Hochprozentiger Zweikampf um Zürich

Am Bürkliplatz ankert diesen Herbst erstmals ein Whisky- und Rumschiff – nur eine Woche vor der etablierten Whiskyschiff-Messe, die diesen Standort aufgegeben hat.

Deswegen tobt nun der Verdrängungskampf: Whiskyprobe in einer amerikanischen Destillerie.

Deswegen tobt nun der Verdrängungskampf: Whiskyprobe in einer amerikanischen Destillerie. Bild: Mark Humphrey/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Zürcher Whiskyschiff feiert dieses Jahr seinen 20. Geburtstag. Doch zum Feiern ist Messe-Organisator Martin Monnier dieser Tage nicht zumute. Der Grund: Ende November – eine Woche davor – wird erstmals ein Whisky- und Rumschiff am Bürkliplatz seine Tore öffnen. Ausgerechnet an jenem Ort, den Monnier 2016 aufgegeben hatte.

Der Umzug von Monniers Messe ins «Trockendock» im Albigütli 2017 kam nicht bei allen Ausstellern gut an. Man hört von beträchtlichen Umsatzeinbussen, da die Laufkundschaft gefehlt habe. Hinter vorgehaltener Hand werden zudem die Promotion, das Ticketing und die Verpflegungsmöglichkeiten in der Vergangenheit kritisiert. Einige Händler haben deshalb dem für sie zu trockenen Albisgütli den Rücken gekehrt und wollen es nun wieder am Bürkliplatz versuchen nach dem Motto «neue Chance, neues Glück», andere bleiben am Fuss des Üetlibergs, ein paar Unentschiedene sind auf beiden Messen präsent.

Im Exil am Berg weniger Besucher

Whiskyschiff-Veranstalter Monnier gibt zu, dass die Eintrittszahlen gesunken sind - von rund 6000 am Bürkliplatz (2016) auf 4500 im Albisgütli (2017). «Das ist eine normale Entwicklung», relativiert er, «die Zahlen im Messebusiness sind überall rückläufig.» Vom belebten Bürkliplatz wegzuziehen, hatte laut Monnier drei Ursachen: «Die Schiffsmieten schlugen innert fünf Jahren ums Dreifache auf, wir bekamen von der Stadt keine Bewilligung für Vergrösserungsmöglichkeiten, und die Zürchsee Schifffahrt hatte keine zusätzlichen Ausstellungsschiffe im Angebot.»

Als Organisator fürs neue Whisky- und Rumschiff am Bürkliplatz zeichnet nun Christian H. Rosenberg verantwortlich. Rosenberg, der die Fachblätter «Drinks» und «Whisky Time» in der Schweiz sowie weitere Magazine in Deutschland herausgibt, leitet in Frankfurt seit zwanzig Jahren die InterWhisky-Messe. Mit einem Ableger, der InterSpirits, versuchte er 2016 auch in Zürich Fuss zu fassen, doch der Papiersaal im Sihlcity war bei Ausstellern und Besuchern nicht sonderlich beliebt.

Profitieren vom Fehler der Konkurrenz

Dafür verspricht Rosenberg nun ein völlig überarbeitetes Konzept für die neue Whisky- und Rummesse. Sie soll mehr Erlebnischarakter, ein breiteres Gastroangebot, Livemusik sowie zahlreiche Spezialseminare und Masterclasses bieten. Die Location am Bürkliplatz sei bestens eingeführt, Monniers Umzug ins Albisgütli betrachtet er als Fehler. Rosenberg betont, dass er nicht aus bösem Willen handle. Dass seine Messe nur eine Woche vor dem traditionellen Whiskyschiff stattfinde, sei allein der Terminnot geschuldet: «Vor diesem Datum sind die Schiffe am Bürkliplatz von der Expovina besetzt, danach sind unsere internationalen Referenten an den Messen in Frankfurt und Hamburg gebucht.»

«Es werden höchstens 10 Prozent aller Interessierten beide Messen besuchen.» Martin Monnier, Veranstalter des Originals

Dass in Zürich dieses Jahr zwei Whiskyschiffe um Kundschaft buhlen, halten sowohl Rosenberg wie Monnier nicht für optimal. Beide verweisen jedoch auf die freie Marktwirtschaft, wenn auch mit unterschiedlichem Unterton. Monnier befürchtet eine gewisse Spaltung der Branche und sagt, dass in dieser Situation alle verlieren: «Die Messen, die Aussteller und vor allem die Kunden. Es werden höchstens 10 Prozent aller Interessierten beide Messen besuchen, alle anderen werden sich für eines der beiden Schiffe entscheiden müssen.» Rosenberg ist da optimistischer. Er hält 20 Prozent Doppelbesucher für möglich und ist überzeugt, mit dem Trendgetränk Rum zusätzliches Publikum anzulocken.

Einer wird es nicht schaffen

Dass beide Zürcher Messen überleben werden, ist angesichts eines immer härter umkämpften Spirituosenmarkts jedoch unwahrscheinlich, da ist man sich in der Branche einig. Sowohl die Händler wie die Veranstalter gehen davon aus, dass es 2019 nur noch ein Whiskyschiff in der Stadt gibt. Es wird jenes Schiff sein, das in diesem Jahr mehr Publikum anzuziehen vermag. The Winner takes it all.

Whisky- und Rumschiff: 22. bis 25. November, Schiffsanlegestelle Bürkliplatz.
Whiskyschiff: 29. November bis 1. Dezember, Albisgütli.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.08.2018, 13:17 Uhr

Artikel zum Thema

Das Whiskyschiff wird ins Albisgütli verlegt

Der Platz auf dem See wird zu eng für die bald grösste Whiskymesse Europas. Sie zieht deshalb um ins «Trockendock» Albisgütli. Den Namen wollen die Veranstalter beibehalten. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Treffen Sie die Tech-Unternehmerin Roya Mahboob

Die afghanische Unternehmerin zählt zu den einflussreichsten Menschen und hilft Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Fakelträger: Junge Ungaren ziehen in Erinnerung an die Studentenproteste von 1956 durch die Strassen von Budapest. (22. Oktober 2018)
(Bild: Szilard Koszticsak) Mehr...