Hohtürli oder Bassa di Nara?

Schon mal vom Ghöch gehört? Eben! Beileibe nicht alle wissen, dass man auch im Kanton Zürich passwandern kann. Eine Broschüre liefert jetzt zehn Routen.

Hat was, oder? Das Käpfnacher Tobel bei Horgen. Foto: Thomas Widmer

Hat was, oder? Das Käpfnacher Tobel bei Horgen. Foto: Thomas Widmer

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Passwanderung. Das Wort löst sofort ­Assoziationen aus. Man denkt an das Hohtürli der Berner, an das Güner Lückli der Bündner, an den Lavtinasattel der St. Galler, an die Bassa di Nara der Tessiner. Alles sozusagen militante Übergänge im Gebirge oder gar Hochgebirge, Geröll kommt einem in den Sinn, feuchter Schiefer, Wasserfälle wie am ersten Tag. Und ein grausig früh schrillender Wecker am Morgen der Passwanderung.

An Zürich aber denkt man beim Wort «Pass» zuletzt. Die Zürcher Wanderwege (ZWW) haben es nun unternommen, das zu ändern und den Kanton als Passkanton sozusagen auf die Landkarte zu holen. Auch wenn Zürich ja eigentlich ein ziemlicher Flachkanton ist, dessen höchster Punkt, das Schnebelhorn, armselige 1292 Meter erreicht.

«Pässe. Zehn Wanderungen im Kanton Zürich» heisst die Broschüre der ZWW. Alles eine Frage der Definition. Ein Pass wird nicht durch seine Höhe zum Pass. Sondern durch seine Funktion. Er führt vom einen Tal ins andere, verbindet Landschaften, spielt Wasserscheide, dient oder diente in manchem Fall als Handelsroute. So was gibt es auch im Züribiet.

Wie einst die Säumer

Die Hirzel Höhi etwa, 734 Meter über Meer, ist gemäss diesen Kriterien sehr wohl ein Pass – in der Broschüre ist sie enthalten und empfohlen. Wer die Route bewandert, gelangt aus dem Zugerland an den Zürichsee; diese Gehrichtung wird vorgeschlagen. Er begeht vom Startort Sihlbrugg aus eine historische Achse. Maultiere trugen auf dieser Strecke sechs Jahrhunderte lang Waren zum und vom Gotthard, Salz reiste in den Süden, Wein in den Norden.

Und auch dieser kleine Pass bietet wie ein ganz Grosser ein Abenteuer: das Tobel von Käpfnach gegen Schluss mit einer atembeklemmend in eine scharfe Waldfluh gepassten Steg-Treppe-Kombination und einem stillgelegten Bergwerk. In Horgen bildet die Sust gleich beim Bahnhof dann den Schlusspunkt. Sie war einst ein wichtiges Lager an der Handelsroute. Und sie war der Ort, an dem man vom Schiff aufs Saumtier verlud und umgekehrt.

Zürich hat auch Pässe

Doch, Zürich hat auch Pässe, die die Überquerung lohnen. Zum Beispiel die Balderen zwischen dem Knonauer Amt und dem Sihltal. Das Ghöch zwischen Bäretswil und Gibswil. Oder Mötschen zwischen Boppelsen und Dielsdorf. Mötschen? Nie gehört! Jedenfalls bis anhin, die Wanderwege-Broschüre macht das Übergängli hoffentlich bekannter.

Und auch in diesem Fall gibt es Flurnamen, die bei aller Agglonähe wild klingen. «Wolfsgrueb» etwa.

Last, not least haben die Zürcher Pässe gegen ihre berühmteren Konkurrenten in anderen Kantonen einen saisonalen Riesenvorteil. All die Pässe über 2000 Meter sind demnächst nicht mehr begehbar oder bereits schneebedeckt und unpassierbar, so man nicht lebensmüde ist. Von Bülach nach Embrach aber kommt man via die sanfte Höhe von Eschenmosen (525 Meter) und die Heidegg (567 Meter) noch lange. Eigentlich gar den ganzen Winter.

Die Broschüre kann man bestellen über Tel. 044 930 67 80 oder bei verkauf@zuercher-wanderwege.ch. Sie kostet fünf Franken, für Mitglieder der Zürcher Wanderwege ist sie gratis.

Erstellt: 18.11.2015, 23:13 Uhr

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