Kameras sind die neuen Augen

Alles, was in der Öffentlichkeit gefilmt wird, sollte vor Gericht als Beweismittel gelten.

Die Justiz tut sich schwer damit: Dashcam in einem Auto.

Die Justiz tut sich schwer damit: Dashcam in einem Auto.

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Wenn ich jemanden zufällig dabei filme, wie er in einen Kiosk einsteigt, ist das Pech für den Einbrecher. Klarer Fall, oder? Jede Wette, dass zehn von zehn unter 20-Jährigen das so sehen. Unsere Justiz aber sieht es anders. Sie sorgt sich um die Persönlichkeitsrechte des Einbrechers. Und sie hält Videomaterial für nicht verwendbar, wenn es zufällig entstanden ist. Wenn ich also meine Handykamera ohne konkreten Anlass durch die Gegend geschwenkt habe, statt sie gezielt einzuschalten, als ich die Straftat bemerkte, dann ist das: Glück für den Einbrecher.

Dies ist die Erkenntnis aus einem aktuellen Zürcher Fall, in dem es darum geht, ob sogenannte Dashcams hinter der Windschutzscheibe bei Verkehrsdelikten als Beweismittel zulässig sind. Eine andere Erkenntnis aus dem gleichen Fall: Die Justiz tut sich unglaublich schwer damit, mit der technischen Entwicklung klarzukommen. Sie erfindet in ihrer Überforderung komplizierte Regeln, die für sogenannte Digital Natives wie von vorgestern wirken müssen.

Nicht die Augen verschliessen

Wir älteren Semester mögen darüber fluchen, aber es ist eine Realität, dass heute immer und überall Kameras laufen. Handys, Drohnen, Dashcams, GoPros. Und es werden künftig sicher nicht weniger. Es sei denn, man verbannt sie per Gesetz aus dem öffentlichen Raum und stellt ihren Gebrauch unter Strafe – viel Erfolg dabei.

Die Entwicklung steht erst am Anfang, aber sie ist eindeutig: Wir verwandeln uns nach und nach zu Cyborgs, aus freien Stücken – zu Hybridwesen mit elektronischen Zusatzaugen und Zusatzhirnen und anderen künstlichen Körpererweiterungen. Warum sollte es da ein Unterschied sein, ob man zufälliger Augenzeuge eines Verbrechens wird (Pech für den Einbrecher) oder zufälliger Kamerazeuge (Glück für den Einbrecher)?

Wir müssen uns solchen Entwicklungen stellen, statt uns in Spitzfindigkeiten zu flüchten. Das heisst: Was in der Öffentlichkeit gefilmt wird, darf ohne Ausnahme als Beweismittel verwendet werden. Denn die Alternative wäre: Wir schliessen draussen konsequent auch unsere Augen, zum Schutz der Persönlichkeitsrechte von Einbrechern.

Erstellt: 17.10.2018, 19:24 Uhr

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