Hier finden Sie das Glück rund um Zürich

Wer jetzt nicht in den Wald geht, ist selber schuld. Im Herbst sind die Blätter so unwirklich bunt, als ob uns die Natur eine Freude machen wollte. Neun Tipps für Unentschlossene.

Glühende Bäume: Der Wonnemonat Oktober wärmt Auge und Seele gleichermassen. Foto: Raisa Durandi

Glühende Bäume: Der Wonnemonat Oktober wärmt Auge und Seele gleichermassen. Foto: Raisa Durandi

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Sorgen haben Klumpfüsse, deshalb kommen sie einem beim Gehen nicht nach. Doch werden sie nie müde und ­holen einen am Abend zu Hause wieder ein. Allein das ist ein Grund zum Wandern – bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit. Jetzt kommt der Herbst hinzu, der Bäumemaler, Kulissenschieber, der Meister des Lichts. (Halt, bitte etwas weniger pathetisch.)

Also: Jeden Herbst bieten uns die Laubbäume und Lärchen ein begeisterndes Farbspektakel. Aus Grün wird Gelb, Orange, Ocker, Braun, Safran, Kupfer, Rot, Rubin, Gold – alles leuchtend, alles gratis, Eintritt frei. Oder für die Freunde des Rausches und des Austritts aus der Wirklichkeit: Herbstwald ist natürliches LSD, 100 Prozent bio und bedenkenlos oft konsumierbar.

Wo finde ich das Glück? Und falls es so klein ist, dass ich es übersehe: Wo findet es mich? Die Antwort ist einfach: im Herbstwald mit blauem Himmel darüber. Vorausgesetzt, man macht die Augen auf und nimmt die Farbenorgie nicht für selbstverständlich. Schauen, als ob es das erste und letzte Mal wäre, dann wird jede Baumkrone zum Ereignis. Von der wissenschaftlichen Betrachtung ist dringend abzuraten. Dass der Baum, wenn die Tage kürzer werden und das Licht schwindet, das Chlorophyll aus den Blättern abzieht und die Blätter abwirft, weil über die Blätter Wasser verdunstet und er im Winter jeden Tropfen für sich und die Blätter vom nächsten Frühling braucht: Stimmt zwar, raubt aber die farbtrunkene Stimmung.

Diese glühenden Bäume sind mehr als nur eine Farbekstase, sie haben eine Dramatik in sich, wie der Herbst überhaupt die tiefste Jahreszeit ist, weil in ihm das Ende mitschwingt: das Ende der langen Tage, der warmen Abende, das Jahresende. So haftet dem Herbst immer etwas Melancholie an. Das Französische trifft es am besten: «Feuilles mortes», Herbstlaub ist Sterben in Schönheit.

Spektakel am Himmel

Egal, was Sie diesen Herbst tun und wo: Tun Sie es früh. Stehen Sie vor Sonnenaufgang auf, organisieren Sie sich einen Kaffee – und widmen Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit dem Spektakel am Himmel: dem Wechsel von Nacht- zu Tief- zu Stahlblau, dann Buttergelb, Zuckerwattenrosa, Wassermelonenpink. Und dann, zum Schluss, dem Gold, das sich über die Landschaft legt. Magisch! (psz)

Bei den Fliegern

An der frischen Luft sein und gleichzeitig dem Nerdtum frönen: Das ist möglich bei einem Spaziergang auf dem Flughafenrundweg. Die Wanderung startet – wo sonst? – am Flughafen Zürich und ist mit 17 Kilometer Länge und 50 Höhenmetern wohl eher ein sehr langer Spaziergang. Dafür duftet es nach Kerosin, und man sieht immer wieder Flugzeuge aus nächster Nähe starten und landen. Der Weg führt teils direkt die Piste entlang, da kommt man den Fliegern näher als auf der Zuschauerterrasse. (laf)

Schnell auf den Üezgi

Morgens hockt er jetzt schon rund um den Turm auf dem Uetliberg: der Nebel. Die beste Zeit des Jahres also, um früh die Laufschuhe zu schnüren und Richtung eingewatteten Hausberg loszurennen. (Dort ist es übrigens nicht so überlaufen, überfahren und überhundet wie vor den Bernoulli-Häusern an der Limmat.) Nach 30, 40 Minuten Jogging am Hang und zuletzt ein paar perfiden Treppenstufen ist man oben und blickt hinunter auf die herbstlich leuchtende Stadt. Die Sonne, die inzwischen auch das Plateau vor dem Uto Kulm bescheint, wärmt des Läufers Seele. Welch Genuss! Und man muss Giusep Fry dafür keinen einzigen Franken abliefern. (boe)

Langsam auf den Üezgi

Man kann am Uetliberg auch tagsüber ­allein sein, sofern man die Bahn meidet, den Uetlibergweg nimmt ab Albisgüetli oder den Weg ab Triemli zum Hohenstein. Der schönste der markierten Wege ist der Föhreneggweg, der südlich des Uetlibergwegs über eine Rippe im Wald hochführt, zwischendurch über Eisentreppen, weil der ursprüngliche Weg Opfer eines Rutschs wurde. Der teils steile, aber breite Föhren­eggweg bietet Ausblicke auf die Stadt und in die Berge und erfreut mit Holzbänken auf einer Felsenkanzel. Er endet unterhalb der Annaburg, wo er in den Uetlibergweg mit den Laternen mündet. (jr)

Distinguiert spazieren

Wers flach, kurz und gesellig mag, dem sei die Orelli-Promenade am Waldrand des Zürichbergs empfohlen, in zehn ­Minuten ab der Tramhaltestelle Zoo erreichbar und mit dem Hotel Zürichberg auch kulinarisch gut versorgt. Die Promenade ist mit zwei Dutzend Bänken ­gesäumt, auf denen ein Zusitzen selbstverständlich ist. Das Publikum ist der Mühelosigkeit des Weges entsprechend eher im fortgeschrittenen Alter. Kenntnisse in Hochdeutsch sind für die Konversation von Vorteil. (jr)

Von Girenbad nach Bauma

Ein sicherer Wert im Oberland ist die Wanderung von Girenbad am Bachtel nach Bauma: landschaftlich vielfältig, schöne Ausblicke auf alle Seiten, wenig Leute und mit drei bis vier Stunden auch angenehm im Aufwand. Bei Chli-Bäretswil geht man kurz auf der Strasse, die aber nicht stark befahren ist. Und wenn sich dann erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen und ein kleines Hüngerchen, dann steht man schon vor der urigen Beiz Sunnehof, wo die Einkehr Pflicht und Vergnügen ist. (jr)

Auf den Everest der Nagelfluh

Einmal pro Jahr muss es der höchste Zürcher sein: das Schnebelhorn mit seinen sagenhaften und sauerstoffarmen 1292 Metern. Ein schöner, bequemer und nie überlaufener Weg führt von Steg über Höfe von Vorderegg und weiter über die Hirzegg auf den Gipfel. Wer Pech hat, muss sich dort euphorisierte Wanderer anhören: «Ich habs geschafft! Den höchsten Zürcher! Den Everest der Nagelfluh.» Aber das ist dann wirklich Pech. Als Rückweg nach Steg bietet sich das Tösstobel an, wo man Lockrufe ausstösst: «Chumm Luchs! Luchs, Luchs Luchs.» Je nach Fitness dauert die Wanderung vier bis fünf Stunden. (jr)

Nicht-Baden im Zürichsee

16,4 Grad Celsius. Wonach tönt das? Wie fühlt sich das an? Was passiert da? So warm (oder kalt) war der Zürichsee gestern um 15 Uhr beim Mythenquai. Wie wärs, wenn man sich jetzt ins Wasser wagen würde? Das sind Fragen, die ich mir stelle, wenn ich den See sehe in diesen Tagen. Ich stelle mir die Frage schon jahrelang, denn ich mag die Farbe des Wassers in jedem Herbst aufs Neue. Und jedes Jahr verschiebe ich die Antwort. Denn da ist diese Vorstellung, dass ein Bad im herbstlichen See etwas Wunderbares ist. Dass man dem Wasser mit frischem Körper und klarem Geist entsteigt. Die Vorstellung ist so gut, dass ich sie nicht zerstören mag. (bra)

Stand-up-Paddeling am Türlersee

Kollege (bra) sagts oben: Baden im See ist für Normaltemperierte im Oktober zu kalt. Doch wie wärs mit Stand-up-Paddeling? Der Autor hats noch nicht ausprobiert, aber kürzlich zugeschaut: am Türlersee. Das Strandbad ist geschlossen, jedoch zugänglich. Und vorn am Wasser bei den Holzliegen kann man sein Brett aufpumpen und den Neoprenanzug anziehen. Dann aufsteigen und übers glatte Wasser davongleiten, zu den Seerosen, zum dunklen Wald, irgendwie Richtung Unendlichkeit. Das Gefühl ist grossartig, schon beim Zusehen. Gemäss Könnern ist eine Runde auf dem See in 1 Stunde zu schaffen. (sch)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2017, 22:56 Uhr

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