SVP nimmt Köppel aus dem Rennen

Der Parteivorstand verzichtet auf einen zweiten Ständeratswahlgang mit Roger Köppel. Nun duellieren sich Ruedi Noser (FDP) und Marionna Schlatter (Grüne).

Roger Köppel tritt nicht noch einmal gegen Ruedi Noser an. (Video: Tamedia)

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Fast drei Stunden lang haben am Donnerstagabend 70 Vorstandsmitglieder der Zürcher SVP um einen sehr undankbaren Entscheid gerungen. Soll Roger Köppel für den zweiten Wahlgang nochmals als Ständeratskandidat antreten? Die einflussreichsten SVP-Mitglieder mussten quasi zwischen Pest und Cholera auswählen, wie im Vorfeld immer wieder zu hören war. Soll Roger Köppel mit einem Verzicht dem nun drei Monate lang angefeindeten Ruedi Noser (FDP) den Weg freimachen? Oder soll Köppel am 17. November nochmals antreten – mit dem Risiko, dass dann die noch weniger geliebte grüne Parteipräsidentin Marionna Schlatter Ständerätin wird?

Der Vorstand hatte hinter verschlossenen Türen getagt. Um 21.50 Uhr traten Parteipräsident Patrick Walder und Roger Köppel endlich vor die Medien – der eine mit wichtiger Miene, der andere angespannt.

Grund für den Entscheid: Die SVP sieht offenbar keine Chance, den Wahlkampf zu gewinnen. Walder dankte Köppel für seinen beispielslosen Einsatz. Die Themenkonjunktur habe den grünen Parteien in die Hand gespielt. Der Verzicht, auf Antrag von Köppel, sei der SVP als weitaus grössten Partei nicht leicht gefallen. Die SVP erwarte von der FDP nun eine «klar bürgerliche Politik». Den Entscheid, ob die SVP Noser unterstützt, macht Präsident Walder von Gesprächen in den nächsten Tagen abhängig.

Ruedi Noser ist das kleinere Übel, sagt Köppel.

Roger Köppel sagte: «Unser Hauptziel ist, die linksextreme Grüne Schlatter, eine Marxistin und Kommunistin, zu verhindern.» Es dürfe nicht sein, dass sich nun zwei Bürgerliche «gegenseitig abmetzeln» und Marionna Schlatter die Profiteurin sei. Die SVP begehe keine «Revanchefouls», auch wenn die FDP die SVP in letzter Zeit regelmässig habe hängen lassen, zum Beispiel bei der Masseneinwanderungsinitiative. Ruedi Noser sei, auch wenn er für den Rahmenvertrag ist, das «klar kleinere Übel».

Für Marionna Schlatter ist Köppels Verzicht «keine schlechte Nachricht», wie sie auf Anfrage sagt. Der Verzicht schaffe für den zweiten Wahlgang Klarheit. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger könnten nun frei entscheiden, wer dem Kanton Zürich besser diene – es komme nun nicht zu einem taktischen Wahlkampf, bei dem es nur darum gehe, wer besser gegen Köppel abschneide.

Ruedi Noser sagte auf Anfrage: «Ich bin bereit, für den zweiten Wahlkampf voll zu mobilisieren. Ich freue mich über eine möglichst breite Unterstützung.» Und was Noser auch sagte: «Ich bin jederzeit bereit, die Fragen der SVP-Delegierten zu beantworten.»

Patrick Walder und Roger Köppel während der Medienkonferenz.

Warum war die Ausgangslage für die SVP so schwierig? Roger Köppel zog in einem äusserst intensiven Wahlkampf über die bisherigen Ständeräte Jositsch und Noser her. Diese seien Brüder im Geist, zu EU-freundlich, liessen sich von der linken «Klimahysterie» anstecken und seien «Pöstlijäger».

Jositsch schaffte die Wiederwahl mit 216’679 Stimmen locker. Und Ruedi Noser wurde klar Zweiter mit 141’700 Stimmen – weit vor Köppel mit nur 107’528.

Noch vertrackter ist die Situation, weil Frauen- und Klimabonus die Grüne Parteipräsidentin Marionna Schlatter mit 95’142 überraschend auf den vierten Platz katapultierten. Zu allem Übel aus bürgerlicher Sicht verzichtete die fünfplatzierte Tiana Angelina Moser (GLP) auf den zweiten Wahlgang. Ihre Stimmen kommen nun vor allem der Grünen Schlatter zugute. Ohne Köppels Verzicht hätten er und Noser sich gegenseitig Stimmen weggenommen. Noser übrigens hatte sich bereits am Sonntag für den zweiten Wahlgang in Stellung gebracht und 1000 Plakate mit einem Zusatzsticker überkleben lassen.

Bellen und den Schwanz einziehen

Köppels Verzicht macht taktisch Sinn, und die SVP verkachelt das Verhältnis mit der FDP nicht noch ganz. Doch Köppel muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, er kneife im entscheidenden Moment – drei Monate lang hat er jeden Abend laut gebellt, um dann heute vor dem «Duo Nositsch» zu kapitulieren.

Wäre Köppel dagegen nochmals angetreten, wäre das nicht mehr als konsequent gewesen und hätte von Kampfgeist gezeugt. Gleichzeitig aber würde er die Position von Ruedi Noser schwächen. Am Geld für einen zweiten Wahlgang würde es der SVP jedenfalls nicht fehlen. Köppel hätte mit seiner Sturheit jedoch der Grünen Marionna Schlatter zur Wahl verhelfen können. Gleichzeitig hätte der Anti-Köppel-Effekt gespielt: Um den «Weltwoche»-Chef sicher zu verhindern, hätten wohl viele Noser gewählt.

Der Entscheid für einen Köppel-Verzicht hat sich schon am Montag abgezeichnet. Christoph Blocher hatte in einem TA-Interview ein erstes Machtwort gesprochen: «Hat man eine Chance mit dem besten Kandidaten Köppel, oder muss man sich mit dem kleineren Übel begnügen, Noser oder den Grünen? Und welches ist das?» Damit hat sich Blocher eher für einen Verzicht ausgesprochen. So deuteten das jedenfalls mehrere befragte SVP-ler.

Suche nach neuem Präsidenten

Die Köpfe rauchten bei den SVP-Chefs am Donnerstagabend auch wegen der Wahlniederlage vom letzten Sonntag: minus 4 Prozent, minus 2 Nationalratssitze und Köppel nur abgeschlagener Dritter bei den Ständeratswahlen. Es ging an der Vorstandssitzung auch um die Nachfolge von Interimspräsident Patrick «Pudi» Walder für die nächsten vier Jahre bis zu den Wahlen 2023. Die Parteileitung setzte unter dem Vorsitz von Nationalrat und alt Präsident Alfred Heer eine Findungskommission ein.

Dass der SVP-Vorstand einen ganzen Abend lang über Roger Köppel diskutierte, ist übrigens nicht selbstverständlich. Im Januar hatte Köppel in einem Sololauf seine Ständeratskandidatur angekündigt, ohne den damaligen Präsidenten Konrad Langhart zu informieren. Beim Abbruch seiner Kandidatur dürfen nun alle ihren Senf dazugeben. Der definitive Entscheid nämlich fällt erst am nächsten Dienstag an einer öffentlichen Delegiertenversammlung in Zumikon. Interessant wird dann auch die Frage, ob die SVP Ruedi Noser offiziell unterstützt oder Stimmfreigabe beschliessen wird.

Erstellt: 24.10.2019, 21:55 Uhr

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