Huonder lanciert Umfrage zu Bistum Zürich

Der Churer Bischof selbst gibt dem alten Bistumsprojekt neuen Auftrieb. Doch könnte es aus einem entscheidenden Grund scheitern.

Sondiert die Meinungen über ein neues Bistum: Der Churer Bischof Vitus Huonder.

Sondiert die Meinungen über ein neues Bistum: Der Churer Bischof Vitus Huonder. Bild: Gaetan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der langen Geschichte des Bistumsprojekts scheint ein neues Kapitel aufgeschlagen zu werden. «Um sich ein besseres Bild über die verschiedenen Haltungen betreffend ein allfälliges ‹Bistum Zürich› machen zu können», lässt der Churer Bischof Vitus Huonder eine qualifizierte interne Umfrage durchführen, wie er mitteilt. Und zwar bei den Seelsorgenden im Bistum, den Kadermitarbeitern, bei Beratungsgremien, Ordensgemeinschaften sowie den Kirchgemeindepräsidenten. Auch die betroffenen Kantonsregierungen, Körperschaften und reformierten Landeskirchen werden um eine Stellungnahme gebeten, heisst es im Communiqué des Bistums. Bereits Ende April sollen der Öffentlichkeit die Ergebnisse vorgelegt werden.

Weg von Chur

Das Projekt eines Bistums Zürich stammt ursprünglich von der Schweizer Bischofskonferenz und ist 35 Jahre alt. Meist hat es die Basis in kirchlichen Krisenzeiten zu reaktivieren versucht. Im Zuge der Los-von-Chur-Bewegung gegen Bischof Wolfgang Haas hatte die Zürcher Synode 1991 einen Fonds Bistum Zürich geäufnet. Man erinnerte daran, dass der Kanton Zürich seit 1819 blosses Administrationsgebiet, nicht aber Teil des Bistums Chur ist. 2012 gleiste die katholische Körperschaft des Kantons Zürich das Projekt neu auf. Bischof Huonder sicherte zu, das Anliege zu prüfen und informierte den Vatikan. Die aktuelle Umfrage ist mit den Exekutiven der Kantonalkirchen, dem Bischofsrat und dem päpstlichen Nuntius in Bern, Thomas Gullickson, abgesprochen.

Wer wählt den neuen Bischof?

Für Basis und Zürcher Kantonalkirche war allerdings immer klar, dass es in einem neu zu schaffenden Bistum Zürich ein ortskirchliches Bischofswahlrecht geben müsste. Eine Forderung, die das Projekt zu Fall bringen könnte. Denn gemäss Kirchenrecht ernennt der Vatikan die Bischöfe weltweit selber. Ausnahmen wie in den Bistümern Basel, St.Gallen oder auch Chur werden nicht mehr gewährt. Letztes Jahr hatte bereits Bischof Charles Morerod eine Umfrage über die allfällige Neugliederung seines grossen Bistums Lausanne/Genf/Freiburg durchgeführt. Wobei es vor allem um die Schaffung eines eigenen Bistums Genf ging. Obwohl sich eine Mehrheit für eine Neuaufteilung aussprach, führte die Umfrage nicht zum Ziel.

Argumente gefragt

Morerod stellte eine grosse Unentschlossenheit fest und kündigte an, weitere Informationen einzuholen. Gemäss Giuseppe Gracia, dem Sprecher von Bischof Huonder, sind die beiden Umfragen nicht vergleichbar. Im Unterschied zur bloss quantitativen Umfrage Morerods, die auf Ja/Nein-Antworten abgezielt habe, frage Huonder nach den Argumenten für oder gegen ein neues Bistum Zürich. Zudem würden die Antworten extern ausgewertet, nämlich vom Zentrum für Human Capital Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur.

Erstellt: 07.03.2016, 11:49 Uhr

Zwei Drittel der «Churer Katholiken» wohnen in Zürich

Die katholische Kirche im Kanton Zürich hofft, dass im Jahr 2019 das Bistum Zürich geschaffen wird. Das wären genau 200 Jahre nachdem Zürich zum Bistum Chur geschlagen wurde, wie Kommunikationschef Simon Spengler auf Anfrage sagte.
Das katholische Zürich begrüsse den Prozess, den der Bischof mit dem Entscheid zur Durchführung einer Umfrage eingeleitet habe. Die römisch-katholische Körperschaft des Kantons Zürich habe ja das Gespräch über die allfällige Schaffung eines Bistums Zürich im Jahr 2012 neu lanciert.
Zwei Drittel der Katholiken des Bistums Chur leben heute im Kanton Zürich. Der Vorteil eines Bistums Zürich wäre aus pastoraler Sicht, dass der Bischof «näher bei den Leuten» wäre, sagte Spengler. Er hofft, dass eine «glaubwürdige, dialogbereite Persönlichkeit» als Bischof nach Zürich beordert wird. (sda)

Artikel zum Thema

«Die Kirche muss das Bild der Ehe polieren»

Erzbischof Thomas Gullickson ist neuer päpstlicher Nuntius. Er ist gegen die Kommunion für Wiederverheiratete und spielt bei der Suche des Huonder-Nachfolgers eine wichtige Rolle. Mehr...

Eine Rüge und drei Strafanzeigen gegen Huonder

Gegen Vitus Huonder sind drei Strafanzeigen der Churer Staatsanwaltschaft hängig. Zudem tadelt die Bischofskonferenz den Oberhirten. Mehr...

«Huonders Aussagen sind menschenverachtend»

CVP-Chef Christophe Darbellay übt scharfe Kritik am Churer Bischof Vitus Huonder. Dessen Aussagen über Homosexuelle seien untragbar, auch er selbst fühle sich dadurch beleidigt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Mit CallDoc clever und flexibel versichert

Lassen Sie sich rund um die Uhr medizinisch beraten – und sparen Sie dabei! Profitieren Sie vom Prämienrabatt der Grundversicherung. Jetzt Offerte anfordern.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...