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«Ihre Kinder sind depressiv oder verweigern den Unterricht»

In Zürich mobilisiert der Verein Chance Schulwahl. Er will allen Eltern die freie Schulwahl garantieren – schon wieder.

Die Elternlobby warb 2008 in Baselland mit diesem Plakat für ihre Anliegen.
Die Elternlobby warb 2008 in Baselland mit diesem Plakat für ihre Anliegen.
Matthias Wäckerlin, Keystone

Sechs Jahre nach der Abstimmung zur freien Schulwahl im Kanton Zürich wollen es die Initianten erneut wissen. Der Verein Chance Schulwahl lanciert zusammen mit der Elternlobby Schweiz eine Petition, die für alle Eltern die freie Schulwahl fordert. Das schreiben die beiden Vereine in einer Medienmitteilung.

Die Beweggründe für die Kampagne sind vielfältig. Die Initianten führen verschiedene Reformen ins Feld, die seit der letzten Abstimmung umgesetzt worden sind. Insbesondere der Lehrplan 21. «Wir sind nicht für oder gegen eine der Massnahmen. Aber keine der Massnahmen kann für alle Kinder richtig sein. Es geht zu wenig um das Wohl der Kinder», sagt Margarita Müller, Präsidentin des Vereins Chance Schulwahl, «zu viele sind die Verlierer und leiden.» Ein Grossteil brauchte sonderpädagogische Massnahmen, zahlreiche Kinder könnten ihr Potenzial nicht entfalten.

Körperliche Symptome wegen der Schule

Gemäss Margarita Müller wurde der Verein in den letzten Monaten vermehrt von verzweifelten Eltern kontaktiert. «Ihre Kinder klagen über Bauchschmerzen wegen der Schule, sind depressiv oder verweigern den Unterricht», sagt Müller. Vielen Eltern bliebe nur, ihr Kind von der Schule zu nehmen. Privatschule oder Homeschooling seien die Alternativen.

Ein Wechsel an die Schule nach der Wahl der Eltern, wie ihn die Initianten fordern, könnte das Problem kostengünstig lösen. So könnten alle Familien unabhängig von ihren finanziellen Verhältnissen das für das Kind geeignete Schulmodell aussuchen. Bildungswahl für alle statt für wenige, heisst denn auch der Slogan der Kampagne.

Freie Schulwahl – ein Menschenrecht

Aus Sicht der Initianten würde mit einer freien Schulwahl auch die Autonomie von Schulen und Lehrpersonen sowie von neuen Schulmodellen gefördert. Zudem würde der Wettbewerb unter den Schulen die Qualität steigern. Die Schweiz sei da im Hintertreffen, verglichen mit nordischen Ländern, sagt Müller, die Präsidentin des Vereins Chance Schulwahl.

Die Initianten berufen sich bei ihrer Argumentation auf die Erklärung der Menschenrechte. Diese besagt, dass Eltern ein vorrangiges Recht haben, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteilwerden soll. Die Schweiz hat den entsprechenden Passus im Zusatzprotokoll jedoch nicht ratifiziert.

6000 Unterschriften als Ziel

Die Elternlobby beschränkt sich nicht nur auf Zürich. Zeitgleich sammelt sie Unterschriften in diversen anderen Kantonen – Basel-Stadt, Basel-Land, St. Gallen, Freiburg und Wallis. Der Verein Chance Schulwahl lässt offen, wie viel Zeit er für das Sammeln der Unterschriften einplanen will. Er strebt aber über 6000 Unterschriften an. Erreicht der Verein diese Zahl, könnte er sich vorstellen, für eine entsprechende Initiative Unterschriften zu sammeln.

Bei der Abstimmung im Sommer 2012 fuhren die Aktivisten im Kanton Zürich eine empfindliche Niederlage ein. Lediglich 18,2 Prozent aller Stimmenden hatten damals Ja gesagt zum Wahlrecht der Eltern.

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