Köppel, die Frauen und das Klima

Es lohnt sich, bei den Zürcher Ständeratswahlen taktisch vorzugehen – je nachdem, welches Ziel man erreichen will.

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Drei Frauen und zwei Männer fordern die beiden bisherigen Ständeräte Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) heraus: Tiana Angelina Moser (GLP), Marionna Schlatter (Grüne), Nicole Barandun (CVP), Roger Köppel (SVP) und Nik Gugger (EVP).

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben also eine echte Wahl zwischen links und rechts, Frau und Mann, Klima und Wirtschaft. Wer taktisch wählt, erreicht sein Ziel eher.

Haben harte Konkurrenz: die Zürcher Ständeräte Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP). Foto: Dominique Meienberg


Ziel 1: Im Ständerat braucht es eine Frau
Die beiden bisherigen Zürcher Ständeräte sind Männer; im 46-köpfigen Gremium sind Männer insgesamt übervertreten. Wer diesen Fakt ändern will, kann seine Stimme nun mindestens einer und höchstens zwei Frauen geben.

GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser hat die besten Wahlchancen aller Frauen. Foto: Andrea Zahler

Wer zwei Frauen wählt, riskiert allerdings, dass am Ende gar keine einen Sitz holt. Der Grund: Werden die Stimmen zu verzettelt abgegeben, schaffen allenfalls beide Bisherigen die Wahl nicht im ersten Wahlgang. Das macht es für die Frauen ungemein schwieriger, sie im zweiten Wahlgang zu besiegen. Dann nämlich ist gewählt, wer am meisten Stimmen holt. Wer also gerne eine Frau im Ständerat hätte, würde taktisch besser Daniel Jositsch (SP) wählen, der laut Umfragen die besten Chancen hat, und eine Frau. Wird Jositsch im ersten Wahlgang bestätigt, könnten sich die links-grünen Parteien für den zweiten Wahlgang auf eine Frau einigen, die gegen Ruedi Noser und Roger Köppel antritt. Laut der TA-Wahlumfrage ist Tiana Angelina Moser (GLP) die aussichtsreichste Kandidatin.


Ziel 2: Köppel pushen, Köppel verhindern

Wer nicht will, dass Roger Köppel (SVP) in den Ständerat einzieht, sollte auf Nummer sicher gehen. Foto: Gian Ehrenzeller/Keystone

SVP-Kandidat Roger Köppel ist für viele eine Reizfigur. Sie wollen ihn unbedingt verhindern. Wer das will und zwar ohne Risiko, sollte die beiden Bisherigen wählen – und hoffen, dass sie ihre Sitze gleich auf Anhieb verteidigen können. Falls Jositsch oder Noser im zweiten Wahlgang nochmals antreten muss, könnte es durchaus sein, dass Köppel eine Wahlchance hat – je nachdem, wer sonst noch um den Sitz kämpft.

Wer Köppel hingegen unbedingt wählen will, sollte ihn beim ersten Wahlgang allein auf den Zettel schreiben. Dann sinkt das absolute Mehr – und Köppel hat bereits eine Stimme Vorsprung.


Ziel 3: Das Klimathema muss besser vertreten sein

Für eine progressivere Klimapolitik gehen die Menschen seit Monaten immer wieder auf die Strasse. Bild: Raphael Moser

Der Klimawandel ist das Überthema des Wahlkampfs 2019, und er bereitet der Bevölkerung echte Sorgen. In den vergangenen vier Jahren hat das eidgenössische Parlament unter bürgerlicher Vorherrschaft wenig für Umwelt- und Klimathemen getan. Auch das Zürcher Ständeratsduo hat sich nicht sonderlich dafür interessiert – bis jetzt. Nun streichen sowohl der Sozialdemokrat Jositsch als auch der Freisinnige Noser ihre grüne Seite hervor. Schaffen sie die Wiederwahl, werden sie an diesem Thema gemessen werden. Sie sind also durchaus wählbar für Menschen, die den Klimaschutz stärken wollen.

Wer will, dass dieses Thema wirklich Priorität erhält, sollte seine Stimme Tiana Angelina Moser (GLP) oder Marionna Schlatter (Grüne) geben. Moser könnte im zweiten Wahlgang am ehesten einen Sitz ergattern. Beide Frauen engagieren sich seit Jahren tatsächlich für grüne Anliegen.


Ziel 4: Das Ständeratsduo braucht eine neue politische Ausrichtung

Würde das Zürcher Ständeratsduo linker machen: Kantonsrätin Marionna Schlatter (Grüne). Foto: Reto Oeschger

Daniel Jositsch steht am rechten Rand der SP, Ruedi Noser eher links der FDP-Mitte. Wer will, dass das Ständeratsduo linker wird, sollte Daniel Jositsch bestätigen und zusätzlich die Grüne Marionna Schlatter wählen. Wer es lieber bürgerlicher hätte, sollte Ruedi Noser bestätigen und ihm entweder Roger Köppel (SVP) oder die CVP-Frau Nicole Barandun zur Seite stellen. Sie ist Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbandes. Ihre Wahlchancen dürften jedoch winzig sein.

Erstellt: 05.10.2019, 09:25 Uhr

Wählen leicht gemacht

Der Sonntag, 20. Oktober, ist ein wichtiger Tag für die Demokratie. Dann wählt die Schweiz ihre 200 National- und 46 Ständeräte. Sie werden künftig die Gesetze des Landes prägen.

Zürich hält als grösster Kanton auch mit Abstand am meisten Sitze im Nationalrat, nämlich 35. Im Ständerat haben alle Kantone zwei Sitze, die Halbkantone einen.

Nationalratswahl:
Alle wählbaren Frauen und Männer finden sich auf einer der 32 Listen im Wahlzettelset. Man kann die ausgewählte Liste belassen wie sie ist, muss aber nicht. Falls man sie verändern will, kann man Personen streichen und dafür andere verdoppeln (kumulieren) oder die Kandidatin einer anderen Liste einfügen (panaschieren). Es ist auch erlaubt, beides zu tun.

Auf der Liste dürfen nach der Überarbeitung aber höchstens 35 Namen stehen, weil der Kanton Zürich so viele Sitze im Nationalrat hat. Beim Panaschieren sollte man sich bewusst sein, dass man auch die Partei jener Person begünstigt, die man zusätzlich auf die Liste setzt. Grund dafür sind die Listenstimmen.

Für jede Person auf der Liste erhält die Partei eine Stimme. Zum Schluss entscheiden die Anzahl Listenstimmen darüber, wie viele Sitze einer Partei zustehen. Wer zum Beispiel die CVP-Liste auswählt und sie mit einer Kandidatin der EVP ergänzt, schwächt dadurch die CVP ein klein wenig und stärkt die EVP ein kleines bisschen.

Wer aus allen Kandidatinnen und Kandidaten lieber eine eigene Liste zusammenstellen will, kann das ebenfalls tun. Die letzte Liste im Wahlzettelset ist leer.

Ständeratswahl:
Sieben Kandidatinnen und Kandidaten buhlen um die zwei Zürcher Ständeratssitze. Auf dem Wahlzettel kann man nur zwei Personen aufführen. Die Namen sollten dabei so genau als möglich zugeordnet werden können. Allerdings sind die Wahlbüros eher grosszügig – vor allem bei den offiziellen Kandidaten und Kandidatinnen. Wer auf den Zettel Schlatter oder Köppel schreibt, dürfte seine Stimme durchbringen.

Für mehr Diskussionsstoff dürften fehlerhafte Bezeichnungen sorgen, wie Ruedi Moser statt Ruedi Noser oder Tiana Noser statt Tiana Moser. Auch hier dürften die Mitglieder der Wahlbüros aber bedacht sein, eine Lösung im Sinne des Wählerwillens zu finden, heisst es beim zuständigen kantonalen Amt.

Mit A-Post reicht es drei Tage vorher
Wer am 20. Oktober nicht an die Urne gehen will, kann sein Wahlcouvert einschicken. Mit A-Post reicht es bis spätestens am Donnerstag vor dem Wahlsonntag, mit B-Post sollte es bereits am Dienstag weg. Der nächste wichtige Wahltermin ist der Sonntag, 17. November. Dann findet der 2. Wahlgang für den Ständerat statt. Für den Fall, dass sich die Wahl beim ersten Durchgang noch nicht entscheidet. (meg)

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