Kitesurfer drängen ins Zürcher Seebecken

Ausgerechnet am windmässig besten Platz, auf Stadtgebiet, ist Kitesurfen verboten. Dabei machten die Sportler kaum Probleme, sagt die Polizei.

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Seit vergangenem Jahr ist Kitesurfen auf dem Zürichsee erlaubt, schon tauchen bei günstigem Wind die ersten farbigen Lenkdrachen zwischen Tiefenbrunnen und Wollishofen auf. So auch am vergangenen Wochenende. Unter den Surfern war André Scholtz. Mit seinem Bruder Geza im Begleitboot war er in Meilen gestartet und surfte bis vor die Zürcher Stadtgrenze, wo sich die beiden beim Surfen abwechselten. Scholtz freut sich, dass er bei gutem Wind direkt vor der Haustür aufs Wasser kann. Bisher musste er an den Boden-, Urner- oder Silvaplanersee fahren, um seinen Sport auszuüben.

Auf dem Zürichsee ist Kitesurfen allerdings schwierig. «Selten ist der Wind stark genug», sagt Scholtz. «Es braucht meist Spezialausrüstung.» Scholtz benutzt gerne ein Foil, also ein Brett mit Tragflügeln. Man schwebt damit über der Wasseroberfläche, was den Wasserwiderstand deutlich verringert und die Sportart auch bei geringer Windstärke möglich macht. «Das ist aber eher etwas für Fortgeschrittene», sagt der 37-Jährige, der zusammen mit seinem jüngeren Bruder Geza zu den Extremsportlern in der Szene zählt.

Im Frühling 2013 haben die beiden als erste Kitesurfer die Magellanstrasse von Chile nach Feuerland durchquert, 2015 sprangen die beiden Zahnärzte in Grönland über Eisschollen.

Video: Das Grönland-Abenteuer der Brüder Scholtz

Dermassen angefressen braucht man nicht zu sein, um eine Fahrt auf dem Zürichsee zu wagen. Allerdings sei es am stark verbauten Gewässer hilfreich, zu wissen, wie man von einem Steg oder einer Treppe aus startet. Auch helfe es, trainiert genug zu sein, um es auch schwimmend zurück ans Ufer zu schaffen, so Scholtz. Weil der Wind böig ist und ab und zu wieder Flaute herrscht, muss man im Zürichsee auch öfter ein paar Minuten Pause im Wasser einlegen. «Mit Neopren und bei den jetzigen Temperaturen ist das aber kein Problem», sagt der Eismeer-erprobte Scholtz.

Zürcher Stadtgebiet ist tabu

Dass die Kitesurfer zwischen Wollishofen und Tiefenbrunnen kreuzen und nicht näher an der Stadt, hat seinen Grund: Weiter unten im Seebecken ist Kitesurfen verboten, genauso wie Windsurfen. Äusserst schade findet das Scholtz: «Denn genau dort sind die Windverhältnisse am besten.» Gerne würden die Zürcher Kiter die 200 Meter bis zur Linie China-/Landiwiese ebenfalls nutzen.

Grund für das Verbot ist gemäss Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei, das bereits übernutzte Zürcher Seebecken. «Deshalb hat die Kantonsregierung das Kite- genauso wie das Windsurfen auf Stadtgebiet untersagt.» Trifft die Wasserschutzpolizei doch mal einen Kitesurfer in der verbotenen Zone an, werde dieser nicht gleich verzeigt, so Bisa: «Vielmehr machen wir sie erst einmal darauf aufmerksam, dass das nicht erlaubt ist.» Die paar Kitesurfer, die bisher an der Stadtgrenze beobachtet wurden, machten allerdings keine Probleme.

Erst einer musste gerettet werden

Auch auf dem übrigen See geben die Sportler wenig Grund zur Sorge. Weil es meist zu wenig Wind und deshalb ohnehin nur geübte Surfer auf dem See hat, wie Beat Jost von der Kantonspolizei sagt. «Die Fortgeschrittenen halten sich gewöhnlich auch an die Regeln.» Sie würden Naturschutzgebiete meiden und nicht näher als 150 Meter an die Schiffstationen heranfahren. Erst einmal musste die Seepolizei ausrücken, um einen Kitesurfer aus seiner misslichen Lage zu befreien. Sein Schirm hatte sich bei der Halbinsel Au in den Bäumen verfangen, wo der Wald bis ans Wasser reicht. «Er konnte sich nicht mehr selbst befreien.»

Bei der Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft (ZSG), wo man sich von Beginn an gegen die Zulassung von Kitesurfing auf dem See aussprach, haben sich die Befürchtungen nicht bestätigt. Kitesurfer seien besonders in der Region Stäfa bei starkem Wind anzutreffen, sagt Sprecherin Conny Hürlimann. Diese bewegten sich jedoch nicht in der Kurslinie. «Zumindest nicht, wenn Schiffe passierten. Es freut uns, sagen zu können, dass uns die Kitesurfer respektvoll begegnen und das gemeinsame Nutzen des Sees bisher grundsätzlich reibungslos verläuft.»

Erstellt: 20.06.2017, 09:37 Uhr

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