Jetzt entsteht in Zürich das grösste Veloverleihnetz der Schweiz

Auf den Pannenstart folgt die Expansion: Publibikes rollen künftig auch über die Zürcher Stadtgrenze hinaus ins Glattal.

Sind bald auch im Glattal zu sehen: Publibike expandiert in vier weitere Zürcher Gemeinden.

Sind bald auch im Glattal zu sehen: Publibike expandiert in vier weitere Zürcher Gemeinden. Bild: Keystone

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Jahrelang fehlte Zürich ein Veloverleih und jetzt entsteht hier plötzlich das grösste zusammenhängende Veloverleihnetz der Schweiz. Das Publibike-Angebot der Stadt Zürich wird in Richtung Osten über die Stadtgrenze hinweg ausgebaut. Dübendorf, Opfikon, Wallisellen und Kloten haben beschlossen, das Bikesharing-System in ihren Gemeinden einzuführen. Geplant ist der Start im September 2019, wie aus diversen Ausschreibungen auf der Ausschreibungsplattform Simap hervorgeht.

Losgehen soll es mit 19 Velostationen, die gleichmässig über die vier Gemeinden verteilt würden, sagt Sarah Keller, Veloverantwortliche der Stadt Opfikon. Das heisst: Kloten fünf, Dübendorf fünf, Opfikon fünf und Wallisellen vier. Dazu würden rund 80 zusätzliche Velos ins Zürcher Publibike-Netz integriert, die Hälfte davon E-Bikes. «Ein solches Verleihsystem ist eine wichtige Ergänzung für unser Verkehrssystem, besonders auf der letzten Meile», sagt Keller. Gedacht ist es also für Kurzstrecken, wo die ÖV-Anbindung schlecht ist. Längere Fahrten bis in die Zürcher Innenstadt oder zurück seien aber nicht ausgeschlossen und vor allem mit den E-Bikes machbar.

Ähnlich tönt es in Wallisellen. «Von hier ist es nicht weit nach Zürich», sagt Marcel Amhof, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde. «Mit dem neuen Verleihsystem kann man schnell nach Schwamendingen oder Oerlikon an den Markt fahren.» Wichtig war den vier Gemeinden, sich miteinander abzusprechen, damit nicht jede ein eigenes Verleihsystem einführt. Das hätte nicht rentiert. Nur ein grenzüberschreitendes und benutzerfreundliches System sei zielführend. Deshalb sei nur die Postauto-Tochter Publibike infrage gekommen.

Idee existiert schon länger

Die insgesamt 19 geplanten Stationen befinden sich alle auf öffentlichem Grund. «Derzeit prüft Publibike auch, ob es weitere Stationen auf privaten Geländen geben könnte, zum Beispiel bei Firmen», sagt Martin Kunz, Stadtschreiber aus Dübendorf. Die Kosten belaufen sich für alle Gemeinden auf jährlich je 20'000 Franken.

Die Idee des Veloverleihs im Glattal gärt schon länger. «Erste Gespräche fanden vor rund einem Jahr statt», sagt Postauto-Sprecher Urs Bloch. Die Velos in den Gemeinden wären die gleichen wie in der Stadt Zürich. Expansionen in stadtnahe Agglomerationsgemeinden seien vor allem dann für sie interessant, wenn bereits ein starkes Stammnetz existiere, und dies sei in Zürich gegeben.

Unabhängig von der Glattal-Erweiterung habe Publibike im vergangenen Jahr sein Angebot in Oerlikon ausgedehnt, sagt Bloch. Ab März würden zudem Stationen in Affoltern und Schwamendingen realisiert. Den Unterhalt soll weiterhin das Team der Sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich (SEB) durchführen. Man sei über die Erweiterung informiert und prüfe, ob man auch den Unterhalt im Glattal übernehmen werde, sagen die SEB auf Anfrage.

Es ist nicht selbstverständlich, wenn heute Kloten frohlockt, dass seine Einwohner «mit Publibike den direkten Anschluss an das grösste zusammenhängende Veloverleihnetz der Schweiz» erhielten. Denn das Zürcher Veloverleihsystem lancierte die Stadt mit gewaltiger Verspätung. Erst rund elf Jahre nachdem der Gemeinderat den Stadtrat mit der Ausarbeitung eines städtischen Verleihsystems beauftragt hatte, rollten 2018 die ersten Publibikes auf Zürichs Strassen. Und das Start-up legte erst noch einen Fehlstart hin: Die Schlösser konnten einfach geknackt werden, die Velos mussten im vergangenen August für mehrere Wochen aus dem Verkehr gezogen werden, um die Sicherheitslücke zu schliessen.

Erstellt: 12.02.2019, 13:15 Uhr

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