Im Rathaus-Foyer gab es nur ein Thema

Setzt die SP weiterhin auf Mario Fehr? Diese Frage trieb am Montag die Kantonsräte um. Heute entscheiden die Delegierten.

Hat er auch nach heute Abend noch gut lachen: SP-Regierungsrat Mario Fehr gab im Kantonsrat zu reden.

Hat er auch nach heute Abend noch gut lachen: SP-Regierungsrat Mario Fehr gab im Kantonsrat zu reden. Bild: Samuel Schalch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Heute Abend findet im Zürcher Volkshaus die Delegiertenversammlung der SP statt. Die grosse Frage: Hält die Partei zu ihrem Regierungsratskandidaten Mario Fehr oder schiesst sie ihn ab? Wer sind die Kontrahenten? Schwierig zu sagen. Fehrs Gegner halten sich bedeckt, man erahnt sie bei den Juso und in der Stadt Zürich. Einige potenzielle Gegner sagen - ohne genannt werden zu wollen -, dass sie sich erst an der Delegiertenversammlung (DV) entscheiden werden.

Fehrs Anhänger sind eher bekannt und eher prominent. So haben sich die Nationalrätinnen Chantal Galladé und Jacqueline Badran sowie SP-Schweiz-Präsident Christian Levrat für den Sicherheitsdirektor starkgemacht. Auch in der Kantonsratsfraktion scheint der Fall klar. Dort sind viele Stadtzürcher pro Fehr: Benedikt Gschwind, Andrew Katumba oder Thomas Marthaler. Auch Davide Loss verteidigt ihn, allerdings ist er als Adliswiler in Fehrs Sippenhaft. Und nicht nur er: Die anderen Delegierten aus dem Bezirk Horgen werden Fehr unterstützen.

«Spezielles» Verfahren

Nicht gut kommt die SP-Parteileitung um die Co-Präsidenten Priska Seiler Graf und Andreas Daur weg, welche Fehr weder nominieren noch nicht nominieren will. «Speziell» nennt Loss das Verfahren, weil die Vertrauensfrage nicht vom Betroffenen gestellt wird, sondern von der Parteiführung. Gar «fahrlässig» tituliert Marthaler das Vorgehen, weil bei einer Nichtnomination ein Sitzverlust für die SP droht.

Auch Alt-SP-Stadtparteipräsident Koni Loepfe findet den Verzicht auf eine Parole «unverständlich», da es sich um eine zentrale Führungsaufgabe handle. Ein Türchen lässt Loepfe offen: Wenn die Parteileitung am DV-Abend doch noch eine Empfehlung bringt, wäre es legitim gewesen, sie bis dann geheim gehalten zu haben. Katumba nimmt die Parteileitung in Schutz, erwartet aber, dass nach dem «reinigenden Sommergewitter» Ruhe einkehrt.

Auch Tobias Langenegger und Michèle Dünki-Bättig finden das Vorgehen gut. Sie erwarten ein «knappes» bis «sehr knappes» Resultat. Nicht so die meisten anderen. Die Prognosen gehen von «Ich denke, dass es klappt» (Loss) über «deutlich» (Robert Brunner, Grüne), «klares Sache» (Esther Guyer, Grüne), Zweidrittelmehrheit (Loepfe) über 75 Prozent (Katumba) bis zu 80 Prozent zugunsten Fehrs. Letztere Zahl stammt von SVP-Mann Claudio Schmid, der Fehr «gute Arbeit» attestiert.

Schadenfreude bei der SVP

Dass sich die SP selbst zerfleischt, sorgt natürlich auch für Schadenfreude. So kritisiert SVP-Präsident Konrad Langhart die SP-Rennleitung: «Eine Führung sollte führen.» «Maximal deppert» nennt das Wahlvorgehen Robert Brunner, während FDP-Präsident Hans-Jakob Boesch es «das Gegenteil von mutig und führungsstark» nennt. Würde er Mario Fehr für ein «Top 6»-Ticket in die bürgerliche Allianz aufnehmen, wenn die SP ihn verschmäht? «Nein, er bleibt ein Linker.» Die grüne Fraktionschefin Guyer wiederum sagt: «Bei uns kann er sich bewerben.»

Erstellt: 29.05.2018, 10:31 Uhr

Artikel zum Thema

Vertrauensfrage entscheidet wohl über Mario Fehrs Zukunft

Showdown in der Zürcher SP: Mario Fehr kandidiert gemäss Parteispitze bei den Regierungsratswahlen 2019 nur, wenn sich seine Partei hinter ihn stellt. Mehr...

«Mario Fehr gehört zu uns»

Interview SP-Schweiz-Präsident Christian Levrat schaltet sich in das Drama um den Zürcher Regierungsrat ein. Mehr...

Galladé zur Causa Fehr: «So geht man nicht mit Leuten um»

Jetzt schaltet sich Chantal Galladé ein: «Wir zerfleischen uns selbst», so die Nationalrätin. Was ist los bei der SP? Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Feueralarm: Ein Lufttanker lässt Flammschutzmittel auf die Brände in den Gospers Mountains in New South Wales fallen. Durch die hohen Temperaturen und starke Winde ist in Australien die Gefahr von Buschfeuer momentan allgegenwärtig. (15. November 2019)
(Bild: Dean Lewins) Mehr...