«Öl ins Feuer der Fremdenfeindlichkeit»

Die Familie Chiller verliert ihre Wohnung, weil dort Asylsuchende untergebracht werden sollen. Das Schicksal der Familie bewegt die Leser von Tagesanzeiger.ch – über hundert machten ihrem Ärger Luft.

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Es sind nicht eben viele Leser, die Verständnis dafür haben, dass die Gemeinde Pfäffikon einer Familie den Mietvertrag kündigt, um in der Wohnung Asylsuchende unterzubringen. Susanne Beerli sieht darin kein Problem: «Die Wohnung gehört dem Vermieter, und es steht ihm jederzeit frei, das Mietverhältnis zu kündigen. Was der Vermieter nachher macht, ist seine Sache. Die überwältigende Mehrheit der über hundert Leser, die den Artikel kommentiert haben, ist jedoch empört.

«Das macht mich hässig»

Viele von ihnen sind der Meinung, dass Schweizer gegenüber Asylsuchenden benachteiligt würden. Madleina Caprez macht es «hässig, dass man als Schweizer in der Schweiz zuunterst in der Hackordnung» stehe. «Das ist einfach nur daneben», findet Conny Heid. Und Renzo Giambonini schreibt: «Ich kann das Ganze absolut nicht nachvollziehen.»

Wer ist nun schuld an der Misere? Vielen Lesern ist bekannt, dass im Pfäffiker Gemeinderat drei SVP- und zwei FDP-Mitglieder sitzen. «Und die bringen es nicht fertig, das Problem anders zu lösen?», will Beni Meyerhans wissen. Einige gehen davon aus, dass der bürgerliche Gemeinderat mit diesem Vorgehen bewusst Stimmung gegen Ausländer macht. «Bei der Parteizusammensetzung dieser Behörde kann man durchaus davon ausgehen, dass die hervorgerufene Empörung Teil des Plans ist, um die Ausländerfeindlichkeit noch zu schüren und zu verstärken», schreibt Peter Stalder. Auch der SP-Kantonsrat Ruedi Lais schlägt in eine ähnliche Kerbe: «Wer Mieter rauswirft, um Asyl-Familien unterzubringen, giesst bewusst politisches Öl ins fremdenfeindliche Feuer.»

Wer ist schuld?

Eine verbreitete Meinung ist auch folgende: Schuld sei nicht der Gemeinderat, sondern der Bund. Jörg Kern etwa schreibt: «Die Kantone und Gemeinden werden quasi genötigt, diese Asylbewerber unterzubringen.» Auch Günter Grubbauer sieht das so: «Unsere Landesregierung schiebt alles an die Kantone/Gemeinden ab, anstatt Verantwortung zu übernehmen.»

Für Tina Kuster trägt die Politik allerdings keine Verantwortung: «Schuld an dem Problem sind weder die SVP noch die SP, sondern die sogenannten Flüchtlinge, die ohne jeglichen Grund Asyl beantragen und somit unsere Infrastruktur massiv belasten.»

Doch es finden sich auch konstruktivere Wortmeldungen. So empfiehlt etwa Ernst Dittmar, Pfäffikon soll sich Adliswil zum Vorbild nehmen. «Da sind die Asylsuchenden in einem provisorischen, aber zweckmässigen Containerdorf untergebracht.» Diese Lösung wäre für Pfäffikon allerdings wesentlich teurer, wie Hanspeter Thoma auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch sagt. (fsc)

Erstellt: 29.06.2011, 16:01 Uhr

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