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Kein Tag ohne Drogen

Am Prozess gegen den Küsnachter Galeristen schilderte die Ex-Freundin ihr Zusammensein. Es war eine Beziehung im Ausnahmezustand. «Ich hatte Angst um mein Leben», sagte sie.

Der angeklagte Galerist aus Küsnacht hat gemäss der Ex-Verlobten nicht nur ein Drogen-, sondern auch ein Gewaltproblem. (Zeichnung: Robert Honegger)
Der angeklagte Galerist aus Küsnacht hat gemäss der Ex-Verlobten nicht nur ein Drogen-, sondern auch ein Gewaltproblem. (Zeichnung: Robert Honegger)

Der Galerist/Kunsthändler, der in wenigen Tagen seinen 32. Geburtstag feiert, ist nicht nur angeklagt, im Dezember 2014 seinen Freund Alex in einer Villa in Küsnacht brutal getötet zu haben. Staatsanwalt Alexander Knauss wirft dem Deutschen auch vor, er habe im Sommer und Herbst des gleichen Jahres seine damalige Freundin, eine heute 33-jährige Schweizerin, in London schwer vergewaltigt und massiv sexuell genötigt sowie auf Ibiza aus einem fahrenden Taxi zu stossen versucht.

Die 33-Jährige schilderte dem Bezirksgericht Meilen unter dem Vorsitz von Gerichtspräsident Jürg Meier eine Beziehung, die schon von Anfang an, ab Dezember 2013, «nicht harmonisch» verlief. «Ich hätte mich darauf gar nicht einlassen dürfen.» Sie fühlte sich nicht wohl in einem Umfeld von jungen Menschen, die über Geld ohne Ende verfügen, aber nichts aus ihrem Leben machen. Und natürlich war sein massiver Drogenkonsum ständiges Thema. «Meine Freunde waren von dieser Beziehung gar nicht begeistert», sagte die Frau.

Es wurde immer schlimmer

Sie habe schon ab dem Frühjahr 2014 immer wieder versucht, sich von ihm zu trennen. Es sei aber schwierig für sie gewesen, «ihn seinem Schicksal zu überlassen». Sie habe keinen Tag erlebt, «an dem er sich drogenfrei seinem Leben gestellt hat». Auch die Verlobung im Sommer 2014 brachte keine Besserung, obwohl sie eine allfällige Heirat davon abhängig machte, dass er ein bis zwei Jahre drogenfrei leben kann. Im Gegenteil: Es wurde schlimmer. Wenn ihm in der Diskussion die Worte ausgegangen seien, habe er auch schon mal ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.

Im Oktober 2014 kam es dann im Badezimmer eines Londoner Hotels zu jenen Ereignissen, welche die Frau als «massiven Schock, mit dem ich nicht umgehen konnte» beschrieb. Ihr schien damals zunächst, als sei dem Galeristen für einmal der Sex wichtiger als eine Portion des Rauschmittels Ketamin. «Ich habe die Situation aber komplett falsch eingeschätzt», sagte sie dem Gericht. Denn «dann hat er getan, was ich nicht verstehen konnte». Er vergewaltigte sie anal. Sie habe geschrien, «wie ich noch nie in meinem Leben geschrien habe». Er erstickte ihre Schreie, indem er ihr ein Handtuch aufs Gesicht presste. Dann zog er sie ins Schlafzimmer, vergewaltigte sie vaginal und zwang sie anschliessend, ihn oral zu befriedigen. Sie habe sich «wie ein Gegenstand behandelt» gefühlt.

Wie wegkommen?

Auch Tage danach, habe er «keine Spur von Reue» gezeigt. Als der zwanzig Zentimeter grössere und 40 Kilogramm schwerere Mann ihr das Handtuch aufs Gesicht gedrückt habe, so dass ihr schwarz vor Augen wurde, habe sie gedacht: Jetzt dreht er komplett durch. «Ich hatte Angst um mein Leben.» Von da an sei es ihr nur noch darum gegangen, aus dieser Beziehung rauszukommen, ohne dass der Mann ausraste.

Heute Mittwochnachmittag wird die Befragung der 33-Jährigen fortgesetzt. Dann geht es vor allem um den angeblichen Tötungsversuch auf Ibiza. Ob sich der Beschuldigte zu den Aussagen seiner Ex-Verlobten äussern wird, ist eher unwahrscheinlich. Er hatte schon am ersten Prozesstag angekündigt, von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch zu machen. Sein Medienanwalt hatte schon im Vorfeld der Verhandlung bekannt gemacht, dass die Sexualdelikte und der Tötungsversuch zum Nachteil der Ex-Verlobten komplett bestritten werden.

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