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Hundewelpen in der Türkei gerettet – und in Zürich eingeschläfert

Antonio Dichiricho steht nach einer gut gemeinten Hunderettungsaktion vor einem Scherbenhaufen.

«Ich konnte die Kleinen doch nicht einfach elend sterben lassen»: Antonio Dichiricho mit Hunden, die er früher aufgenommen hat.
«Ich konnte die Kleinen doch nicht einfach elend sterben lassen»: Antonio Dichiricho mit Hunden, die er früher aufgenommen hat.
Tom Kawara

Als Antonio Dichiricho auf seiner Reise durch die Osttürkei in einer Abfalltonne neun neugeborene Hundewelpen fand, dachte er nur noch eines: «Denen muss ich helfen.» Dieser Gedanke kommt ihn nun teuer zu stehen: Er muss Kosten von mehreren Tausend Franken übernehmen und zusätzlich mit einer Busse rechnen.

Seine Firma hat ihm gestern die eben erst angetretene Stelle als Verkaufssupporter gekündigt, weil er wegen der Sache zu viel privat telefoniert und unkonzentriert gearbeitet habe. Das Schlimmste aber ist: Mittlerweile wurden acht der neun mittlerweile vier Wochen alten Welpen auf Veranlassung des Veterinäramtes Zürich eingeschläfert.

Draht zu Tieren

«Ich konnte die Kleinen doch nicht einfach elend sterben lassen», sagt der 43-Jährige. Der kaufmännische Angestellte spricht griechisch und türkisch und weitere sechs Sprachen und war unter anderem als Reiseleiter tätig. Und er hat sich seit er denken kann um Tiere gekümmert. Wiederholt hat er Strassenhunde gerettet, auch schon mal ein geschundenes Pferd gekauft und an eine gute Stelle vermittelt. Er finde zu Tieren oft besser den Draht als zu Menschen. «Ich wuchs in einem Heim auf, hatte nie eine Familie, bin alleinstehend – ich kann mich gut in die Situation von Verlassenen einfühlen.» So nahm er die neun Welpen und eine weitere in der Gegend streunende Hündin zu seinen drei eigenen Hunden ins Auto, richtete ihnen im Kofferraum eine Kinderstube ein und fütterte sie alle zwei Stunden.

Mit dreizehn Hunden im Auto

Ursprünglich versuchte Dichiricho in der Türkei, einen guten Platz für seine Schützlinge zu finden. Dann entschied er, sie in die Schweiz mitzunehmen. «Ich war mir sicher – dort finde ich einen guten Ort für sie.» Er liess ihnen einen Chip einsetzen – impfte sie aber nicht gegen Tollwut. Mit dreizehn Hunden im Auto machte er sich auf die Heimreise und passierte alle Grenzen, ohne je kontrolliert zu werden. Er war ohnehin im Verzug: Am 2. Mai hätte er seine Stelle antreten sollen, am 3. Mai um drei Uhr in der Früh kam er in Zürich an.

Da keine Zeit blieb, seine Kleinen einzuquartieren, nahm er sie mit zur Arbeit und liess sie tagsüber im Auto. «Im Schatten, Fenster offen, Futter dabei, und in der Pause ging ich sofort zu ihnen. Es war als Übergangslösung gedacht.» Als er am nächsten Tag erneut mit den Hündchen vorfuhr, benachrichtigte der Hausabwart die Polizei. Er erzählt: «Ich wurde vom Arbeitsplatz weggeholt, die Polizei, Mitarbeitende vom Veterinäramt und die Tierambulanz standen bei meinem Kombi und erklärten mir, dass sie die Hündchen mitnehmen.» Er habe nicht einmal Zeit gehabt, Abschied zu nehmen.

Am gleichen Tag getötet

«Die Kleinen waren doch fast wie Kinder für mich.» Der schlechte Zustand zweier Welpen führte dazu, dass sie noch gleichentags «aus Tierschutzgründen euthanasiert» wurden, wie es in der Verfügung des Veterinäramtes heisst. Die tierärztliche Untersuchung habe ergeben, dass die Welpen stark abgemagert und massiv von Ektoparasiten befallen gewesen seien.

Da sich auch der Zustand der andern Hündchen verschlechterte, mussten in den folgenden Tagen sechs weitere Hunde eingeschläfert werden. Dichiricho kann dies nicht verstehen: «Die Hündchen waren meines Erachtens in keiner schlechten Verfassung. Sie haben gefressen und gespielt.»

Verbliebene Tiere müssen zurück

Nun weiss er nicht mehr ein noch aus: «Ich bin todtraurig, weil ich den Hunden nicht helfen konnte, und stehe mit dem Gesetz in Konflikt, ohne dass ich etwas Böses tun wollte.» Tatsächlich hat er gegen das Tierseuchengesetz verstossen – in der Türkei kommt die Tollwut noch vor. Sie gilt daher als Tollwut-Risikoland. Zudem muss er sich wegen illegaler Einfuhr von Heimtieren verantworten und die Kosten für die Unterbringung und Behandlung der Hunde tragen.

In der Verfügung vom 6. Mai wird Dichiricho ausserdem angewiesen, die verbleibenden Hunde auf direktem Weg in die Türkei zurückzubringen. Dazu müsse er innert drei Tagen ein Ausreisekonzept vorlegen und die Bewilligung der Länder, welche er durchreisen will, sowie die Einreisebewilligung der Türkei einholen. Bis am 16. Mai müssen die beiden Hunde die Schweiz verlassen, sonst werden sie definitiv beschlagnahmt.

«Unverantwortlich»

«Wie soll ich das alles machen», sagt Dichiricho. «Ich wollte doch nur helfen.»Rudolf Thoma, stellvertretender Kantonstierarzt, hat sich mit dem Fall beschäftigt. Direkt dazu äussern kann er sich nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Doch sei dies kein Einzelfall (siehe Text Box). «Wir müssen uns pro Jahr mit einigen Dutzend solcher unbedachter Rettungsaktionen beschäftigen.» Und viele würden – für alle Beteiligten – traurig enden.

«Ungeplant Strassenhunde einzuführen, ist unverantwortlich – die Tollwutgefahr darf wirklich nicht unterschätzt werden.» Hinzu komme, dass die Tiere oft von weiteren Krankheitserregern befallen sind – und dadurch andere Tiere – manchmal auch Menschen – gefährden. «Da bleibt uns im Einzelfall nichts anderes übrig, als diese Tiere einzuschläfern.»

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