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«Ich bringe die Augen nicht mehr auf»

Die Demonstration eines echten Pfeffersprays kann künftig zum Lehrplan der Armee gehören. Die Folge: brennende Augen und höllische Schmerzen, wie Exklusivbilder von der Schulung zeigen.

Das Militär übt den Ernstfall. Ein Ausbildner der Armee sprüht einem Soldaten mit einem Reizstoffsprühgerät (RSG) – der stärkeren militärischen Version des Pfeffersprays – mitten ins Gesicht. Der Getroffene windet sich unter Schmerzen: «Es brennt extrem im Maul und ich bringe die Augen nicht mehr auf.»

Maximal drei Freiwillige werden besprüht

Am Ausbildungszentrum des Heeres (AZH) in Walenstadt demonstrierten gestern zwei Ausbildungsexperten am RSG eine solche Situation für Tagesanzeiger.ch. Dies darf laut den gültigen Weisungen in der Ausbildung von Ausbildnern mit maximal drei Freiwilligen gemacht werden.

Für die Auswahl der Freiwilligen gibt es klare Richtlinien: Linsen- oder Brillenträger sind ausgeschlossen, wie auch Personen, die vor kurzem eine Operation an den Augen durchführen liessen. «Ein Instruktor kann auf die Demonstration ganz verzichten, wenn er dies der Gruppe nicht zutraut oder die Freiwilligen für ihn nicht in Frage kommen – zum Beispiel Rambotypen», sagt Oberst im Generalstab Alex Reber, Kommandat der Lehrgänge und Kurse am AZH. «Die Demonstration macht aber für das Verständnis der Waffe und deren Wirkung wirklich Sinn.»

Intensive Nachbetreuung des Opfers notwendig

Adjutant Unteroffizier Thomas Hollenstein stellte sich als «Opfer» zur Verfügung. Von zwei kurzen Sprühstrahlen aus dem RSG getroffen, konnte er inner kürzester Zeit seine Augen nicht mehr öffnen und verlor daher die Orientierung. Versuche, weiter auf sein Gegenüber einzuschlagen, wie es die nachgestellte Situation vorsah, schlugen fehl. Kurz darauf ging er zu Boden. Erst nach rund 45 Minuten hatte das vom Spray hervorgerufene Stechen in den Augen und das Brennen auf der Haut soweit nachgelassen, dass er auf weiteres Ausspülen mit Wasser verzichten konnte.

Während Adjutant Unteroffizier Hollenstein während knapp einer Stunde fliessend Wasser benötigte, sieht das Reglement zum Einsatz des RSG vor, dass Wasser aus der Feldflasche genügen müsse. «Dies ist nicht nur aus hygienischen Gründen eine fragliche Weisung», sagt Reber. In der Ausbildung setzen die Berufsmilitärs am AZH beispielsweise Wasserflaschen mit einer aufgesetzten Augendusche ein.

Missbrauch vorbeugen

Der in der Turnhalle des AZH bei der Demonstration versprühte Reizstoff war ausreichend, um noch eine halbe Stunde später in Nebenräumen zu Hustenreiz zu führen. Um Missbrauch beim Einsatz des RSG vorzubeugen, prüft man in der Armee nun Wege, diesen zu vermeiden. Laut Reber wäre es mit dem Wägen der RSG möglich, kleine versprühte Mengen nachzuweisen und die fehlbaren Soldaten zur Rechenschaft zu ziehen.

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