Kantonsrat will weniger Vorschriften für Zürcher Krippen

Die Regeln zur Gruppengrösse und zur Qualifikation der Angestellten sollen überdacht werden, fordern FDP, SVP und CVP. Die SP warnt vor einer Zweiklassen-Betreuung.

Ihre Qualifikation soll weniger streng geregelt sein: Eine Betreuerin in einem Zürcher Hort hilft einem Kind beim Mittagessen.

Ihre Qualifikation soll weniger streng geregelt sein: Eine Betreuerin in einem Zürcher Hort hilft einem Kind beim Mittagessen. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Der Zürcher Kantonsrat will Krippen mehr unternehmerische Freiheiten lassen. Er hat am Montag ein Postulat von FDP, SVP und CVP überwiesen. Der Vorstoss will unter anderem weniger Vorschriften hinsichtlich Gruppengrösse und Qualifikation der Angestellten.

FDP, SVP und CVP reichten den Vorstoss ein, weil es derart viele Vorschriften gebe, dass die Gemeinden diese gar nicht mehr selber prüfen könnten, sagte Astrid Furrer (FDP, Wädenswil). «Wir müssen schauen, welche Vorschriften es für eine liebevolle und gute Betreuung der Kinder braucht und welche nicht.»

Der Vorstoss will Vorschriften «flexibilisieren und wo möglich ganz abschaffen». Ziel sei es, die unternehmerische Freiheit der Krippen zu stärken und deren Kosten zu senken. Lockern wollen die Bürgerlichen etwa Vorschriften zu Betreuungsschlüssel, Gruppengrösse und die Zahl der Räume. Auch die nötigen Qualifikationen für Angestellte und Krippenleitung sollen gesenkt werden.

«Keine Aufbewahrungsorte für Kinder»

Die linke Ratsseite war anderer Meinung. «Krippen sind keine Aufbewahrungsorte für Kinder, sondern pädagogisch wichtige Einrichtungen», sagte Judith Stofer (AL, Zürich). «Da hat unternehmerische Freiheit nichts zu suchen.»

Auch die SP befürchtete, dass dadurch die Krippen geschädigt würden. «Viele würden dann kein Qualitätslabel mehr erhalten», gab Sylvie Matter (Zürich) zu bedenken. Für sie ist klar, wohin das führen würde: «Subventionierte Plätze würden irgendwann nur noch in Krippen mit gelockerten Vorschriften angeboten.»

So entstehe eine Zweiklassen-Betreuung. Zudem würden sich die Angestellten schon heute über zu wenig Personal und zu tiefe Löhne beklagen. Und das Vieraugenprinzip, um Missbräuche zu verhindern, sei mit noch weniger Personal erst recht nicht möglich.

Lockerungen bereits geplant

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) versuchte, das Parlament von einer Überweisung abzubringen. Gewisse Lockerungen seien ja bereits in Arbeit. Die Vernehmlassung werde gegenwärtig ausgewertet und die neue Verordnung im Frühling 2020 beschlossen.

Die Bürgerlichen setzten sich aber mit Unterstützung der GLP durch. Der Vorstoss für weitreichende Lockerungen wurde mit 101 zu 69 Stimmen überwiesen. (sda)

Erstellt: 16.09.2019, 14:03 Uhr

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