In diesen (Alt)-Städten schwimmt es sich am schönsten

Flussbaden macht Spass. Am meisten zwischen Altstadtbauten. Was in Zürich erst ausnahmsweise erlaubt ist, ist in Basel und Bern längst ein sommerlicher Volkssport.

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Nur zwei Mal im Jahr darf man sich in der Limmat durch die Zürcher Altstadt treiben lassen: Beim Chlausschwimmen im Dezember und beim Limmatschwimmen im August. Nun fordern die beiden Zürcher GLP-Politiker Daniel Häuptli und Guido Hüni, das Badeverbot im schönsten Abschnitt der Limmat zwischen Bürkliplatz und Lettenkanal zu lockern.

Mit je einem Vorstoss im Gemeinde- und im Kantonsrat wollen die beiden zum Ziel kommen. Ihnen schwebt zumindest eine temporäre Lockerung vor: «In Anlehnung an den Monday-Night-Skate, an dem die Strassen für kurze Zeit den Rollschuhfahrern gehören, könnte die Limmat für einen Monday-Afterwork-Swim freigegeben werden», sagt Häuptli zu «20 Minuten». Einen ähnlichen Vorstoss haben 2009 bereits die Grünen im Gemeinderat eingereicht. Das Anliegen wurde aber abgelehnt, weil der Kanton für die Schifffahrt zuständig ist.

Schiffahrt einschränken

Diese müsse während der für Schwimmer festgelegten Zeiten allenfalls eingeschränkt werden, ein paralleler Betrieb sei zu gefährlich, so die Initianten. Deren Forderung stösst bei der Zürcher Schifffahrtsgesellschaft auf wenig Gegenliebe: Die Boote auf der Limmat seien ein Touristenmagnet. «Bis 20 Uhr verzeichnen wir eine Auslastung von 100 Prozent», sagt Sprecherin Wiebke Sander.

Die Zürcher Rettungsschwimmer können der Idee zwar Positives abgewinnen. Bei normalem Pegelstand sei die Strömung für geübte Schwimmer unproblematisch. Doch würden das Wehr beim Letten, die Brückenpfeiler und die Limmatschifffahrt zur Gefahr, besonders, wenn Leute betrunken ins Wasser springen würden.

Der Berner Volkssport schlechthin

Wie es doch geht, zeigen die Schweizer Städte Basel und Bern: In der Hauptstadt ist Flussschwimmen mitten in der Altstadt im Sommer der Volkssport Nummer 1. Vom Eichholz aus am Dählhölzli vorbei unter der Monbijoubrücke hindurch bis zum Marzili lässt man sich treiben, oder alternativ weiter unten von der Kornhausbrücke bis zum Lorrainebad.

Abkühlung in der Aare auf dem Abschnitt Altenbergsteg bis Lorrainebad in Bern.

Die Stadt Bern informiert ausführlich über die idealen Ein- und Ausstiegspunkte, über Untiefen, stehende Wellen und andere gefährliche Stellen. Viele Brücken schwingen sich in Bern weit oben über die Aare, ganz ohne die in Zürich allgegenwärtigen Brückenpfeiler. Aber auch in Bern gibt es sie, etwas ausserhalb bei der Auguetbrücke zum Beispiel, wo die Strömung an den Stützen 2015 zu einem tödlichen Unglück mit einem Gummiboot geführt haben.

Drei Effekte spielen dabei eine Rolle: Direkt vor einem Pfeiler fliesst das Wasser in die Gegenrichtung, was ein Boot abrupt zum Stillstand bringen und seine Passagiere ins Wasser katapultieren kann. Für Schwimmer ist das am Pfeiler vorbeiströmende Wasser gefährlich: Es beschreibt einen Wirbel hinunter bis an den Grund. Und speziell bei langgezogenen Pfeilern entsteht oberhalb der Pfeiler ein Unterdruck, der Schwimmer unter Wasser zurückhalten kann.

Um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden, greift die Stadt Bern zu ungewöhnlichen Mitteln: zu einem Handy-Videospiel in trendiger Pixelgrafik zum Beispiel. Darin muss der Spieler Felsbrocken, Strudeln und Riesenkraken im Fluss ausweichen. Das Spiel ist Teil der gleichnamigen Aktion «Aare you safe?» zur Prävention von Badeunfällen in der Aare.

Sicher vorbei an Baumstämmen, Strudeln und immer den Gummienten hinterher! Die Stadt Bern informiert per Handy-App über Gefahren beim Flussschwimmen.

Vorbei an Tankern, wie im Meer

In Basel beginnt der Flussbadespass für alle am gleichen Ort: am Strand unterhalb des Tinguely-Museums. Tafeln am Ufer zeigen die Route auf. Der Basler packt hier seine Siebensachen in den Wickelfisch, den praktischen wasserdichten Sack – das Accessoire des flussbadenden Städters im Sommer – springt hinein und lässt sich langsam treiben. Der Fluss ist breit wie das Meer, es geht vorbei an Tankern, unter Brücken hindurch, man weicht Fähren aus.

Der Schwumm endet am rechten Rheinufer mit seinen vielen Sommerbeizen am Wasser, die hier den treffenden Namen «Buvette» tragen. Die Stadt hat sogar Duschen aufgestellt, was einigen besonders abenteuerlustigen Baslern im Sommer erlaubt, ihren Arbeitsweg schwimmenderweise zurückzulegen – zumindest in Fliessrichtung.

Aber nicht nur Bern und Basel sind der Stadt Zürich hinsichtlich Flussschwimmen voraus. Sogar in Luzern an der Reuss überlegt sich die Stadtverwaltung, wie das Flussbaden beim Reusszopf sicherer und attraktiver gemacht werden kann. Und selbstverständlich kann man sich auch in Rheinfelden oder Eglisau herrlich im Fluss treiben lassen, wenn auch bedeutend weniger lange vor Altstadtkulisse. Sie ist dort einfach nicht – wie in Zürich – zwei Kilometer lang.

Erstellt: 14.07.2018, 13:52 Uhr

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