Hohe Dunkelziffer bei Velounfällen in Zürich

Zwischenfälle ohne Schäden oder Verletzungen werden der Polizei nur selten gemeldet. Die SVP fordert derweil eine härtere Gangart mit Velorowdys.

Auffallend oft werden Unfälle im Stadtzentrum nicht gemeldet. Foto: Keystone

Auffallend oft werden Unfälle im Stadtzentrum nicht gemeldet. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die registrierten Fahrradunfälle in der Stadt Zürich haben sich innert sieben Jahren mehr als verdoppelt – auf 541 im Jahr 2018. Doch diese Statistik erfasst bloss einen Bruchteil der effektiven Unfälle. Wie eine Umfrage der ETH-Masterstudentin Laura Ringel zeigt, kommen auf einen gemeldeten Unfall sechs ungemeldete. «Die Dunkelziffer ist mit 86 Prozent sehr hoch», sagt Clemens Kielhauser vom ETH-Institut für Bau- und Infrastrukturmanagement, der die Arbeit betreut hat, in der «NZZ am Sonntag». Denn Selbstunfälle und Unfälle ohne Schäden oder Verletzungen würden kaum je gemeldet. Laut der Umfrage hat die Hälfte der 2000 Teilnehmer schon mindestens einen Unfall erlebt. Davon waren 47 Prozent Stürze, 38 Prozent Kollisionen mit Autos.

Auffallend oft werden Unfälle im Stadtzentrum nicht gemeldet. Problematisch sind vor allem der mangelnde Platz und unklare Verkehrsführungen. «Der Handlungsdruck im Bereich Velosicherheit wird mit dieser Erkenntnis unterstrichen», sagt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr in der «NZZ am Sonntag». Laut Umfrage sind Tramschienen für die Velofahrer ein Problem. Frühere Tests mit Gummifüllungen scheiterten, weil sich diese nur wenige Tage hielten. Nun wird eine neue Lösung gesucht.

SVP verlangt härtere Bestrafung von Velorowdys

SVP-Nationalrat Gregor Rutz fordert eine härtere Gangart im Umgang mit Velofahrern, die Verkehrsregeln ignorieren. «Regelmässig missachten Velofahrer rote Ampeln, Einbahnstrassen oder Fahrverbote», sagt Rutz. «Viele Velofahrer verhalten sich so rücksichtslos, dass es für Fussgänger, Autofahrer und andere Strassenbenützer richtig gefährlich wird.» Laut Rutz schaut die Polizei dabei zu oft weg. Und wenn einmal kontrolliert werde, seien die Bussen lächerlich tief.

Damit soll nun Schluss sein. Zusammen mit neun SVP-Kollegen fordert Rutz in einer Motion, dass Bund, Kantone und Gemeinden – als Ergänzung zum Via-Sicura-Programm – ein Massnahmenpaket erarbeiten, das insbesondere auch repressive Elemente enthält. Ihm schwebt vor, dass Velofahrer eine obligatorische Fahrzeugplakette lösen müssen, mit der sie zu identifizieren sind. Und er möchte, dass notorische Rowdys dann auch schärfer bestraft werden, indem man ihre Velos einzieht, ihnen Lenkverbot erteilt oder sie in Fahrkurse schickt. Die Bussen sollen auf dasselbe Niveau erhöht werden wie für Autofahrer, berichtet die «NZZ am Sonntag».

(step)

Erstellt: 29.09.2019, 13:17 Uhr

Artikel zum Thema

Zahl der Velounfälle in Zürich hat sich verdoppelt

Schlechte Nachrichten für Zürichs Velofahrer: Die Zahl der Verunfallten steigt seit sieben Jahren stetig an. Die Stadt reagiert. Mehr...

Was Zürich gegen Velo-Unfälle tun muss

Die Zahl der Kollisionen und Stürze in der Stadt steigt und steigt. Wer sie senken will, hat nur eine Wahl. Mehr...

Mehr Schwerverletzte: Wo die meisten Velofahrer verunfallen

Die Auswertung von 34'000 Unfällen zeigt: Velofahrer sind stark gefährdet. Häufig sind sie nicht einmal selbst schuld. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...