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Lime macht alles besser – jetzt steigt Uber ein

Stabile Räder, smarte App, kaum Vandalismus: Der Veloverleiher hat in Zürich vieles besser gemacht als die Konkurrenz. Bis jetzt.

Uber sei dank: Lime-Scooter stehen seit August auch in Valencia bereit.
Uber sei dank: Lime-Scooter stehen seit August auch in Valencia bereit.
Juan Carlos Cardenas (EPA/EFE), Keystone

Sie sind limettengrün, leicht zu fahren, verzeihen einem den groben Umgang: Die 450 Velos von Lime, die in Zürich seit Anfang Jahr gegen eine Gebühr von 1 Franken für eine halbe Stunde ausgeliehen werden können.

Das kalifornische Unternehmen startet etwas später als der Singapurer Konkurrent O-Bike, ist im Gegensatz dazu aber noch da – und will bleiben: Nach dem Testbetrieb der vergangenen Monate habe man sich definitiv für Zürich entschieden, teilt Lime in diesen Tagen seinen Kunden mit, man bereite von hier aus die Expansion in Europa vor.

Mit dem Geld von Uber begibt sich Lime in Konkurrenz zum erfolgreichsten Start-up der US-Geschichte.

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Das Erfolgsrezept könnte schweizerischer denn auch nicht sein: solides Rollmaterial, Zusammenarbeit mit den Behörden, ein lokal verankertes Management, das Tempo einen Tick langsamer als die Konkurrenz.

Auch in den USA ist Lime damit äusserst erfolgreich, in über 45 Städten ist der Verleiher präsent und überflügelt die chinesische Konkurrenz Mobike und Ofo. Ende 2017 knackte das Unternehmen erstmals die Millionengrenze an Fahrten und ist somit der grösste Anbieter eines stationslosen Fahrradverleihs in den USA.

Limebike wird teurer

«Von Beginn an ging es gut, wir steigerten unserer Userzahlen kontinuierlich», sagt Roman Balzan, Marketinleiter von Lime Europa. Doch der Verleih ist noch nicht profitabel, auch in Zürich nicht.

Für die rasante Expansion braucht Lime viel Geld. 335 Millionen Dollar hat das Unternehmen im Juli bei Investoren eingesammelt. Unter anderem von Uber und der Google-Mutter Alphabet. Ubers Taxi-Business stagniert. Die Firma stösst mit ihrer aggressiven Strategie in vielen Städten auf Widerstand und setzt deshalb zunehmend auf zweirädrige Mobilität: Uber hat den Veloverleiher Jump gekauft und bringt diesen derzeit nach Europa.

Mit Lime hat Uber grössere Pläne: Die elektrischen Scooter werden in den USA nämlich 10-mal öfter gebucht als die Fahrräder. Auch in Zürich haben die Scooter die höhere Auslastung als die Limebikes: bis zu 12-mal am Tag wird eines genutzt. Diesen Sommer erst hat Lime sie in Zürich eingeführt und ihre Zahl bereits auf 250 verdoppelt.

Die Scooter sind das nächste grosse Business: Der bereits ziemlich hohe Preis von 20 Rappen pro Minute Fahrt scheint kein Hindernis zu sein. Lime hat ihn per sofort auf 30 Rappen erhöht.

Kampf der Über-Start-ups

Mit dem Geld von Uber begibt sich Lime in direkte Konkurrenz zum erfolgreichsten Start-up der US-Geschichte. Der E-Scooter-Verleiher Bird ist nur 15 Monate nach dem Start schon eine Milliarde Wert (Airbnb brauchte dafür 3 Jahre). Eben hat das Unternehmen, das seine Erfolgsstory wie Limebike in Kalifornien begann, sein europäisches Hauptquartier in Amsterdam bezogen und 415 Millionen Dollar für die internationale Expansion eingesammelt.

Die Zeit drängt also: In 26 europäische Länder möchte Lime expandieren, nach Zürich und Frankfurt folgte diesen Sommer Paris. Bereits ist Limebike auch in Madrid, Valencia und Berlin gestartet.

Das neue Uber?

Nicht nur beim Tempo macht Investor Uber Druck. Die Lime-Tretroller sollen möglichst bald auch in der Uber-App buchbar sein.

Lime, das mit Qualität und einem behutsamem Vorgehen gepunktet hat, weicht damit von seinem Erfolgsrezept ab. Nicht nur hat Uber bereits in einem Haufen Städten die Behörden gegen seine Taxi-Mitfahrdienste aufgebracht. Die elektrischen Tretroller sind ebenfalls nicht überall gerne gesehen.

San Francisco hat Lime und andere Betreiber von den Strassen verbannt. Denn obwohl Bird und Lime ihren Kunden das Tragen eines Helms empfehlen und sie darauf hinweisen, dass das Befahren der Trottoirs mit den Scootern verboten ist, halten sich viele nicht daran und gefährden Fussgänger. Auch in Zürich ist das Fahren auf dem Trottoir verboten und kann mit 40 Franken gebüsst werden.

Video – Zürcher Veloverleiher im Vergleich

Der TA testet die Stadtzürcher Limebike-Konkurrenz. (Video: David Sarasin)

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