Intrige gegen Blochers Schwiegersohn

Sein Erfolg im Kampf gegen Abzocker wird Roberto Martullo nicht von allen gegönnt. In Meilen soll er nun als SVP-Präsident gestürzt werden.

Vom unbekannten Schwiegersohn zum umtriebigen und unbequemen Nachwuchspolitikera: Roberto Martullo.

Vom unbekannten Schwiegersohn zum umtriebigen und unbequemen Nachwuchspolitikera: Roberto Martullo. Bild: Esther Michel

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An der kantonalen SVP-Delegiertenversammlung vom Dienstag in Gossau war er der grosse Sieger: Roberto Martullo (50), Ehemann von Blocher-Tochter und Ems-Chefin Magdalena, trug mit einem witzigen und beherzten Votum dazu bei, dass die SVP knapp die Ja-Parole zu Minders Abzockerinitiative fasste. Gestern kam die Retourkutsche: Die «NZZ am Sonntag» publizierte einen ganzseitigen Bericht über ihn. Laut diesem soll Martullo als Präsident der SVP-Ortssektion Meilen abgewählt werden.

Ob da Taktik oder gar eine Intrige dahinterstecken – oder ob Martullo mit seinem süditalienischen Temperament einigen Lokalpolitikern bloss auf den Schlips getreten ist, bleibt unklar. Gemäss NZZ «könnte» an der Generalversammlung der SVP Meilen am 28. Februar ein Antrag vorgebracht werden, der einen Wechsel im Präsidium verlangt. Schon vorher wolle man mit Martullo ein Gespräch führen, ob er nicht von sich aus abtritt. Eine Quelle für diese Information wird jedoch nicht genannt.

Der Vizepräsident der SVP Meilen – und damit Martullos Stellvertreter – ist Alt-Kantonsrat Adrian Bergmann. Er sagte gestern: «Von einem konkreten Antrag weiss ich nichts, ich stehe voll und ganz hinter Roberto.» Martullo wurde nach dem plötzlichen Tod von Wolfgang Schapals 2010 einstimmig und mit Applaus zum Präsidenten gewählt. Es gab keine anderen Bewerber. «Wir waren froh, dass er dieses Amt übernahm», sagt Bergmann.

Sein Ziel ist der Kantonsrat

Seither allerdings hat sich Martullo vom unbekannten Schwiegersohn zum umtriebigen und unbequemen Nachwuchspolitiker gemausert, der Zeit für die Partei hat und fast jeden Montag die Sitzungen des Kantonsrats konzentriert von der Tribüne aus verfolgt. Mit seiner Art allerdings ist Martullo nicht vor Tritten ins Fettnäpfchen gefeit. Und vor allem: Wegen seiner familiären Bande ist er in den Medien oft für knackige Storys gut.

Zu den Schlagzeilen trägt Martullo nach Kräften bei. So hatte er vor den Nationalratswahlen die altgedienten SVP-Nationalräte als «Sesselkleber» tituliert, die ohne inneres Engagement und Feuer im Schlafwagen mitfahren und wiedergewählt werden wollten. In einem Brief an über 100 Mitglieder hatte er der SVP zudem vorgeworfen, sie verschlafe den Wahlkampf. Zudem stellte er sich bei der Senkung des Rentenumwandlungssatzes und bei der Abzockerinitiative explizit gegen seinen Schwiegervater.

Martullo möchte Kantonsrat werden. Bei den Wahlen 2011 machte er sechs Plätze gut und landete auf dem dritten Ersatzplatz. Nach dem Nachrutschen von Gregor Rutz in den Nationalrat hoffte er vergebens, dass die zwei vor ihm – zwei abgewählte Bisherige – verzichten.

Erstellt: 21.01.2013, 10:25 Uhr

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