Krach nach dem Crash mit Fuhrer

Nach der Bruchlandung bei Maur kam es zwischen dem Eigentümer und dem Piloten zum Eklat. Jetzt wird der Flieger für viel Geld geflickt.

Fünf Meter vor der Wiesenpiste schlägt der Oldtimer in den Büschen des Bachgrabens auf: Passagierin Rita Fuhrer kommt mit dem Schrecken davon. (Video: Tamedia/Friends of the Fieseler Storch)

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Am 31. Juli, kurz vor 18.30 Uhr, sitzt Kurt Waldmeier am Steuer der einmotorigen A-99, eines Oldtimer-Fliegers. Hinter dem Chef des Airforce-Centers und der Ju-Air sitzt Rita Fuhrer, ehemalige SVP-Regierungsrätin und Stiftungspräsidentin des Fliegermuseums in Dübendorf. Sie kreisen gemeinsam mit dem Schwesterflieger, der A-97, über der Region Greifensee. Die Sicht ist gut, die Stimmung auch.

Dann beginnt Waldmeier von Nordwesten her den Landeanflug auf eine Wiese bei der Besenbeiz Stallstube in Maur. Er setzt «die Motorleistung etwas verfrüht in den Leerlauf», heisst es im Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle. Die Folge: Der Flieger sackt knapp fünf Meter vor der Piste wie ein Stein ab, das Hauptfahrwerk kollidiert mit dem seitlich ansteigenden Untergrund des Islenbachs. Die beiden Fahrwerke werden «abgeschert», wie es in der Fachsprache heisst, und das Flugzeug schlittert auf dem Bauch weiter und kommt nach 15 Metern zum Stillstand. Neben den Fahrwerken sind der Propeller, der rechte Flügel und der Motor beschädigt.

Glück im Unglück

Waldmeier und Fuhrer bleiben wie durch ein Wunder unverletzt. «Frau Fuhrer konnte vorne beim Flieger statt auf der Seite aussteigen», beschreibt Waldmeier die Szene danach. Fuhrer selbst dankte darauf ihrem «wunderbaren Schutzengel». Dem TA versicherte sie, dass es nicht so schlimm gewesen sei, wie es ausgesehen habe. «Ich werde wieder fliegen, auf jeden Fall.»

Kultflugzeug Fieseler Storch

Weniger locker nahmen es die Zuschauer der kleinen Flugshow, unter ihnen Fuhrers Gatte Fredy und Reiner Vondruska. Letzterer ist der Präsident der «Friends of the Fieseler Storch», eines Vereins aus Oetwil am See, der sich für den Erhalt der Oldtimer einsetzt. Fieseler Storch ist der Übername des Fliegers aus den 1940er Jahren. Der Deutsche Gerhard Fieseler war während der Nazi-Zeit Flugzeughersteller und Rüstungsindustrieller.

200'000 Franken Schaden

Reiner Vondruska ist der Eigentümer mehrerer dieser Störche, unter anderen von der verunglückten A-99. Obwohl sich Waldmeier sofort für seinen Pilotenfehler entschuldigt, kommt es zu einer heftigen Aussprache. Vondruska wirft Waldmeier vor, sich nur oberflächlich auf die Flüge vorbereitet zu haben. Waldmeier weist den Vorwurf zurück und repliziert, die beiden Probelandungen am Morgen des 31. Juli seien problemlos verlaufen.

Auf Wunsch Vondruskas tritt Waldmeier als Vizepräsident der Storchenfreunde zurück, ihre Wege trennen sich. Einig sind sich die beiden nur in der Erleichterung, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Der Unfall wurde zum Versicherungsfall. Waldmeier ist bereit, die Kaution zu übernehmen, die Versicherung zahlt den Rest des Schadens, den Vondruska auf «über 200'000 Franken» beziffert. Die A-99 wird derzeit in Polen geflickt, die Ersatzteile sind nicht einfach aufzutreiben. Vondruska will nun vorwärts schauen, auch eine Annäherung mit Waldmeier will er nicht mehr ausschliessen.

Jubiläumsflug zweimal vertagt

Nach dem Unfall stoppten die «Friends» die Schauflüge. Hinter all dem steht ein Jubiläum. 1946 landete erstmals ein Flugzeug auf einem Gletscher und rettete Crew und Passagiere einer abgestürzten US-Maschine (siehe unten). Auf dem Gauligletscher im Einsatz stand damals nicht die vor zwei Monaten verunfallte A-99 – sie ist ein französischer Lizenzbau aus dem Jahr 1946 –, sondern die A-97, welche an der Maurmer Flugshow kurz nach dem Unfall des Schwesterfliegers sicher gelandet ist.

Probeflug der historischen A-97 in Dübendorf. Quelle: Youtube/Friends of the Fieseler Storch

Die A-97, Baujahr 1943, ist in der Obhut der Storchen-Freunde, gehört aber dem Bund. Von 1965 bis 2015 hing sie im Verkehrshaus in Luzern. Im Jubiläumsjahr 2016 sollte sie die Gletscherlandung wiederholen, weshalb sie abgehängt und aufwendig von den Friends aufgepäppelt wurde. Die abermalige Gletscherlandung wurde generalstabsmässig geplant. Piloten übten die Landung auf dem Eis mit anderen Fliegern, unter anderen mit der A-99. Aber im November 2016, am Datum des Jubiläums, war die Originalmaschine A-97 noch nicht betriebsbereit. Und die Ersatzmaschine A-99 konnte wegen eines Föhnsturms in Meiringen nicht abheben.

Gletscherlandung 1946 und Restaurierung des A-97. Quelle: Youtube/Friends of the Fieseler Storch

Der Jubiläumsflug wurde auf den Frühling 2017 verschoben. Die Piloten übten weiter, doch es klappte wieder nicht. Erst am 25. Juli erhielt die A-97 die Zulassung in der Schweiz, sechs Tage vor dem Unfall in Maur. Nun hoffen die Friends, die Gauli-Landung mit der A-97 im Frühling nachzuholen.


Fieseler Storch A-97
Eine Schweizer Pioniertat

1946 schlug ein US-Flugzeug auf dem Gauligletscher auf. Nach fünf Tagen kam die Rettung – aus der Luft.

Die Douglas C-53 Dakota startete am 19. November 1946 in Wien. Ziel war Südfrankreich. Doch das Flugzeug sollte Marseille nie erreichen. Das Wetter war miserabel, irgendwann verlor der Pilot die Orientierung und steuerte direkt auf den Gauligletscher im Berner Oberland zu. Mit 280 km/h schlug die 20-Meter-Maschine im Schnee auf. Der Pilot und die elf Passagiere erlitten verhältnismässig leichte Verletzungen. Die meisten hatten Brüche und Schnittwunden zu beklagen, zwei blieben gar unversehrt.

Nun begann eine lange und bange Zeit. Eine Stunde nach dem Aufprall funkte der Pilot sein «Mayday, mayday, mayday». Er gibt die Flugnummer «Zulu 68846» durch und sagt, er wisse nicht, wo er ist. Als Höhe gibt er 10'800 Fuss an (3300 Meter), meldet Verletzte an Bord und bittet, das US-Hauptquartier zu benachrichtigen. Der Pilot vermutet seine Position in den französischen Alpen.

«Mayday, mayday, mayday»: Funkspruch nach dem Absturz der «Dakota» auf dem Gauligletscher. Quelle: Youtube/Friends of the Fieseler Storch

So startet die Suche in Frankreich. Eher zufällig und nach zwei Tagen wird das abgestürzte Flugzeug auf dem Schweizer Gletscher gesichtet. Es wurde Hilfspakete abgeworfen, die Amerikaner wollten ihre Leute mit Raupenfahrzeugen und Jeeps retten. Da beschlossen Schweizer Militärpiloten, einen Landeversuch mit Fieseler Störchen auf Skis zu wagen. Eine Rettung aus der Luft war im Hochgebirge bisher niemandem gelungen. Am 24. November landeten die Piloten Victor Hug und Pista Hitz sicher auf dem Gletscher. Eine der Maschinen war die A-97, mit welcher die Gletscherlandung nun wiederholt werden soll.

Die zwölf Insassen der Dakota hatten fünf Tage und fünf Nächte im Eis ausgeharrt, bevor sie nach Meiringen ausgeflogen wurden. In der folgenden Nacht fiel Schnee, die Maschine verschwand für Jahrzehnte von der Bildfläche. Erst in den letzten Jahren hat der Gletscher wieder Wrackteile freigegeben. (pu)

Flug mit Fieseler Storch in Friedrichshafen. Quelle: Youtube/Friends of the Fieseler Storch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2017, 22:03 Uhr

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