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In den ewigen Jagdgründen

In einer einmaligen Rettungsaktion wurde ein Steinadler-Weibchen zur Kur nach Zürich gebracht. Das Tier ging sogar in die Physiotherapie – aber zu spät.

Der Steinadler wird im Tierspital Zürich für die Durchführung von Untersuchungen narkotisiert.
Der Steinadler wird im Tierspital Zürich für die Durchführung von Untersuchungen narkotisiert.
Stiftung PanEco
Das Tier wird einer Untersuchung im Computer-Tomograf (CT) unterzogen.
Das Tier wird einer Untersuchung im Computer-Tomograf (CT) unterzogen.
Stiftung PanEco
Nach der erneuten Untersuchung im Tierspital war aber klar: Dem Adler kann nicht mehr geholfen werden. Er muss eingeschläfert werden.
Nach der erneuten Untersuchung im Tierspital war aber klar: Dem Adler kann nicht mehr geholfen werden. Er muss eingeschläfert werden.
Stiftung PanEco
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Das Steinadler-Weibchen war am 10. März am Fusse des Piz Buin im Engadin von einem Wildhüter aufgefunden worden. Es hatte sich bei einem Gämse-Kadaver so unglücklich in das tote Tier verhakt, dass es nicht mehr loskam. Bei der toten Gämse handelte es sich um ein Lawinenopfer. Der Vogel wurde geborgen und zum nächsten Tierarzt gebracht und gründlich untersucht. Schnell wurde klar: Er kann den linken Flügel nicht benutzen. Die Röntgenbilder zeigten jedoch keinerlei Auffälligkeiten. Mit einem dick einbandagierten Flügel wurde das Adlerweibchen am 12. März in die Greifvogelstation Berg am Irchel ins Zürcher Weinland gebracht.

Dort ist das Tier nochmals untersucht und gewogen worden. Mit einem Gewicht von 4,7 Kilogramm schlossen die Spezialisten auf ein Weibchen. Die Geschlechter des Steinadlers unterscheiden sich deutlich in Grösse und Gewicht; Weibchen sind grösser und schwerer. Zudem trug es am Fuss einen Ring. Das Adlerweibchen war bereits als Junges im Rahmen eines Forschungsprojekts im Horst beringt worden. Somit konnte auch sein Alter mit drei Jahren zweifelsfrei festgestellt werden.

Entzündung wegen alter Wunde

Weil das Tier den linken Flügel weiterhin nicht bewegen konnte, brachte man es zur weiteren Untersuchung ins Tierspital Zürich. In der Wildtierklinik wurde es sediert und einer Computer-Tomografie (CT) unterzogen. Das CT zeigte keinerlei Auffälligkeiten in der Knochenstruktur. Die Ärzte stellten jedoch eine Wunde in der Flügelsehne und erhöhte Entzündungswerte fest. Laut Andreas Lischke, der Leiter der Greifvogelstation, hatte sich das Adlerweibchen vermutlich am Gämse-Kadaver mit einem anderen Adler gestritten. Dabei hatte sich der Flügel des Adlerweibchens im Horn der toten Gämse festgehakt. Der Vogel konnte sich nicht mehr befreien und wegfliegen.

Andreas Lischke machte mit dem Vogel regelmässig Physiotherapie und bewegte den Flügel hin und her. Ziel war: Dass der Adler der Flügel alleine bewegen und der Vogel freigelassen werden kann. So weit kommt es aber nicht. Bei einer weiteren Untersuchung im Zürcher Tierspital stellten die Veterinäre fest, dass das verletzte Sehnengewebe grösser geworden ist und die Wunde nicht verheilte.

Weil der Adler demzufolge nie mehr fliegen kann, wurde das Tier eingeschläfert. «Das ist bitter für uns», sagt Irena Wettstein, Sprecherin der Greifvogelstation. Aber ein Leben in der Gefangenschaft mit nur einem flugfähigen Flügel wäre keine Alternative gewesen. Laut Tierschutzgesetz müssen Wildtiere, die nicht mehr freigelassen werden können, eingeschläfert werden. Wettstein betont, dass die Greifvogelstation einen Pflegeerfolg von 80 Prozent aufweise: «Ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz, dank guter Vernetzung mit Tierspital und Tiertransport.»

Adlerreviere in den Alpen ausgebucht

Der Bestand der Steinadler in der Schweiz ist stabil. Gegenwärtig leben im Alpenraum ca. 350 Paare. Mit dem Verbot der Bejagung im Jahr 1953 erholte sich der Bestand. Der Alpenraum ist heute praktisch ausgebucht mit Adlerrevieren, und einzelne Exemplare weichen ins Mittelland aus. So wurden auch im Zürcher Tössstock-Gebiet und im benachbarten Toggenburg Steinadlerreviere beobachtet.

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