Köppel: «Das ist kein Thema»

Der Wahlgewinner der SVP sagt, wie er die Ballung seiner medialen und politischen Macht handhaben wird, wie er sich seinen enormen Erfolg erklärt und was er von Mörgeli hält.

Überflieger vom Wahlsonntag: Roger Köppel holte 178'090 Stimmen.

Überflieger vom Wahlsonntag: Roger Köppel holte 178'090 Stimmen. Bild: Patrick Hürlimann

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Nach Ihrem überragenden Erfolg bei den nationalen Wahlen werden Sie bereits als bester SVP-Kandidat für den Kampf um den zweiten Zürcher Sitz im Ständerat gehandelt – unter anderem von Natalie Rickli. Wie sehen Sie das selber, ist ein solcher Schritt denkbar oder schliessen Sie das aus?
Das ist kein Thema. Ich konzentriere mich auf mein Mandat als Nationalrat. Dieser Rucksack ist schwer genug.

Wie geht es Ihnen heute Montag?
Gut. Ich bin meinen Wählern für die enorme Unterstützung sehr dankbar. Gleichzeitig spüre ich den Druck des Auftrags. Man erwartet von mir, dass ich aus diesem Mandat etwas mache.

Wie erklären Sie sich als politischer Newcomer Ihr Glanzresultat?
Ich habe als Weltwoche-Chefredaktor sicher auch viele Wählerinnen und Wähler ausserhalb der SVP angesprochen. Ich stehe seit Jahren für zentrale Grundpfeiler der Schweiz: Unabhängigkeit gegenüber der EU; Einsatz für die direkte Demokratie und für die Volksrechte; kritische Haltung gegenüber dem ausufernden Staat, Einsatz für die bewaffnete Neutralität. Dann habe ich die Schweiz oft auch im Ausland verteidigt, zum Beispiel im deutschen Fernsehen. Aktuell machte ich eine intensive Vortragstournee, um Lösungen gegen das Asylchaos vorzustellen. Das alles hat sicher zum guten Resultat beigetragen.

Was sagen Sie zur Abwahl der Parteikollen Mörgeli und Fehr, resp. was schliessen Sie daraus?
Ich bedauere sehr, dass zwei ausgewiesene, langjährige Spitzenpolitiker der Fraktion fehlen werden. Christoph Mörgeli schätze ich zudem sehr als einen der intelligentesten, scharfzüngigsten und besten Kolumnisten deutscher Sprache. Für ihn gilt der angelsächsische Satz: «You can’t keep a good man down.»

Die Wähler haben die SVP-Liste kräftig durcheinandergewirbelt. Offenbar waren sie mit der Listengestaltung durch die Partei nicht zufrieden. Hat die Partei hier Fehler gemacht?
Nein. Im Gegenteil. Alle Kollegen auf der Liste haben sich enorm und mit Erfolg eingesetzt, auch und gerade wegen der intelligenten Listengestaltung.

Sie haben nun politische und verlegerische Macht – da kommt einem Silvio Berlusconi in den Sinn. Diese Kumulation von Macht ist höchst problematisch.
Überschätzen Sie mich nicht. Aber dieses Wahlresultat ist sicher Ausdruck einer breiten Wertschätzung zugunsten der «Weltwoche» allein im Kanton Zürich. Sie wird ihre klare Ausrichtung behalten, bei gleichzeitig grösstmöglicher Offenheit für alle interessanten Meinungen, eine unbequeme Stimme der Vernunft eben.

Welchen Einfluss hat ihr politisches Mandat auf Ihre Funktionen bei der «Weltwoche»? Werden Sie dort nun kürzer treten?
Nein.

Welche politischen Themen wollen Sie in Bern als erstes aufs Tapet bringen?
Der Bundesrat will, dass die Schweiz künftig EU-Recht automatisch übernehmen soll und im Streitfall europäisches Recht übernimmt. Das müssen wir verhindern. Dann geht es darum, die fatalen Weichenstellungen in der Asylpolitik zu korrigieren, Stichwort Gratisanwälte und Enteignungsrecht für den Bundesrat. Auf die Agenda kommt die Energiewende. Hier braucht es Gegensteuer der Bürgerlichen, damit unsere Wirtschaft und Industrie auf eine sichere bezahlbare Energieversorgung zählen können.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Erstellt: 19.10.2015, 11:57 Uhr

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