Königin Badran

Wer ist in Zürich besonders beliebt bei anderen Parteien? Das ist die Panschierstatistik der Nationalratswahlen.

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Nach zwei Männern wieder eine Frau: Nach Martin Bäumle (GLP, 2011) und Daniel Jositsch (SP, 2015) ist dieses Jahr Jacqueline Badran (SP) die Zürcher Panaschierkönigin. 2007 und 2003 war es die Grüne Ruth Genner gewesen. Badran wurde also am häufigsten auf fremden Nationalratslisten notiert. Gemäss der Aufstellung des Statistischen Amts des Kantons Zürich erhielt sie 89 Stimmen pro 1000 listenfremde Wahlzettel, insgesamt über 30'000 Zusatzstimmen.

Populär ist Badran, die von Mitstreitern wie Gegnern gerne als politische Urgewalt bezeichnet wird, vor allem bei den Grünen und den Grünliberalen. Aber auch auf Listen der SVP taucht ihr Name 1823 Mal auf, auf jenen der FDP gar 2954 Mal.

Nach Badran die grüne Flut

Nach Badran folgen auf der Rangliste sechs Personen, in deren Parteinnamen das Wort grün drin ist. Silber erhält dieses Jahr Bastien Girod (Grüne), der auf einen Wert von 84 kommt. Er darf sich bei der SP-Basis bedanken, die ihm 15'400 seiner 30'000 Fremdstimmen gab. Immerhin gut 7700 kamen von GLP-Listen.

Bronze erntet Tiana Moser (GLP) mit 80 Fremdstimmen pro 1000 Zettel. Ihre Anhängerschaft ausserhalb der Partei ist sehr breit und recht gleichmässig verteilt. Moser erhielt jeweils zwischen 6200 und 9000 Stimmen von SP, Grünen und FDP.

Auf den Rängen folgen Balthasar Glättli, Marionna Schlatter (beide Grüne), Martin Bäumle (GLP) und Katharina Prelicz-Huber (Grüne). Erst darauf folgen die drei Sozialdemokratinnen Mattea Meyer, Min Li Marti und Priska Seiler Graf.

Die erste Politikerin, die nicht aus dem Mitte-links-Lager stammt, ist Doris Fiala (FDP) auf Platz 11. Der beliebteste nicht-linke Mann ist Philipp Kutter (CVP, Platz 16), der erste SVPler ist einer von der Nebenliste 55 plus: Milieuanwalt Valentin Landmann räumte über 1000 Stimmen bei der FDP ab – und 200 bei der SP. Bester Hauptlisten-SVPler ist auf Rang 25 Gregor Rutz, der von seinen 5800 Zusatzstimmen fast 3700 Stimmen von FDP-Anhängern erhielt.

Moser und Noser gleich beliebt

Die Panaschierstatistik ist auch ein Fingerzeig für die Ständeratswahlen. Von den Kandidierenden, die am Montagnachmittag noch im Rennen sind, hat die Grünliberale Tiana Moser am meisten Fremdstimmen erhalten: Sie kommt auf knapp 29'000, was rund 30 Prozent ihres Stimmentotals ausmacht.

Ruedi Noser (FDP) spielt in derselben Liga. Er kandidierte dieses Jahr zwar nicht für den Nationalrat, weshalb keine aktuellen Zahlen vorliegen, doch 2015 hatte er 28'000 Stimmen von fremden Listen erhalten.

Köppel büsst für angriffigen Wahlkampf

Die Grüne Marionna Schlatter, die im Kampf um den zweiten Ständeratssitz neben Jositsch am Sonntag besser abschnitt als Moser, kommt auf 21'500 Stimmen von fremden Nationalratslisten. Davon stammen 12'600 von der SP und 4400 von den Grünliberalen.

SVP-Kandidat Roger Köppel wiederum ist ausserhalb seiner Partei weniger populär als alle anderen Kandidierenden. Er holte nur 5100 Stimmen auf fremden Listen. 2700 kamen von Freisinnigen. Das sind drei Mal weniger als 2015, als Köppel noch 8500 Mal auf FDP-Listen figurierte, – wohl eine Folge der unablässigen Angriffe des «Weltwoche»-Verlegers auf Ruedi Noser. Auch bei der SP-Basis kommt Köppel – auf tiefem Niveau – schlechter an als vor vier Jahren. Damals erhielt er 465 Stimmen, heuer waren es noch 140.

Linke schanzen Linken Stimmen zu

Insgesamt am meisten Panaschierstimmen haben die Grünen erhalten. Die knapp 148'000 machen 8 Prozent ihrer Stimmen aus. Davon stammen 82'000 von der SP-Basis und gut 30'000 von der grünen Konkurrenz, den Grünliberalen.

Die Grünen revanchierten sich artig und schanzten der SP 73'500 Stimmen zu – im linken Bündnis resultiert also fast ein Nullsummenspiel. Die SP erhielt gleich viele Stimmen von anderen Parteien wie die Grünen, bei ihr machen sie aber nur 6 Prozent aus, weil sie die grössere Partei ist.

Die SVP bleibt allein

Deutlich weniger Austausch gibt es zwischen den bürgerlichen Parteien. Die SVP erhielt knapp 57'000 Stimmen von aussen, meist von der FDP. Das macht aber nur 1,5 Prozent der Stimmen aus.

Die FDP bekommt mit knapp 85'000 Panaschierstimmen mehr Zuspruch von fremden Parteianhängern. Auffällig ist, dass die FDP-Teilzeit-Fans fast gleichmässig auf die SVP- und GLP-Wählerschaft aufgeteilt sind.

Auch die GLP bringt es fertig, Anklang bei zwei verschiedenen Lagern zu finden. Ihre knapp 97'000 Fremdstimmen stammen fast zu gleichen Teilen von der SP, den Grünen und der FDP.

Erstellt: 21.10.2019, 14:05 Uhr

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