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Kopfschütteln über das Aushorchen von Mietern

Die Siedlung Kulturpark in Zürich soll vorbildlich durchmischt sein. Potenzielle Mieter müssen daher zum Beispiel angeben, ob sie in einer homosexuellen Partnerschaft leben.

«Wir wollen nicht nur Schweizer oder nur Christen, im Gegenteil»: In der Siedlung Kulturpark am Turbinenplatz gelten besondere Regeln. Bild: PD
«Wir wollen nicht nur Schweizer oder nur Christen, im Gegenteil»: In der Siedlung Kulturpark am Turbinenplatz gelten besondere Regeln. Bild: PD

Am Turbinenplatz in Zürich-West sind derzeit 54 neue Wohnungen zum Vermieten ausgeschrieben. An sich nichts Ungewöhnliches in diesem boomenden Quartier. Wer sich aber die Bewerbungsformulare für die Siedlung Kulturpark ansieht – laut Eigenwerbung ein «urbaner, zukunftsweisender Lebensraum» – stösst auf spezielle Fragen.

Wie die «NZZ» berichtet, müssen potenzielle Mieter zum Beispiel angeben, welcher Religion sie angehören, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder ob sie in einer eingetragenen homosexuellen Partnerschaft leben. Darüber hinaus gibt es noch diverse weitere Fragen, deren Beantwortung laut Formular freiwillig ist – etwa zu einer allfälligen Behinderung.

Katharina Teuscher vom Kulturpark erklärt den Sinn des Fragenkatalogs gegenüber der Zeitung damit, dass der Trägerschaft die Durchmischung ein grosses Anliegen sei. «Wir wollen ja nicht nur Schweizer oder nur Christen, im Gegenteil.» Es gehe darum, Begegnungen zu fördern.

Kritik von allen Seiten

Laut Albert Leiser, dem Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbands, geht das zu weit. «Wenn jeder Vermieter so detaillierte Fragen stellen würde, hätten gewisse Gruppen keine Chance mehr auf dem Wohnungsmarkt», lässt er sich zitieren. Zudem sei es irreführend, manche Fragen als freiwillig zu deklarieren – wer ein Formular unvollständig ausfülle, habe normalerweise schon verloren.

Auch beim Mieterverband stösst das Vorgehen der Kulturpark-Verantwortlichen auf Kritik. «Solche Bewerbungsformulare gehen nicht», sagt Sprecher Walter Angst laut dem Bericht. Sein Verband kämpfe seit langem dafür, dass Wohnungen nicht ausschliesslich «für Schweizer» ausgeschrieben werden – aber auch das Gegenteil sei nicht tolerierbar. Selbst dann nicht, wenn damit ideelle Ziele verfolgt würden wie im Fall des Kulturparks.

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