Klare Absage an Olympia

Der Zürcher Gemeinderat will sich unmissverständlich gegen eine Beteiligung an den Olympischen Winterspielen 2026 in Graubünden aussprechen.

Nach den Vorstellungen der Bündner Regierung findet der olympische Eisschnelllauf in zehn Jahren in der Stadt Zürich statt. Foto: Issei Kato (Reuters)

Nach den Vorstellungen der Bündner Regierung findet der olympische Eisschnelllauf in zehn Jahren in der Stadt Zürich statt. Foto: Issei Kato (Reuters)

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Am 12. Februar 2017 stimmt der Kanton Graubünden auf Geheiss seiner Regierung über 25 Millionen Franken ab, mit denen das Projekt Olympische Winterspiele 2026 weitergetrieben werden soll. Das Konzept sieht vier Austragungsorte vor: St. Moritz, Davos, Chur und den Grossraum Zürich. Kloten ist für das Eishockey vorgesehen, Zürich mit dem Hallenstadion und der ZSC-Lions-Arena für Eiskunstlauf, Short Track und Eishockey sowie Eisschnelllauf in einer provisorischen Halle. Hinzu kommen in Zürich das Medienzentrum, eine Medal Plaza und Teile der Eröffnungs- und Schlussfeier. So steht es auf der offiziellen Website olympia.gr.ch.

Zürich ziert sich

Schon dreimal hat die Bündner Regierung schriftlich beim Stadtrat angefragt, ob und wie weit er sich eine Beteiligung an der Kandidatur vorstellen könne. Antwort: Zürich will weder Sportanlagen bauen, noch Host City sein, noch im Organisationskomitee mitwirken und schon gar keine finanziellen Garantien abgeben.

Im dritten Schreiben vom letzten September steht allerdings: «Hingegen wäre der Stadtrat im Falle eines Zuschlags für die Kandidatur ‹Graubünden – Zürich 2026› gern bereit, Gespräche über eine Einbindung der Stadt Zürich zu führen und zu prüfen, inwieweit er im Rahmen der ihm zustehenden ­Finanzkompetenzen Unterstützung leisten könnte. Insbesondere wäre der Stadtrat sehr gern bereit, die gemäss vorgestelltem Sportkonzept für die Kandidatur vorgesehenen bestehenden eigenen Sportanlagen (Stadion Letzigrund für Eröffnungs- und Schlussfeier) und die übrige bestehende städtische Infrastruktur (Sechseläutenplatz als Medal Plaza) allenfalls gegen Entschädigung zur Verfügung zu stellen.»

Spätestens mit diesen Sätzen ist es vielen im Parlament unheimlich geworden. SP, Grüne, Alternative und eine Mehrheit der Grünliberalen haben deshalb am Mittwoch eine Interpellation mit sieben Fragen eingereicht. Sie wollen Details zu den bisherigen Gesprächen wissen und was der Stadtrat dazu meint, dass Graubünden über ein Konzept abstimmt, das Zürich als Austragungsort vorsieht, obwohl die Stadt ihre Mitarbeit mehrfach verweigert habe. Allerdings bezog sich diese Mitarbeit auf die Kandidatur bei Swiss Olympic, wo sich noch andere Kantone und Gemeinden bewerben.

«Die Stadt hat Wichtigeres zu finanzieren, etwa das preisgünstige Wohnen und die ausserfamiliäre Kinderbetreuung.»Marco Denoth, SP-Co-Präsident

Für den Fall, dass sich Swiss Olympic im September 2017 für Graubünden entscheidet, wollen es die Gemeinderäte genau wissen: «Unter welchen Umständen kann sich der Stadtrat vorstellen, als Host City für Switzerland 2026 zu fungieren?»

Diese Interpellation verschafft dem Gemeinderat endlich die Möglichkeit, sich zu Olympia 2026 zu äussern. Anders war das bisher nicht möglich, da es von keiner Seite Anträge ans Parlament gab. Am kommenden Mittwoch wird der Vorstoss für dringlich erklärt, wofür die vier Fraktionen eine Mehrheit haben. Dann muss der Stadtrat die Fragen innert 30 Tagen beantworten, worauf das Parlament Anfang nächsten Jahres dazu Stellung nimmt.

«Wir wollen eine klare Botschaft gegen diese Spiele aussenden», erklärt SP-Gemeinderat Marco Denoth, Co-Präsident der SP Stadt Zürich. Der Stadtrat habe sich bisher zu vage geäussert. Die Stimmberechtigten von Graubünden sollen vor der Abstimmung wissen, dass die Stadt Zürich nicht mitmachen wird. Der Hauptgrund sind für die SP die Finanzen. Die Stadt Zürich habe Wichtigeres zu finanzieren, insbesondere das preisgünstige Wohnen und die ausserfamiliäre Kinderbetreuung. Denoth verhehlt auch nicht, dass sich das Zürcher Nein gegen das Internationale Olympische Komitee IOK richtet. Es fordere stets viel und liefere nichts. Die Veranstalter würden auf Kosten der öffentlichen Hand Defizit machen und mit Fernsehgebühren viel Geld absahnen. Ähnlich hatten wohl auch die Bündner gedacht, als sie im März 2013 die Kandidatur für die Winterspiele 2022 ablehnten.

Erstellt: 25.11.2016, 20:30 Uhr

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