Hochzeit zwischen Arrangement und Verbot

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Die Zwangsheirat ist von der arrangierten Ehe zu unterscheiden. Die Grenzen sind jedoch fliessend.

Eine Zwangsheirat liegt dann vor, wenn mindestens eine eheschliessende Partei durch Druck zur Ehe gezwungen wird. Druck ist dann gegeben, wenn die eigene Weigerung kein Gehör findet oder die Betroffenen es nicht wagen, sich zu widersetzen – beispielsweise weil sie von Familienangehörigen, dem Verlobungspartner oder Schwiegereltern zu einer Hochzeit gezwungen werden.

Auch bei einer arrangierten Heirat ist die Wahl des zukünftigen Partners fremdbestimmt. Der Braut oder dem Bräutigam wird jedoch die Möglichkeit eingeräumt, den auserwählten Partner abzulehnen.

Seit Juli 2013 ist das Bundesgesetz gegen Zwangsheirat in Kraft. Dieses sieht für Personen, die jemanden zu einer Heirat zwingen, eine Strafe von bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug vor. Eine bereits ­geschlossene Zwangsheirat und alle Minderjährigenehen können annulliert, also für ungültig erklärt werden. Dies ist für die Betroffenen wichtig, da sie so den Zivilstand «unverheiratet» und nicht «geschieden» tragen können. «Eine geschiedene Frau wird in vielen Kulturen ­stigmatisiert», sagt die Präsidentin der Fachstelle Zwangsheirat, Anu Sivaganesan. Seit der Einführung des Gesetzes gab es erst zwei Verurteilungen, beide im Kanton Thurgau. «Dies war zu erwarten», sagt Sivaganesan, «da ein Gesetz eine gewisse Zeit braucht, bis es greift.»

Ruf nach Rückkehrrecht

Eine Schutzmassnahme durch das Gesetz wünscht sich Sivaganesan durch die Einführung eines sogenannten Rückkehrrechts: Viele Migranten der zweiten und dritten Generation leben heute mit einer B-oder C-Bewilligung in der Schweiz. Wenn die Betroffenen aufgrund einer Zwangsheirat längere Zeit nicht aus ihrem Heimatland zurück­kehren können, erlischt ihre Aufenthaltsbewilligung nach sechs Monaten.

Deutschland kennt für diese Fälle das Rückkehrrecht. Dieses ermöglicht Betroffenen innerhalb von 10 Jahren wieder nach Deutschland einzureisen, sofern sie den Beweis für eine unter Gewalt und Drohung eingeführte Ehe erbringen können.

Auch Männer betroffen

«Das Strafgesetz allein vermag im ­Zusammenhang mit Zwangsheirat keine Probleme zu lösen», ergänzt Sivaganesan. Hier würden die Fachstellen an­setzen. «Wir sind nicht die Polizei. Deshalb versuchen wir in erster Linie, dem Druck, dem die Betroffenen ausgesetzt sind, zu begegnen und sie bei ihren ­Lösungsstrategien zu unterstützen», sagt Sivaganesan. Meldungen über illegale Ehen erhalte sie von Lehrkräften, Arbeitgebern oder Behörden. «Oft sind die Betroffenen grosser Be­drohung ausgesetzt», sagt Sivaganesan. Ein Lösungsansatz kann dann auch einen Kantons- oder Namenswechsel ­beinhalten.

Vereinzelt sind auch Männer von Zwangsheirat betroffen. «Es sind Einzelfälle, die aber auf ein Phänomen hin­weisen», sagt der Männerberater Martin Bachmann vom Mannebüro Züri. Auf das Thema trifft die Stelle in der Beratung oft im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt: «Im Konfliktfall hören wir dann Sätze wie ‹Ich wollte sie gar nicht heiraten, ich wurde gezwungen›.» Sarah Fluck

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.02.2017, 21:07 Uhr

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