Zum Hauptinhalt springen

Köppel erhält Gottes Segen

Die Verfluchung Roger Köppels im Neumarkt Theater hat im Zürcher Kantonsrat harsche Kritik ausgelöst. Und überraschende Gegenmassnahmen.

Ursprung des Ärgers: Prozession während der Aktion am Freitagabend. Bild: Urs Jaudas
Ursprung des Ärgers: Prozession während der Aktion am Freitagabend. Bild: Urs Jaudas

Erbärmlich, niveaulos, dumm, peinlich: Die Fraktionen von SVP, EVP, BDP und EDU liessen ihrer Wut über die «Entköppelungs»-Aktion des Theater Neumarkts heute Montag im Kantonsrat freien Lauf. Mit dieser Inszenierung sei eine Grenze überschritten worden, die nicht zu tolerieren sei, hiess es.

EVP-Kantonsrat Johannes Zollinger (Wädenswil) zeigte sich entsetzt, dass mit Steuergeldern und Geld der Zürcher Kantonalbank (ZKB) «ein solch erbärmlicher Schwachsinn» unterstützt wird. Rico Brazerol (BDP, Horgen) bezeichnete den Aktionskünstler Philipp Ruch, als «öffentlichkeitsgeilen Kultur-Hooligan».

Das Theater Neumarkt werde mit 464 Franken pro Eintritt subventioniert, sagte Brazerol weiter. «Unglücklicherweise können wir als Kanton die Unterstützung nicht direkt streichen, da dies Sache der Stadt ist.» Man könne aber mit einer Kürzung des Finanzausgleichs «ein klares Zeichen setzen».

Eine spirituelle Gegenmassnahme

Für die SVP wiederum ist ebenfalls klar, wo beim nächsten Sparprogramm «schnell und schmerzlos der Hebel angesetzt werden kann». Staatsgelder brauche ein solches Haus nicht, sagte Jürg Trachsel (Richterswil). Die SVP hofft zudem, dass sich die Stadt der «Sonderlast Neumarkt» schnell entledigt.

Kantonsrat Michael Welz (Bülach) griff im Ratssaal sogar zur spirituellen Gegenmassnahme und segnete im Namen der EDU SVP-Nationalrat Roger Köppel, seine Familie, die «Weltwoche» und deren Mitarbeiter. Gottes Segen sei stärker als jeder Fluch, sagte er.

«Es reicht jetzt»

Der Grünen Kantonsrätin Esther Guyer (Zürich) wurde es angesichts der Empörung und der Segenswünsche zu bunt. «Man kann über Kunst streiten. Aber es reicht jetzt mit diesem politischen Geschrei», sagte sie. Man könne es schliesslich ganz einfach machen: Nicht mehr in dieses Theater gehen und den Künstler nicht mehr einladen.

Hinter der kritisierten Aktion steht das «Zentrum für Politische Schönheit» aus Berlin, das sich als Menschenrechts- und Aktionskünstlergruppe bezeichnet. Es rief in den letzten Tagen die Öffentlichkeit dazu auf, Roger Köppel «rechtskräftig zu verfluchen» und ihm unter anderem Querschnittlähmung und Ebola zu wünschen.

SDA/hub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch