ersten Anlauf scheiterten Fussballfelder im Gebiet Eichrain-Frohbühl daran, dass sich der Gemeinderat am vorgesehenen Standort für Familiengärten entschied. Trotzdem hält das Sportamt daran fest, am nahen Ersatzstandort bis 2020 eine Sportanlage zu realisieren. Und zu guter Letzt können auch die drei Felder an der Seebacherstrasse erst gebaut werden, wenn Private Land an die Stadt verkaufen. Das Projekt ist deshalb erst für 2025 oder später vorgesehen.

Vereine sollen auf Schulanlagen tschutten

Kurzfristige Entlastung für die Vereine brächte es, wenn sie vermehrt auf Plätzen der städtischen Schulanlagen trainieren dürften. Weil jüngere Spieler, also die E- und F-Junioren, bei denen die grösste Zunahme zu verzeichnen ist, auch auf weniger grossen Rasenfeldern üben können, bestehe hier grundsätzlich Potenzial, schreibt der Stadtrat. Allerdings sei die Rasenqualität nicht mit derjenigen von Fussballfeldern vergleichbar, die Anlagen weniger belastbar. Oft fehlten auch eine Beleuchtung und Garderobenkapazität, um gleichzeitig Trainings in den Hallen und auf den Aussenanlagen durchführen zu können.

Hinzu kommt die Platznot auf den Schulgeländen: Auf vielen Rasenspielfeldern stehen bereits modulare Schul-Pavillons, um mehr Platz für den Unterricht zu schaffen – und es werden immer mehr. Gemäss heutiger Praxis stehen die Schulareale ausserhalb der Unterrichtszeiten hauptsächlich der Quartierbevölkerung als Freiräume zur Verfügung, weshalb man bisher eher nicht an Fussballvereine vermiete, so der Stadtrat weiter.

Fussballfelder, übereinandergestapelt

Die beiden Gemeinderäte Früh und Egger denken wegen der starken Konkurrenz um Flächen in der Stadt auch an unkonventionelle Lösungen: Ob nicht bei gewissen Anlagen eine Aufstockung auf bestehende Fussballfelder denkbar wäre, fragen sie. Aus Sicht der Sportförderung und der optimalen Nutzung des Bodens sei das durchaus eine interessante Option, antwortet der Stadtrat. Doch die Nutzung des unteren Sportplatzes wäre wegen der beschränkten Höhe und der nötigen Brückenkonstruktionen an der Decke eingeschränkt. Auf dem Feld dürften ja keine Pfosten herumstehen. Und: «Gemäss Einschätzung der städtischen Baufachleute wäre der Bau solcher übereinandergestapelter Felder allerdings statisch komplex, aufwendig und sehr teuer», so der Stadtrat.

Die Idee des Fussballfelds auf dem Dach des Busdepots Hardau scheiterte ebenfalls an der Statik. Zu teuer wäre es laut Sportamt gewesen, um diese Probleme zu lösen. Generell würde zudem die durch Bauvorschriften limitierte Gebäudehöhe die Installation der nötigen, acht Meter hohen Ballfangnetze nicht zulassen, so der Stadtrat weiter. Trotzdem: In Zukunft wird in Zürich auf einem Dach Fussball gespielt. Obwohl mit hohen Unterhaltskosten zu rechnen ist, entsteht auf dem Dach des neu geplanten Sportzentrums Oerlikon ein Rasenfeld. Baubeginn ist voraussichtlich im Jahr 2024, Inbetriebnahme drei Jahre später.

Erstellt: 07.01.2019, 11:19 Uhr

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