Kein Schlafzimmerräuber, sondern ein alter Bekannter

Ein 35-jähriger Rumäne wollte sich mit Erpressungen holen, worauf er glaubte ein Anrecht zu haben. Das trägt ihm 60 Monate im Gefängnis ein.

Das Obergericht sprach von einem «speziellen Fall».

Das Obergericht sprach von einem «speziellen Fall». Bild: Urs Jaudas

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Der 35-Jährige war im August 2016, kurz nach Mitternacht, zusammen mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder in Dübendorf in ein Einfamilienhaus eingestiegen, in dem der Mitinhaber einer im Nahrungsmittelbereich tätigen Firma lebte. Sie fesselten den Mann, bedrohten ihn mit einer echten oder echt aussehenden Schusswaffe und verlangten Geld.

Da der Mann kein Geld zu Hause hatte, gab er den Tätern drei Bankkarten samt dazugehörigen PIN-Codes. Noch in der Nacht und am darauffolgenden Tag bezogen sie Bargeld in Höhe von 15’000 Franken. Der Erpresste wandte sich erst am Morgen an die Polizei.

Geldübergabe kam nicht zustande

Gut zwei Monate später kam es, ebenfalls in Dübendorf kurz vor Mitternacht, zu einem praktisch identischen Überfall. Opfer in diesem Fall: der Direktor der gleichen, im Nahrungsmittelbereich tätigen Firma. Auch er wurde gefesselt und mit einem Elektroschockgerät bedroht.

Die Täter erpressten von ihm ebenfalls Kreditkarten samt PIN-Codes, mit welchen sie in der Folge aber nur 1800 Euro beziehen konnten. Sie gaben dem Opfer drei Tage Zeit, 30’000 Franken zu organisieren. Zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort erschienen die Täter dann aber nicht.

Erpressung soll eine Lohnforderung gewesen sein

Was zunächst nach der Tat von sogenannten Schlafzimmerräubern aussah, entpuppte sich im Lauf der Untersuchung als etwas ganz anderes: Der 35-jährige Rumäne und die beiden Überfallenen kannten sich – teilweise seit vielen Jahren. Ob die beiden Opfer wussten, von wem sie erpresst wurden, blieb auch vor Obergericht offen. Die Opfer hatten gesagt, die Täter seien vermummt gewesen. Der 35-Jährige behauptete, er und sein Bruder seien nicht vermummt gewesen.

Für die räuberische Erpressung gab es aus Sicht des Beschuldigten einen triftigen Grund. Der Rumäne war nicht nur der Liebhaber der beiden Männer gewesen, er hatte auch im Produktionsbetrieb ihrer Firma mitgearbeitet. Dort habe er Überstunden im Wert von etwa 15’000 Franken geleistet.

«Ich möchte um Verzeihung bitten»

Dieses Geld sei man ihm schuldig geblieben. Immer wieder sei er vertröstet worden. Auch die 30’000 Franken seien ihm für den Aufbau eines Geschäfts in seiner Heimat versprochen worden. Mit anderen Worten: Er holte sich nur, worauf er glaubte Anspruch zu haben. Vor Obergericht räumte der 35-Jährige ein, einen Fehler gemacht zu haben. «Es tut mir von ganzem Herzen leid, ich möchte um Verzeihung bitten», sagte er.

Das Obergericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 60 Monaten. Es reduzierte die vom Bezirksgericht Uster ausgesprochene Strafe um sieben Monate. Dass sich der Rumäne ausgenützt, hintergangen und sexuell missbraucht gefühlt habe, lasse sich nicht beweisen, könne aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies habe das Gericht bei der Strafe relativ stark berücksichtigt.

Landesverweisung akzeptiert

Da der 35-Jährige bereits seit über 900 Tagen inhaftiert ist, wird er das Gefängnis voraussichtlich in zehn Monaten verlassen können. Die angeordnete Landesverweisung von acht Jahren hatte er nicht angefochten. Der Bruder des 35-Jährigen hatte das erstinstanzliche Urteil mit einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten akzeptiert und nicht ans Obergericht weitergezogen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.05.2019, 15:43 Uhr

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