Magic Mushrooms wachsen im Oberland

Der Spitzkegelige Kahlkopf ist verboten. Dass er in der Nähe von Zürich wild gedeiht, stört weder Polizei noch Drogenexperten.

Drogen: Spitzkegelige Kahlköpfe – hier bei Hand auf Waldner Gemeindegebiet – sind besonders potente halluzinogene Pilze.

Drogen: Spitzkegelige Kahlköpfe – hier bei Hand auf Waldner Gemeindegebiet – sind besonders potente halluzinogene Pilze. Bild: Andreas Leisi

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Was der Spitzkegelige Kahlkopf in seiner berauschenden Wirkung anrichtet, kann man zurzeit in den Schweizer Kinos erleben: Melanie Winiger schlachtet – dreidimensional – junge Menschen ab, die es gewagt haben, im Jura ebendiese Pilze zu suchen und einzunehmen. Die Moral von dieser Geschicht: Wer halluzinogene Pilze konsumiert, erlebt den puren Horror.

Doch der Pilz wächst auch in nächster Nähe von Zürich – insbesondere im und ums Tösstal im Zürcher Oberland. Zwischen den Höhen östlich von Wald und dem Tössstock beispielsweise wachsen massenhaft Spitzkegelige Kahlköpfe. In diesen Tagen kann man besonders viele Pilze zählen, was mit dem kürzlichen feuchten Kälteeinbruch nach einer langen Schönwetterperiode zusammenhängen könnte.

Droge der Goa-Szene

Obwohl der Konsum der Pilze in der Schweiz seit einem Jahrzehnt verboten ist, zeigt sich die Polizei überrascht, dass die Pilze im Kanton unbehelligt gedeihen. Werner Schaub, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, sagt: «Uns ist nur bekannt, dass die Sporen von Psilocybe-Pilzen hierzulande aus Holland zur Züchtung importiert werden. Dass diese Pilze auch im Kanton Zürich wachsen, wussten wir nicht.»

Auch für die Zürcher Drogenberatungsstelle Arud sind Drogenpilze kaum ein Thema. Lars Stark, Spezialist für halluzinogene Stoffe, meint: «Zu uns kommt niemand primär wegen Problemen mit Drogenpilzen. In Gesprächen wird höchstens manchmal erwähnt, dass mit Magic Mushrooms experimentiert wird.» Der Konsum sei dabei stark an verschiedene Szenen angelehnt. «Drogenpilze werden hauptsächlich in der Goa- und der Gothic-Szene konsumiert», sagt Lars Stark.

Angstzustände und Panikattacken

Es scheint mit der Gefährlichkeit der Schweizer Drogenpilze also nicht allzu weit her zu sein. Trotzdem kann die Wirkung des Spitzkegeligen Kahlkopfs auf die Psyche verheerend sein.

Der Wirkungsstoff Psilocybin imitiert den körpereigenen Botenstoff Serotonin und führt zu einer Reizüberflutung. Diese wird von einigen Konsumenten als Glücksgefühl erlebt, kann aber auch Angstzustände und Panikattacken hervorrufen. Ob dann gleich der personifizierte Horror mit einem Messer erscheint, wie in «One Way Trip» mit Melanie Winiger, ist jedoch fraglich.

Erstellt: 14.10.2011, 07:58 Uhr

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Magic Mushrooms

Der Spitzkegelige Kahlkopf ist der in Europa am weitesten verbreitete Pilz, der den halluzinogenen Stoff Psilocybin enthält. Messungen ergaben einen durchschnittlichen Gehalt von 0,8 bis 1,0 Prozent der Trockenmasse. In der Schweiz wurden schon Exemplare mit über 2 Prozent Psilocybin gefunden. Der Pilz wächst vor allem auf Wiesen und Weiden um 1000 Meter über Meer an grasigen und nährstoffreichen Stellen wie beispielsweise neben einem ausgetrockneten Kuhfladen.


In der Schweiz sind Handel, Erwerb, Besitz und Konsum von halluzinogenen Pilzen der Gattungen Psilocybe (Kahlköpfe), Conocybe (Samthäubchen) und Panaeolus (Düngerlinge) seit dem 1. Januar 2002 verboten. Wer dem Gesetz zuwiderhandelt, hat mit einer Verzeigung im Rahmen des Betäubungsmittelgesetzes zu rechnen.

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