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Lieber streiken als wählen

Klimaschutz bewegt mehr als die kantonalen Wahlen. Halb so wild.

Schüler und Eltern, Studenten und Professoren – alle strömten sie am Freitag auf die Strasse, um für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Die Streiks mobilisierten auch in Zürich die Massen. Daheim streiten Jung und Alt wieder über Politik.

Die kantonalen Wahlen lassen das Gros der Zürcherinnen und Zürcher hingegen kalt. Grüne und Grünliberale dürfen wegen der Proteste zwar auf Gewinne hoffen. Insgesamt zeichnet sich für den 24. März jedoch eine tiefe Beteiligung ab. Eine Woche vor dem Showdown hat in der Stadt Zürich – dem Gradmesser für den ganzen Kanton – nur rund jeder sechste Stimmberechtigte die Wahlzettel abgeschickt. Globaler Klimaschutz bewegt mehr als kantonale Politik.

Überraschend kommt das nicht. Konkrete Probleme mobilisierten schon immer besser als ritualisierte Prozesse. Ohne die hitzigen Debatten ums Klima und ums Rahmenabkommen mit der EU hätte der Zürcher Wahlkampf wohl nie an Fahrt gewonnen. Es fehlt der Wettbewerb um Köpfe und Ideen. Das Rennen um die beiden frei werdenden Sitze in der Regierung verspricht trotz der Aufholjagd von Martin Neukom (Grüne) auf Thomas Vogel (FDP) wenig Spannung. Den bisherigen Magistraten können keine groben Fehler vorgeworfen werden. Die neuen Bewerber zeigen wenig Profil. Selbst SVP-Hardlinerin Natalie Rickli will plötzlich nicht mehr polarisieren. Der Zürcher Wahlkampf ist für viele deshalb: zum Einschlafen.

Von den Klimaschützern lernen

Sorgen machen muss uns das nicht. Wahlabstinenz kann Ausdruck von Zufriedenheit sein. Zürich wächst und blüht. Die Menschen haben Arbeit. Der bürgerliche Kanton schwimmt im Geld. Da kommt keine Wechselstimmung auf. Weder abnormal noch dramatisch ist auch, wenn Junge lieber streiken statt wählen zu gehen. Demos sind sexier als Urnengänge. Je tiefer die Wahlbeteiligung, desto höher der Anteil der älteren Stimmberechtigten.

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Aus dem Wahlstreik lassen sich dennoch Schlüsse ableiten. Die Traditionsparteien können von den Klimaschützern lernen. Mit Hausbesuchen und Telefonanrufen bringt man die Jungen nicht an die Urne. Die Jugend erreicht man besser über Social Media – oder direkt auf der Strasse.

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