Unflätiger Winterthurer Polizist wird suspendiert

Auf der A1 bei Zürich-Seebach hat ein Mann mit Polizeischild einen Autofahrer übel beschimpft, wie ein Video zeigt. Das hat für den Beamten Folgen.

Üble Beschimpfungen: Ein Polizist rastete auf der A1 aus. Video: 20 Minuten

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Auf der A1 rastet ein Mann mit Polizeischild um den Hals aus und beschimpft einen Familienvater aufs Übelste. Er schreit unter anderem: «Dich mache ich fertig, du verdammtes A....» Zuvor war er vermutlich sogar handgreiflich geworden. Die Tochter des Familienvaters auf dem Beifahrersitz bricht in Tränen aus.

Die Kantonspolizei Zürich hat Kenntnis vom Vorfall, wie sie auf Anfrage von «20 Minuten» sagt. Ein Passant habe am 8. September einen Vorfall zwischen zwei Autolenkern gemeldet. Daraufhin sei eine Patrouille nach Zürich-Seebach ausgerückt. «Dort trafen die Polizisten auf einen Mann», sagt Sprecher Stefan Oberlin. Dieser habe angegeben, dass ihn ein anderer Mann tätlich angegangen habe. Bisher habe er im Kanton Zürich aber noch keine Anzeige wegen des Vorfalls gemacht. Dennoch laufen Ermittlungen: «Aufgrund des Videos ermittelt die Kantonspolizei gegen den Mann mit dem roten Auto.»

Stadtpolizei Winterthur distanziert sich

Nun hat die Stadtpolizei Winterthur reagiert. Der aggressive Mann ist ein Mitarbeiter, und als solcher ist er nun per «sofort suspendiert» worden, teilt sie mit. Das Kommando der Stadtpolizei Winterthur beurteile das Verhalten des Polizisten «als inakzeptabel sowie nicht tragbar». Es distanziere sich klar von derartigen Handlungen.

«Das Verhalten des Polizisten
ist inakzeptabel und 
nicht tragbar.»
Kommando Stadtpolizei Winterthur

Die Stapo habe gestern Montagabend über die Sozialen Medien Kenntnis vom Vorfall erlangt. Besagter Polizist war zum Zeitpunkt des Ausrasters – also am 9. September – nicht im Dienst. Offenbar war er vom Familienvater zuvor provoziert worden. Das Video dokumentiert einen äusserst unschönen Wortwechsel.

In den sozialen Medien hat das Video für unzählige Kommentare gesorgt. Es hagelt Kritik für den Polizisten: «Ein absolutes No-go», ist einer der wenigen nicht beleidigenden Kommentare. Ein anderer Nutzer schreibt, dass es niemand geglaubt hätte, wenn der Vorfall nicht auf Video festgehalten worden wäre. Der Familienvater will sich nicht zum Vorfall äussern. Nur so viel: «Das Verhalten des Mannes hat mich schockiert.»

Verband kritisiert Polizisten

«Ich wollte gar nicht, dass das Video veröffentlicht wird. Alle Leute können mein Gesicht und dasjenige meiner Tochter sehen», sagt der Familienvater. Er werde nun auch Anzeige gegen die Person machen, die das Video veröffentlicht hat. Gemäss eigener Aussage habe er bereits den Polizisten verzeigt.

Der Verband der Schweizerischen Polizei-Beamten kritisiert das Verhalten des Polizisten. «Es ist gar kein schönes Video, insbesondere bezüglich Wortwahl und mutmasslicher Tätlichkeit», sagt Generalsekretär Max Hofmann.

«Ganz klar unprofessionell»

Auch wenn die Hintergründe der Geschichte noch nicht bekannt sind und die Unschuldsvermutung auch in diesem Fall zum Tragen kommt, kann gesagt werden: «So darf sich ein Polizist zu keinem Zeitpunkt verhalten. Das war ganz klar unprofessionell – gerade auch weil Polizisten ausgebildet sind, wie sie sich in solchen Situationen zu verhalten haben.»

«Das Video
schadet dem Image
der Polizei.»
Max Hofmann,
Verband Schweizerischer Polizei-Beamten

Schlimm sei besonders, dass er sich als Polizist ausgewiesen habe. «Das Polizeischild um den Hals bedeutet das Gleiche, wie wenn er seine Uniform anzieht.» Das sei in der Freizeit nicht verboten. Ein Polizist dürfe sich auch in der Freizeit ausweisen und Vorfälle protokollieren, wenn es nötig sei, etwa bei einem Unfall. Das Video schade dem Image der Polizei. «Die Polizistinnen und Polizisten verhalten sich tagtäglich sehr professionell.»

«Das ist im Affekt passiert»

Der Polizist aus dem Video sagte zu «20 Minuten», das Video sei aus dem Kontext gerissen, weil es die Vorgeschichte nicht zeige. Zur Tatsache, dass er den Vater «A...» nannte, wollte er sich nicht äussern. Nur soviel: «Das ist im Affekt passiert.»

(oli/pu)

Erstellt: 15.10.2019, 15:05 Uhr

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