Smartphone-Chauffeure: «Jeder kann so etwas behaupten»

Gewerkschafter Duri Beer kritisiert nach der fristlosen Entlassung dreier VBZ-Chauffeure anonyme Smartphone-Vorwürfe.

Nicht erwünscht: Ein Bus-Chauffeur der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient während der Fahrt sein Tablet.

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Die VBZ haben in den vergangenen zwölf Monaten drei Chauffeure fristlos entlassen, weil sie im ungesicherten Fahrzeug ein Smartphone oder Tablet bedienten. Ist das eine angemessene Reaktion?
Die Einzelfälle kenne ich nicht. Es ist nachvollziehbar, dass die VBZ ein solches Verhalten als grobfahrlässig einstufen, und es ist auch wichtig, dass man bei solchen Vergehen streng ist.

Aber?
Ich bezweifle, dass es angemessen ist, beispielsweise einen 60-jährigen Chauffeur, der 30 Jahre lang für die VBZ gefahren ist, fristlos zu entlassen. Auch wenn er einmal sein Handy im falschen Moment bedient hat. Einer fristlosen Kündigung müssen schwerwiegende Vorfälle vorausgehen, und die Beweislage muss klar sein.

Beschäftigt das Smartphone-Thema die Chauffeure und die Gewerkschaften?
Ja, der Smartphone-Gebrauch beschäftigt uns. Erst kürzlich begleitete ich einen Chauffeur zum rechtlichen Gehör. Ein anonymer Kunde hat behauptet, der Chauffeur habe das Handy während der Fahrt verwendet. Die VBZ prüften die fristlose Kündigung. Fakt ist aber: Jeder kann so etwas behaupten.

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Wie hat der Chauffeur reagiert?
Er hat einen Auszug seines Telefonverzeichnis angefordert und den VBZ erlaubt, allfälliges Filmmaterial aus dem Tram beizuziehen, das seine Unschuld beweisen könnte. Zudem hat er eine Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht.

Und wie ist es ausgegangen?
Das Verfahren ist immer noch hängig, der Fahrer suspendiert. Es besorgt uns, dass aufgrund von anonymen Anschuldigungen immer wieder fristlose Kündigungen angedroht werden.

Hat diese Entwicklung zugenommen?
Die VBZ kennen ein vierstufiges Eskalationsverfahren in ihrem Mahnwesen. Die höchste Stufe ist die Kündigungsandrohung. Wir stellen fest, dass immer öfter Kündigungsandrohungen ausgesprochen werden.

Können Sie das belegen?
Zahlen haben wir noch keine, es handelt sich um einen subjektiven Eindruck. Wir haben bei der VBZ aber nachgefragt, ob sie uns diese liefern könnten. Ende Oktober findet das zweite der jährlichen Treffen statt. Wir erwarten dann die Antworten.

Was halten Sie vom Mahnbrief, den die VBZ verfasst haben?
Ein Brief ist ein sanftes Mittel. Dieses würde ich nicht kritisieren. Der Inhalt ist allerdings zweifelhaft, weil sich die VBZ mit der Androhung einer fristlosen Kündigung selber den Spielraum nehmen, in Härtefällen Ausnahmen zu machen. Ausserdem muss die Beweislage transparent sein.

In den vergangenen Wochen wurden verschiedene Videos veröffentlicht, in denen Fahrdienstvorschriften verletzt wurden. Beschäftigt die Chauffeure, dass sie bei ihrer Arbeit gefilmt werden?
Klar, es wird als Druck wahrgenommen. Auch in den Fahrzeugen sind überall Kameras installiert, die rund um die Uhr filmen. Nicht jeder möchte, dass die ganze Zeit sein Gesicht gefilmt wird. Bei jedem würde man Fehler bei der Arbeit entdecken, würde man pausenlos hinschauen. Aus datenschützerischer Sicht ist das bedenklich.

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Erstellt: 16.10.2017, 16:04 Uhr

Duri Beer ist Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft des Personals öffentlicher Dienste VPOD und zuständig für die Sektion Stadt Zürich und die VBZ. (Bild: zvg)

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