Limmattalbahn kostet weniger als gedacht

Die Agglo rückt näher an die Stadt: Ab September fährt das Zweiertram über den Farbhof in Zürich bis nach Schlieren.

Nicht wiederzuerkennen: Die Grossbaustelle am Farbhof in Altstetten.

Nicht wiederzuerkennen: Die Grossbaustelle am Farbhof in Altstetten. Bild: Andrea Zahler

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Sie war gelb, trug den Spitznamen Lisbethli und wurde vor knapp 90 Jahren ausrangiert. Lisbethli war die letzte Strassenbahn, das letzte Tram, das durch das Limmattal fuhr: vom Letzigrund nach Dietikon und Weiningen. In einem Monat erlebt es eine Wiedergeburt.

Am 2. September wird die erste Etappe der Limmattalbahn (LTB) in Betrieb genommen. Das Zweiertram wird am Farbhof nicht mehr wenden, sondern bis ins Schlieremer Zentrum (Geissweid) weiterfahren. Bereits ab dem 19. August werden Probefahrten möglich sein.

Es ging zügig voran

Die Feuertaufe hat die LTB in gewissem Sinn bereits bestanden: Sie ist pünktlich. Pünktlich fertig. Sie ist eigentlich sogar vorzeitig fertig, wie Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter Daniel Issler sagt. Ein Augenschein vor Ort zeigt denn auch: Zwischen dem neuen Schlieremer Zentrumsplatz mit dem prägnanten roten Dach bis kurz vor dem Farbhof gibt es nur noch vereinzelte kleine Baustellen.

Der Naturrasen, mit dem ein grosser Teile der Gleise bepflanzt wurde, ist mancherorts bereits so hoch, dass er noch gemäht werden muss, bevor die Bahn fährt. «Wir hatten vor allem im Herbst 2017 grosses Wetterglück und kamen deshalb zügig voran», sagt Issler. «So konnten wir die Strecke zwei Monate früher als geplant für den Strassenverkehr wieder freigeben.»

Tag- und Nachtbetrieb

Die vielleicht happigste Baustelle ist im Moment noch in Betrieb: Der Umbau des Farbhofs. Ab Mitte Juli wurde dort im Dreischichtenbetrieb gearbeitet, doch kam man auch hier so gut voran, dass man den Bauarbeitern am 1. August freigeben und vor einigen Tagen auf den Zweischichtenbetrieb umstellen konnte.

«Darüber sind wir vor allem froh, weil das den Anwohnerinnen und Anwohnern deutlich weniger Nachtlärm bringt», sagt Issler. Diese seien nämlich durch die Bauarbeiten in den letzten Wochen recht strapaziert worden. «Ich bin beeindruckt, wie viel Verständnis die Bevölkerung dafür aufgebracht hat.»

150 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz

Ein wichtiger Faktor für das grosse Verständnis der Bevölkerung sei gewesen, dass die Arbeiten offensichtlich vorangetrieben wurden. Zuweilen waren auf der drei Kilometer langen Strecke bis zu 150 Bauarbeiter im Einsatz. «Glücklicherweise blieben wir bis jetzt von grösseren Unfällen verschont», fügt Issler an.

Letzter Schliff an der LTB-Haltestelle am Farbhof. Bild: Andrea Zahler.

Vom 15. bis 18. August wird es allerdings auch in der Nacht noch einmal lauter: Dann müssen die Gleise auf der ganzen Strecke ein erstes Mal geschliffen werden.

Sie kostet weniger als gedacht

Und noch ein Detail gilt es abzuwarten, bis die Limmattalbahn Fahrt aufnehmen kann: Die Betriebsbewilligung aus Bern. «Wir sind zuversichtlich, dass diese rechtzeitig eintrifft», sagt Issler.

Der Zeitplan konnte also eingehalten werden. Und die Finanzen? Auch hier sieht es gemäss Issler sehr erfreulich aus: «Der Kreditrahmen kann sicher eingehalten werden. Das Budget von 195 Millionen Franken wird voraussichtlich um rund 10 Prozent unterschritten.»

Die Nagelprobe kommt erst

Die Vorbereitungsarbeiten für die zweite Etappe sind bereits im Gang, die Bauarbeiten werden nahtlos weitergehen. Auf der einen Seite wird der Anschluss an den Bahnhof Altstetten realisiert, auf der anderen Seite die Strecke von Schlieren über das Spital Limmattal und die Kantonsschule in Urdorf ins Dietiker Zentrum und weiter über das Shoppingcenter Spreitenbach an den Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.

Laut Issler steht aus Sicht der Bauarbeiten die Nagelprobe erst bevor: Bisher baute man in gewisser Weise geradeaus und auf offener Strasse. Jetzt kommen Engstellen, Brücken und Tunnels. Die zweite Etappe soll Ende 2022 fertiggestellt sein.

Nun wird gefeiert

Doch zuallererst wird gefeiert: am letzten Augustwochenende und im Rahmen eines grossen Schlierenfestes. Dann werden Cobra-Trams im Viertelstundentakt zwischen Farbhof und Schlieren pendeln.

Und auch das Lisbethli wird aus seinem Depot hervorgeholt. Es wird staunen, wie sich seine ehemalige Stammstrecke gewandelt hat.

Erstellt: 07.08.2019, 11:23 Uhr

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