Alles noch streng geheim

Für den neuen Zürcher «Tatort» berät die Kantonspolizei das Produktionsteam. Das erste Drehbuch liegt vor.

Wird er Zürcher «Tatort»-Kommissar? Roeland Wiesnekker im Film «Strähl» (2004). Foto: Look now

Wird er Zürcher «Tatort»-Kommissar? Roeland Wiesnekker im Film «Strähl» (2004). Foto: Look now

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Noch zweimal kommt der Schweizer «Tatort» aus Luzern. Dann gehen die Kommissare Stefan Gubser und Delia Meyer in Pension. Das Schweizer Fernsehen hat entschieden, den quotenschwachen Luzerner «Tatort» zu beenden und in Zürich eine Belebung zu unternehmen.

Seit Montag ist bekannt, dass die Kantonspolizei und nicht die Zürcher Stadtpolizei den filmischen Hintergrund spielen darf. Stolz präsentierte die Kapo auf Facebook die erste Seite des Entwurfs des ersten Drehbuchs – allerdings mit sorgfältig geschwärzten Textstellen.

Obwohl das Drehbuch auf seinem Schreibtisch liegt, hält Kapo-Kommunikationschef Reto Scherrer dicht. Noch sei es zu früh, «um die konkrete praktische Unterstützung skizzieren zu können». Die Kapo sei im Moment erst daran, das Produktionsteam kriminalpolizeilich zu beraten und auf richtige Terminologie, verhältnismässiges Vorgehen und korrekte polizeiliche Abläufe hinzuweisen.

Keine Polizeizensur

Kommunikationschef Scherrer stellt klar: «Die Drehbuchautoren sind frei in ihrer Arbeit und darin, ob sie unsere Hinweise beachten.» Die Frage allerdings bleibt brisant, wieweit sich die Polizei gegen negative PR wehren will oder kann. So sind viele deutsche «Tatort»-Kommissare gebrochene Typen mit Alkohol-, Drogen- oder Beziehungsproblemen – also wahrlich keine positiven Identifikationsfiguren.

Vor charakterlich fragwürdigen Kommissaren scheint die Kapo aber keine Angst zu haben. «Wir sind überzeugt, dass das Fernsehpublikum zwischen der Realität und einem Krimi unterscheiden kann», sagte Sprecher Beat Jost bereits im vergangenen April.

Schlechter als die Ermittler kommen meist Chefs und Politiker rüber. Manche sind korrupt, und im Luzerner «Tatort» ist Regierungsrat Mattmann – das Pendant zum Zürcher Polizeidirektor Mario Fehr – ein Ekel. In Luzern ersehnen denn auch einige Polizisten das Ende des einheimischen «Tatorts». Das zeigt sich in der sinkenden Bereitschaft, sich in der Freizeit in Uniform vor die Kamera zu stellen.

Die Kapo hat mit ihrem Helikopter, dem Flughafen und der Seepolizei mehr zu bieten.

In Zürich zeigt sich der zuständige Regierungsrat Mario Fehr von der SP «erfreut und stolz», dass die Kantonspolizei als Partner für seine «Lieblingskrimiserie» ausgewählt wurde. Das ergebe vielleicht sogar «eine zweite Karriere für mich», schreibt er scherzhaft auf Facebook. Er habe alles Interesse daran, dass «die hervorragende Arbeit der Zürcher Kantonspolizei korrekt und realitätsnah dargestellt» werde.

Das Schweizer Fernsehen hat sich entschieden, mit der Kapo und nicht mit der Stadtpolizei zu filmen. Das ergibt einerseits polizeitaktisch Sinn. Denn für Gewaltverbrechen ist die Kapo zuständig. Zudem hat sie mit ihrem Helikopter, dem Flughafen und der Seepolizei mehr zu bieten. Bereits nach Bekanntwerden des Wechsels nach Zürich hatte sich die Stadtpolizei skeptisch gezeigt, dass sich eine Reihe wie der «Tatort» in ihren Räumen filmen liesse – der Zeitaufwand sei zu gross.

Leal oder Wiesnekker?

Spannendste Frage bleibt, wie die Rollen der Kommissare besetzt werden. Doch das Schweizer Fernsehen macht ein grosses Geheimnis daraus. In den sozialen Medien und bei Insidern wird der 51-jährige Zürcher Roeland Wiesnekker am höchsten gehandelt. Er hatte am vergangenen Sonntag im Kölner «Tatort» ebenso überzeugt wie in einer der letzten Serien des «Bestatters» oder auf der Bühne des Schauspielhauses. Den Durchbruch schaffte Wiesnekker mit seiner Rolle als tablettensüchtiger Drogenfahnder 2004 an der Langstrasse im Film «Strähl».

Top gehandelt wird auch Carlos Leal (49), der Lausanner Rapper und Schauspieler, der schon in «Snow White», «Bestatter» und in der Cablecom-Werbung zu sehen war. Weitere Namen: Martin Rappold, Anatole Taubman oder Pasquale Aleardi, der bretonische Kommissar Dupin. Als mögliche Zürcher Kommissarinnen genannt werden Stephanie Japp, Ursina Lardi, Anna Schinz und natürlich Sarah Spale – doch die ist schon für die Krimiserie «Wilder» gebucht.

Erstellt: 08.01.2019, 23:19 Uhr

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