Nationalratswahlen: In Zürich wird es ein Vierkampf

Im Rennen um die 35 Zürcher Sitze in Bern haben sich vier Blöcke gebildet. Die AL, obwohl sie es nicht mehr nötig hätte, paktiert mit Links-Grün – aus politischen Gründen.

AL-Kandidat Markus Bischoff profitierte 2015 nicht vom Linksbündnis – im Gegenteil. (Archivbild: Heinz Diener)

AL-Kandidat Markus Bischoff profitierte 2015 nicht vom Linksbündnis – im Gegenteil. (Archivbild: Heinz Diener) Bild: Heinz Diener

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Zusammen sind wir stärker: Nach diesem Motto haben sich die Zürcher Parteien für die Nationalratswahlen vom 20. Oktober aufgestellt. Nun sind die Listen- und Unterlistenverbindungen bekannt. Vier Blöcke haben sich gebildet – zwei grosse, die rund 30 Prozent der Wählenden erreichen, und zwei mittelgrosse, die etwa halb so gross sind.

Die beiden grossen Blöcke sind an den politischen Polen zuhause: Da sind einerseits die SVP samt EDU sowie Jung- und Seniorenparteien und anderseits die SP mit Grünen, AL und zugewandten Gruppierungen.

Die FDP geht allein in die Wahlen respektive hat nur die Jungpartei im Bunde, während der Mitteblock aus GLP, CVP, BDP und EVP und ihren Zusatzlisten besteht. Würde die FDP mit der Mitte zusammenspannen, wäre dies die grösste Allianz. Die vier Allianzen vereinnahmen 27 der 32 Listen. Ohne Partner bleiben die Schweizer Demokraten, die IP, die Öko-Partei, Sarantidis, und up!

Die Kleinen helfen den Grossen

Wer mit wem paktiert, ist immer ein Politikum. Zugrunde liegen aber meist auch taktisch-arithmetische Überlegungen. Vor allem die kleineren Parteien müssen sich überlegen, ob sie sich ins Bett einer grösseren legen. Denn als Faustregel gilt, dass die Grossen von den Listenverbindungen profitieren.

Deshalb hatte sich zum Beispiel die AL vor acht Jahren nur mit kleineren Partnern wie den Piraten zusammengetan. Doch sie verfehlte einen Sitz. Vor vier Jahren wiederum schloss sich die erstarkte AL dem linken Bündnis SP/Grüne an. Wieder gab es keinen Sitz für die AL. Deren Stimmen halfen aber der SP, einen zusätzlichen Sitz zu gewinnen.

Politik vor Arithmetik

Bitter für die AL: In der Listenkonstellation von 2011 wäre ihr Zugpferd Markus Bischoff im Jahr 2015 in den Nationalrat eingezogen, wie die NZZ vor vier Jahren ausgerechnet hat. Bischoff schrieb denn auf Facebook: «Der SP-Tsunami oder der Hang, sich unter den Schutz eines vermeintlich starken Partners oder einer Partnerin zu stellen, hat auch mich an die Wand gedrückt.»

«Der SP-Tsunami
oder der Hang, sich unter den Schutz eines vermeintlich starken Partners oder einer Partnerin zu stellen, hat auch mich an die Wand gedrückt.»
Markus Bischoff (AL) im Jahr 2015

Nach den Wahlen ist man immer klüger. Warum aber schliesst sich die aufstrebende AL in diesem Jahr erneut der SP an? «Aus politischen Gründen», antwortet Bischoff. Der einzige gewählte Pirat im Kanton Zürich hat sich im Winterthur Gemeinderat der SVP-Fraktion angeschlossen. Aus diesem Grund wäre ein Bündnis mit den Piraten bei der AL-Basis nicht gut angekommen, so Bischoff. Ausserdem gehe es darum, alle linken Kräfte zu bündeln, um in Bern eine neue Mehrheit zu erreichen. Gleichwohl gehören die Piraten heuer dem linken Bündnis an.

CVP könnte von BDP-Schwäche profitieren

Ohne Listenverbindungen hätte es vor vier Jahren ein paar Sitzverschiebungen gegeben: So hätte die CVP einen ihrer zwei Sitze an die FDP abgeben müssen und die SVP ihr 12. Mandat nicht erobert – dieser Sitz wäre an die Grünen gegangen.

Die CVP profitierte also 2015 vom Mittebündnis, wobei ihr zweiter Sitz beinahe an die alliierte GLP ging. Falls die BDP-Abwärtstendenz aus den Kantonsratswahlen anhält und die Partei ihren einzigen Sitz im Nationalrat verliert, könnte die CVP diesmal von den BDP-Wählerschaft profitieren – oder die GLP, die in den kantonalen Wahlen stärker war als alle ihre Bündnispartner zusammen.

Erstellt: 05.09.2019, 14:14 Uhr

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