Kommt bald das nächste Fischsterben?

Eine Auswertung neuer Daten zeigt auf, wie sich die Klimaveränderung im Kanton Zürich auswirken wird.

Trockene Sommer werden häufiger, und die Trockenperioden werden länger dauern: Aus dem Rhein gefischte, tote Fische werden am Montag, 6. August 2018, in Neuhausen gesammelt.

Trockene Sommer werden häufiger, und die Trockenperioden werden länger dauern: Aus dem Rhein gefischte, tote Fische werden am Montag, 6. August 2018, in Neuhausen gesammelt. Bild: Melanie Duchene/Keystone

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Dass sich das Klima wandelt, ist kaum umstritten. Weshalb, schon eher. Was dieser Klimawandel mit uns – hier in der Schweiz, hier in Zürich – anrichtet, zeigen die eben veröffentlichten Klimaszenarien CH2018 auf. Sie wurden unter der Leitung von Meteo Schweiz und der ETH Zürich erstellt und vom Awel (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft) speziell für den Kanton Zürich ausgewertet.

Die schlechte Nachricht: Wir werden tagsüber noch häufiger wie tote Fliegen herumliegen, weil es zu heiss für Aktivitäten ist. Die gute Nachricht: Der Klimaschutz zeigt Wirkung. Er verlangsamt den negativen Trend und stabilisiert ihn ab 2035 bei verschiedenen Faktoren. Dies allerdings nur, wenn die Massnahmen rasch und weltweit ergriffen werden und dadurch die Treibhausgasemissionen deutlich abnehmen.

Die Höchsttemperaturen nehmen gemäss den neuen Klimaszenarien erheblich stärker zu als die Durchschnittstemperaturen. Das akzentuiert sich noch in der Stadt und der Agglomeration. So werden ohne Klimaschutz für das Jahr 2035 am Standort Zürich-Kloten bis zu 22 Hitzetage errechnet, der Median der Simulationen liegt bei etwa 14. Zwischen 1981 und 2010 waren es im Schnitt 8, letztes Jahr 16.

In Wädenswil ist es zwar etwas kühler, doch wird die Anzahl Hitzetage trotzdem deutlich höher als heute. An Hitzetagen steigt die Temperatur über 30 Grad Celsius. Auch Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, werden zunehmen.

Länger Heuschnupfen

Bis Mitte dieses Jahrhunderts dürften laut Awel Verhältnisse wie im Sommer 2018 und 2015 zum Normalfall werden. Hitzewellen werden zudem intensiver und länger ausfallen, was vor allem für die Gesundheit von älteren Menschen und Säuglingen bedrohlich sein kann. Dazu kommen die Ozonwerte, welche während solcher Hitzeperioden ansteigen. Die steigenden Temperaturen beeinträchtigen aber auch das Wohlbefinden von gesunden und kräftigen Menschen. So beginnen etwa die Pflanzen früher zu blühen, und die Vegetationsphase dauert länger, wodurch sich die Heuschnupfensaison verlängert.

Umgekehrt nehmen die Frosttage ab: 1995 sanken die Temperaturen in Kloten an 92 Tagen pro Jahr unter null Grad. 2035 würde dies nur noch an etwa 74 Tagen der Fall sein, wenn der Klimaschutz nicht greift. In Wädenswil fällt der Wert in besagtem Zeitraum von 74 auf 59 Frosttage. Noch besorgniserregender sind aber die Niederschlagsmengen: Trockene Sommer wie 2015 und 2018 werden häufiger, und die Trockenperioden werden länger dauern. 2035 wird laut den Prognosen in der Nordostschweiz die mittlere Niederschlagsmenge im Sommer gegenüber der Normperiode 1981 bis 2010 um bis zu 18 Prozent abnehmen.

Welche Auswirkungen das hat, mussten die Landwirtinnen und Landwirte letztes Jahr schmerzlich erfahren: Sie hatten Ertragsausfälle zum Beispiel bei Gras und Mais, manche mussten ihre Kühe vorzeitig schlachten, weil sie zu wenig Heu einbringen konnten. Vom Äschensterben und den höchst aufwendigen Umsiedlungen von Fischen ganz zu schweigen.

Neue Krankheiten drohen

Besonders bitter werden die häufigeren und länger andauernden Trockenzeiten in jenen Lebensräumen zu spüren sein, die bereits heute unter grossem Druck stehen: Moore und andere Feuchtgebiete. Damit werden viele bereits seltene Tiere und Pflanzen mehr und mehr ihre Lebensgrundlage verlieren.

Umgekehrt profitieren manche Tier- und Pflanzenarten, womit sie zur Plage werden können. So etwa das für Kühe giftige Schmalblättrige Greiskraut. Auch die Asiatische Tigermücke könnte im Kanton Zürich heimisch werden und neue Krankheiten übertragen. Wenn es aber regnet, dann in Strömen, da warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Das Überschwemmungsrisiko nimmt laut Awel deutlich zu. Es erinnert daran, dass 2005 nur wenig fehlte, und die Sihl hätte die Zürcher Innenstadt und den Hauptbahnhof überflutet. Seither wurden und werden im ganzen Kanton teure Hochwassermassnahmen ergriffen. Nach diesen Szenarien werden sie dringend nötig sein.

Trockene Sommer, dafür mehr Niederschläge im Winter – wegen der höheren Temperaturen fallen diese aber vermehrt als Regen denn als Schnee. So fiel im Raum Kloten 1995 an 13 Tagen ein Zentimeter Schnee oder mehr. Daran wird sich bis 2035 wenig ändern, obwohl etwa 10 Prozent mehr Niederschläge erwartet werden als in der Normperiode.

Laut der eben erschienenen Ausgabe des Magazins «Zürcher Umweltpraxis» wird sich die Schneedecke bereits bis Mitte des Jahrhunderts unterhalb von 1000 Metern etwa halbieren.

Mehr Infos unter: www.klima.zh.ch

Erstellt: 09.04.2019, 23:24 Uhr

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