Leichtsinn im Luftraum

Immer öfter wird unerlaubt in regulierte Lufträume eingeflogen. Das ist gefährlich.

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Der Luftraum scheint grenzenlos. Doch er ist unterteilt in viele Zonen, die untereinander mit Kanälen verbunden sind. Das Ganze muss man sich dreidimensional vorstellen, die vierte Dimension, die Zeitachse, verändert die Strukturen zusätzlich. Die Einteilung des Luftraums ist von Auge nicht sichtbar, bestimmt aber die Verkehrsregeln. Nicht alles ist überall erlaubt.

Zum Job der Pilotin oder des Piloten gehört es, immer zu wissen, wo man sich befindet. Auch bei schönem Wetter, auch auf einem Spassflug beim Geniessen der Freiheit. Hinter unsichtbaren Grenzen gelten andere Regeln. Die Erfahrung zeigt, dass ­immer öfter unerlaubt in regulierte Lufträume eingeflogen wird. Die Verkehrsregeln sind kompliziert, was aber Nachlässigkeiten und Leichtsinn nicht entschuldigt. Die Regelverletzungen gehen meistens aufs Konto von Kleinflugzeugen, Ballonen, Segelflugzeugen und Gleitern aller Art, künftig wohl auch noch von Privatdrohnen. Kavaliersdelikte sind es nicht, die Sache ist viel zu gefährlich.

Die Behörden kennen die Sachlage. Die Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), die Unfälle und Fastunfälle analysiert, hat bereits mehrere Empfehlungen an das Bundesamt für Zivilluftfahrt und an die Flug­sicherung Skyguide gerichtet. Rund um den Flughafen Zürich etwa sei die Luftraumstruktur so komplex, dass ein systemisches Risiko bestehe. Jede Regel­verletzung erhöht das Risiko eines Unfalls. Die Sust schrieb letztes Jahr: «Die Lufträume sind so ausgelegt, dass auch verhältnismässig kleine Fehler bereits zu gefährlichen Situationen führen können.» Skyguide und Bundesamt erklärten, an konkreten Massnahmen zur Verbesserung werde gearbeitet.

Änderungen der Luftraumstrukturen oder neue Prüfungsanforderungen an die Piloten sind nicht ohne zeitraubenden bürokratischen Aufwand möglich. Bei der Durchsetzung der bestehenden Verkehrsregeln könnten die Behörden aber energischer vor­gehen, bei Strassenverkehrsvergehen tun sie es auch. Es wäre tragisch, wenn erst ein Unfall das Bewusstsein für das inzwischen fast alltägliche Risiko am Himmel wecken müsste.

Erstellt: 15.07.2015, 20:50 Uhr

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