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Latein als Pflichtfach ist überholt

Die Zürcher Bildungsdirektion sollte sich nach den Schülern richten, nicht nach den Lehrern.

Wenn Latein am Untergymnasium nicht schon seit vielen Jahrzehnten Pflichtstoff wäre, käme wohl niemand auf die Idee, das Erlernen der Amtssprache der Römer für obligatorisch zu erklären. Es gibt Wichtigeres, das man jungen Frauen und Männern mit auf den Weg geben möchte. Aber Latein ist nun mal Tradition, die Lehrer sind angestellt, und man hat sich daran gewöhnt. Es ist auch praktisch für die Bildungsdirektion: So kann sie die Langzeitgymnasiasten beschäftigen, ohne dass in anderen Fächern die Kluft zu gross wird gegenüber jenen Schülern, die in der dritten Klasse aus der Sek hinzustossen.

Im Obergymnasium spielt Latein dann keine grosse Rolle mehr. Mehr als 85 Prozent der Langzeitgymnasiasten wollen ab der dritten Klasse nichts mehr von Latein wissen, obwohl sie sich zuvor zwei Jahre lang damit beschäftigten – durchschnittlich fünf Stunden pro Woche. Der Anteil, der sich fürs altsprachliche Profil entscheidet, hat sich allein in den letzten vier Jahren halbiert.

Nun will die Zürcher Bildungsdirektion reagieren – allerdings sehr zaghaft. Einzig eine Reduktion der Latein-Pflichtstunden steht zur Diskussion. Andere Kantone sind deutlich weiter. Dort können die Schülerinnen und Schüler im Untergymnasium wählen, ob sie auf Latein oder auf Natur und Technik setzen wollen. Die meisten wählen Letzteres. Eine solche Wahl sollte auch Zürich seinen Langzeit-Gymnasiasten ermöglichen. So könnten alle selbst entscheiden, worin sie sich vertiefen wollen, bis in der dritten Klasse die Sekundarschüler hinzustossen.

Ist dies dem Kanton zu kompliziert, soll er Latein opfern und stattdessen auf Natur und Technik setzen. Denn es ist nicht einzusehen, warum die Untergymnasien immer noch an der Lateinpflicht festhalten, nachdem die Universitäten diese Erfordernis weitgehend abgeschafft haben. Klar: Die Lateinlehrer müssten sich umorientieren. Aber dies bedingt der Wandel auch in anderen Branchen. Und die Schule sollte sich in erster Linie an den Schülern orientieren, nicht an den Lehrern.

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