«Ich habe sie in ihren Tod begleitet»

Der Mann, der 2016 in Zürich eine Französin erwürgt hat, ist psychisch schwer gestört. Nachdem er sie getötet hatte, verging er sich sexuell an der Leiche. Nun wird ihm der Prozess gemacht.

Tatort: In diesem Haus wurde die junge Frau getötet.

Tatort: In diesem Haus wurde die junge Frau getötet. Bild: TA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die 28-jährige Französin war am Abend des 20. September 2016 tot in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Balgristquartier gefunden worden, bekleidet nur mit der Unterwäsche.

Die Obduktion ergab, dass die Frau erwürgt worden war. Wer damals die Einsatzzentrale der Polizei angerufen hat, ist nicht bekannt. Als mutmasslicher Täter gilt der Wohnungsmieter, ein heute 33-jähriger Schweizer. Er verweigerte anfänglich die Aussage, legte nach zehnstündiger Einvernahme durch den Staatsanwalt dann ein Geständnis ab.

Er habe die Frau aber nicht absichtlich töten wollen, sagte er. Vor jeder Einvernahme hat er auf die Bibel geschworen, dass er nur die Wahrheit sage. Dies kam in der Fernsehsendung «10 vor 10» von Mitte April zur Sprache. Damals berichtete das Schweizer Fernsehen in einem vierteiligen Beitrag über die Zürcher Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte.

Mitbewohner verging sich an der Toten

Der Mann befindet sich seit rund eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Nun ist die Strafuntersuchung abgeschlossen, und der Staatsanwalt hat Anklage beim Bezirksgericht Zürich eingereicht. Dem Beschuldigten wird nach den Sommerferien der Prozess gemacht.

Der Staatsanwalt hat ihn wegen vorsätzlicher Tötung und der Störung des Totenfriedens angeklagt. Der Grund: Nachdem der Mann die Frau nach einem heftigen Streit von hinten in den Würgegriff genommen und getötet hatte, verging er sich sexuell an der Leiche. In ihrer Vagina wurden Spermaspuren des Mannes gefunden.

Die 28-jährige Französin lebte in der Wohnung zur Untermiete. Die studierte Ökonomin aus Paris hatte sich erst drei Monate vor der Tat auf ein Wohnungsinserat hin beim Schweizer gemeldet. Sie hatte eine Stelle in einer grossen Unternehmensberatungsfirma in Zürich als IT-Spezialistin. Beim grundsätzlich geständigen Täter handelt es sich um einen Romand. Der 33-Jährige ist IV- und Sozialhilfebezüger.

«Ich wollte sie bestrafen»

Zwischen den beiden war es regelmässig zu Streit gekommen. Schon vor der Tat hatte die Polizei mehrmals ausrücken müssen. Anfänglich ging es bei den Streitereien um Kleinigkeiten, später auch um persönliche Angelegenheiten. So auch an jenem Tag, als der Mann die Frau tötete. Der Beschuldigte sagte, dass sie ihn beleidigt und «als Schwulen beschimpft» habe. In diesem Moment sei es gewesen, als hätte ein Blitz in ihn eingeschlagen. Eine externe Macht habe die Kontrolle übernommen und alles orchestriert.

Der verletzte Teil in ihm habe sich rächen wollen. «Schau, kleine Nutte, was passiert, wenn du jemanden als Schwulen beschimpfst.» Eine Kraft habe ihm gesagt, das müsse jetzt geschehen, damit er ruhig weiterleben könne, sagte er. «Ich wollte sie bestrafen.» Er habe sie aber nicht töten wollen, es sei ein Versehen gewesen. Als der 33-Jährige bei der Befragung durch den Staatsanwalt den Würgegriff an einem Polizisten demonstrieren musste, sagte er: «Ich habe sie in ihren Tod begleitet.»

Mutter des Opfers ist verzweifelt

Warum die Frau in der Wohnung blieb, obwohl die beiden praktisch täglich miteinander stritten, ist nicht bekannt. Auch ihre Mutter in Frankreich fragte sich im TV-Beitrag, warum die Tochter nicht ausgezogen ist und «was sie mit diesem Individuum verbunden hat». Die verzweifelte Mutter fragt sich, was sie falsch gemacht und wo sie versagt habe.

Laut psychiatrischem Gutachten ist der Täter psychisch schwer krank. Es besteht eine hohe Rückfallgefahr in Situationen, in denen er überfordert ist. Er sei aber behandelbar. Da der Mann nicht schuldfähig ist, wird der Staatsanwalt vermutlich eine stationäre Massnahme fordern, die sogenannte kleine Verwahrung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 15:41 Uhr

Artikel zum Thema

Opfer wohnte mit Täter in einer WG

Schon eine Woche vor dem Tötungsdelikt im Kreis 8 musste die Polizei wegen eines Streits ausrücken. Mehr...

Täter vom Balgristquartier verging sich an Leiche

Ein mysteriöses Tötungsdelikt ereignete sich im vergangenen September in Zürich. Jetzt wurden schreckliche Einzelheiten bekannt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Neue Perspektiven der Schweiz erleben

Die Air Zermatt AG und der Autovermieter Hertz sorgen für eine sichere und erlebnisorientierte Mobilität, die neue Perspektiven eröffnet.

Blogs

Sweet Home 15 geniale Ideen für die Küche

Michèle & Friends Was ich alles nicht tun werde

Die Welt in Bildern

Sprudelwasser: Ein Eisbär taucht in seiner Anlage im Zoo von Gelsenkirchen. (16. Oktober 2018)
(Bild: Martin Meissner) Mehr...