Links-grün will Zürcher Familienpolitik umkrempeln

Gutscheine, Steuerabzüge und Beiträge an Kitas: Gleich drei Vorstösse sollen Familien im Kanton entlasten. Die Kosten? Unbekannt.

Kanton und Gemeinden sollen sich zu je 20 Prozent an den Kosten für Kitas beteiligen. Foto: Sophie Stieger

Kanton und Gemeinden sollen sich zu je 20 Prozent an den Kosten für Kitas beteiligen. Foto: Sophie Stieger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nicht nur im Klimaschutz weht im Kanton Zürich seit dem Wahlsieg der links-grünen Parteien im Frühling ein anderer Wind. Auch in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie macht die neue Ratsmehrheit vorwärts. Dieser Tage haben SP, Grünliberale, Grüne, EVP und AL ein ­Paket von drei Motionen eingereicht, die alle dasselbe Ziel haben: die familienergänzende Betreuung zu fördern.

Erstens sollen sich Kanton und Gemeinden künftig zu je 20 Prozent an den Kosten für Kitas und andere familienergänzende Angebote im Vorschulbereich beteiligen. Und die Tarife, die die Eltern zu bezahlen ­haben, müssen nach Einkommen abgestuft werden.

Zweitens verlangen die fünf Fraktionen eine Erhöhung des Steuerabzugs für Betreuungskosten auf 20'000 Franken pro Kind. Das wäre doppelt so viel wie bisher.

Drittens soll der Kanton Zürich Betreuungsgutscheine einführen, die die Eltern in der Kita ihrer Wahl einlösen könnten. Die Höhe der Gutscheine soll sich ­dabei nach der finanziellen Situation der Eltern richten.

Schweizer Kitas sind teuer

Die fünf Parteien argumentieren damit, dass die ausserfamiliäre Kinderbetreuung in der Schweiz im internationalen Vergleich sehr teuer sei. Studien hätten ­gezeigt, dass dies Eltern – vor allem Mütter – davon abhalte, ihr Arbeitspensum zu erhöhen oder überhaupt im Beruf zu bleiben. Die Vorstösse sollen dazu beitragen, «das Fachkräftepotenzial für den Wirtschaftsstandort Zürich besser auszunutzen».

«Der Kanton hat einen Anfangsaufwand, aber wir sind überzeugt, dass sich das auszahlt.»Michael Zeugin, GLP-Fraktionschef

Hinzu kämen positive Effekte etwa für die Integration. Überdies ­seien Eltern, die beide arbeiten, weniger gefährdet, von der Sozialhilfe abhängig zu werden: «Angesichts des vielfältigen nachgewiesenen Nutzens einer qualitätsvollen Kinderbetreuung rechtfertigt sich ein stärkeres ­finanzielles Engagement des Kantons.»

Welche Kosten auf den Kanton zukommen, wenn alle drei Vorstösse überwiesen werden – und daran gibt es kaum Zweifel, haben die fünf Fraktionen doch 94 von 180 Ratssitzen –, das wissen die Initianten selbst nicht. GLP-Fraktionschef Michael Zeugin will ohnehin nicht von Kosten reden, sondern von Investitionen: «Natürlich hat der Kanton einen Anfangsaufwand, aber wir sind überzeugt, dass sich das auszahlt und der volkswirtschaftliche Nutzen auf Dauer überwiegt.» Das ist auch ein Grund, weshalb die finanzpolitisch ansonsten eher restriktive GLP das Vorstosspaket unterstützt. Dieses sei bewusst so ausgestaltet, dass es sowohl hoch qualifizierten Gutverdienenden als auch sozial Schwächeren etwas bringe.

FDP in der Zwickmühle

Auf der bürgerlichen Ratsseite dürften die Vorstösse für Kopfzerbrechen sorgen. Weniger für die SVP: Für sie sind Vorschulkinder Familiensache, Mehrausgaben lehnt sie ab.

Die FDP aber könnte sich schwerer tun mit einer Haltung. Parteipräsident Hans-Jakob ­Boesch will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie explizit fördern, wie er dieser Zeitung kürzlich sagte. FDP-Kantonsrätin ­Astrid Furrer sieht das ähnlich, sie würde es persönlich begrüssen, wenn sich der Kanton stärker engagieren würde: «Das würde die Stellung des Vorschulbereichs stärken.» Allerdings stelle sich die Frage, inwieweit das Engagement finanzieller Natur sein müsse. Die drei Vorstösse könnten zu einer «enormen Mengenausweitung» führen.

Erstellt: 03.10.2019, 21:43 Uhr

Artikel zum Thema

Die Krippen-Normen kippen

Wenn die Bürgerlichen das Thema Kindertagesstätten anfassen, reagiert die Linke äusserst gereizt. Ein Lehrstück aus dem Kantonsparlament. Mehr...

Dieser Steuerwettbewerb hilft den Falschen

Kommentar Die Kantone überbieten sich mit Kinderabzügen. Das Geld wäre bei der Prämienverbilligung besser eingesetzt. Mehr...

Für Krippen, die Kindern nützen

Kommentar Kindertagesstätten sollen entlastet werden – aber nicht auf Kosten einer guten Betreuung. Die Politik muss differenzieren. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...