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Konsequent inkonsequent

Es ist widersinnig, das Kursobligatorium für Hundehalter abzuschaffen, die Verbotsliste aber nicht anzutasten.

Emotionen, so sagt man, sind ein schlechter Ratgeber in der Politik. Denn wer sich aufregt, macht schlechte Gesetze. Im Fall des Zürcher Hundegesetzes stimmt das: Unter dem Eindruck einer tödlichen Beissattacke beschloss der Kanton vor knapp zehn Jahren eines der strengsten Hundegesetze der Schweiz. Kernpunkte waren eine Ausbildungspflicht für Halter von grossen Hunden sowie ein Verbot für «Kampfhunde».

Damit schuf der Kanton drei Kategorien von Hunderassen: sehr gefährlich, halb gefährlich und nicht gefährlich. Eine Einteilung, die wissenschaftlich nicht haltbar ist – und die den Haltern von kleinen Hunden einen Persilschein erteilte, während sie jene mit grossen Tieren unter Generalverdacht stellte.

Am schlechtesten erzogen sind ausgerechnet die angeblich harmlosen Kleinhunde.

Inzwischen sind die Emotionen verflogen. Und man hat zehn Jahre Erfahrung mit dem Gesetz. Zehn ernüchternde Jahre: Die Zahl der Beissvorfälle hat sich, gemessen an der Zahl der Hunde, nicht wirklich verbessert. Die Kursdisziplin unter den Haltern ist, freundlich ausgedrückt, verbesserungswürdig. Und am schlechtesten erzogen sind ausgerechnet die angeblich harmlosen Kleinhunde. Höchste Zeit also für ein vernünftiges Gesetz.

Doch offensichtlich ist auch die Abwesenheit von starken Emotionen nicht immer der beste Ratgeber. Anders ist es nicht zu erklären, dass im Kantonsrat eine Mehrheit aus SVP, FDP und CVP durchsetzte, das Kursobligatorium abzuschaffen, die Verbotsliste aber nicht anzutasten. Wenn man wie die Bürgerlichen davon ausgeht, dass Hundehalter vernünftig genug sind, mit ihren Tieren einen Kurs zu besuchen, dann kann man die Liste der verbotenen Rassen getrost abschaffen. Denn dann darf man auch vermuten, dass die Halter von Pitbulls Vernunft walten lassen würden.

Die Gegner einer Abschaffung waren allerdings auch nicht konsequenter: Sie verlangten zwar eine Kurspflicht für alle Hundehalter, also auch für jene, die einen Mops oder einen Spitz besitzen. Doch auch sie mochten die Verbotsliste nicht antasten. Und auch das ergibt wenig Sinn. Wenn die Kurse so viel bringen, wie deren Befürworter beteuern, dann sollten auch Staffordshire Bullterrier kein Problem sein.

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