«Man kann keine dumme Schnurre haben, ohne selber anzupacken»

Der designierte neue Chef der Zürcher SVP erklärt im Interview, ob er von Christoph Blocher den Segen für das Amt hat.

«Wir tragen keine Flügelkämpfe aus»: Benjamin Fischer steht am 7. Januar den SVP-Delegierten zur Wahl. Foto: Keystone

«Wir tragen keine Flügelkämpfe aus»: Benjamin Fischer steht am 7. Januar den SVP-Delegierten zur Wahl. Foto: Keystone

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Wie stark mussten Sie bekniet werden, um diesen Knochenjob anzunehmen?
Benjamin Fischer: Nicht übermässig. Ich hatte ein paar Gespräche mit Alfred Heer von der Findungskommission geführt, der mein Vor-Vorgänger ist. Und ich habe mich bei Interimspräsident Patrick Walder nach dem Zustand der Partei erkundigt. Da hatte ich bald mal Lust auf diesen Job. Wichtig war mir auch, dass die Nachfolgelösung beim Präsidium der Jungen SVP Schweiz, das ich im Februar abgebe, gut aufgegleist ist und geeignete Kandidaten bereitstehen.

Hat Geld auch eine Rolle beim Entscheid gespielt?
Nein – es gibt ja kein Geld für einen SVP-Präsidenten.

Wovon leben Sie dann: Zu Hause eine junge Familie, vielbeschäftigter Kantonsrat, ein SVP-Präsidium für Gottes Lohn und in der verbleibenden Zeit einen Teilzeit-Brotjob?
Dafür gebe ich das ebenfalls ehrenamtliche Präsidium der Jungen SVP ab. Dass ich meine Familie ernähren kann, ist zentral, sonst muss dann halt meine Frau früher oder später wieder arbeiten …

… und Ihr Sohn darf dann in die Kinderkrippe – eine Institution, die von der SVP nicht eben gefördert wird …
Erstens gibt es ja auch noch das persönliche Umfeld: Grosseltern, Götti, Tanten und Onkel. Zweitens hat die SVP kein Problem mit Kinderkrippen, es ist aus unserer Sicht einfach nicht Sache des Staates, dieses Modell auf Kosten derer zu fördern, die ihre Kinder selber betreuen. Reich wird man mit Politik eh nicht, das ist auch nicht mein Ziel.

Was ist dann das Ziel – Bekanntheit, Nationalrat?
Aus diesen Gründen müsste ich den Job nicht machen. Als Präsident der Jungen SVP hatte ich national wohl mehr Medienauftritte, als ich sie als Zürcher Präsident haben werde. Und beim Nationalrat bin ich ohnehin erster Ersatz. Mir geht es schlicht darum, die Zürcher SVP zu alter Grösse zurückzuführen. Ich habe in meinem Leben immer alles aus Überzeugung gemacht. Es ist wie beim Militär: Man kann keine dumme Schnurre haben, ohne selber anzupacken.

Würden Sie als Nationalrat nachrücken, wenn sich die Chance bietet?
Klar!

Haben Sie als neuer SVP-Präsident den Segen von Christoph Blocher? Haben Sie in Herrliberg angeklopft?
Nein, diesen Segen brauche ich nicht. Ich schätze sehr, was Herr Blocher für die Partei geleistet hat, und kenne ihn auch aus der Parteileitung, jedoch nicht näher als andere Parteikollegen.

Sind Sie als Parteipräsident der harte Polterer und Provokateur wie einige Ihrer Vorgänger oder eher der sanfte Biobauer, wie der glücklose Konrad Langhart?
Ich kann den Medien den Gefallen nicht tun, mich in eine Schublade packen zu lassen. Es gibt eine einzige Zürcher SVP. Darin gibts zwar Mitglieder mit verschiedenen Ausrichtungen, aber wir tragen keine Flügelkämpfe aus. Ich bin als Bauernsohn in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und habe Betriebswirtschaft studiert. Ich habe zu vielen Parteimitgliedern aus unterschiedlicher Herkunft ein gutes Verhältnis.

Im Kantonsrat dominiert nun eine links-grüne Klima-Mehrheit. Wie gehen Sie mit diesen Verhältnissen um?
Wir müssen mehr Referenden ergreifen und Volksabstimmungen erzwingen, wie es die Linken in der Legislatur sehr erfolgreich machten – zum Beispiel gegen die Verselbständigung des Kantonsspitals Winterthur oder bei der Verhinderung des Wassergesetzes.

Sind Sie bereit, an den bisherigen SVP-Themen mit der immer gleichen Hetze gegen Flüchtlinge und gegen Migration etwas zu ändern und vermehrt auf die Themen Umwelt, Gesundheitsversorgung oder AHV zu setzen, die den Leuten wirklich unter den Nägeln brennen?
Die SVP betreibt in keiner Art und Weise Hetze, das weise ich in aller Deutlichkeit zurück. Eine Partei darf sich nicht nach der jeweils aktuellen Themenkonjunktur richten. Wir haben immer noch eine Nettozuwanderung um die 50'000 jährlich, daraus ergeben sich zahlreiche Probleme beispielsweise im Bereich Infrastruktur. Die Frage «Wollen wir eine 10-Millionen-Schweiz?» ist sehr aktuell und brennt den Leuten unter den Nägeln. Als Präsident der kantonalen Gesundheitskommission sind für mich natürlich auch Gesundheitsfragen zentral. Die SVP kämpft seit jeher für tiefere Steuern, Gebühren und Abgaben, jede Familie spürt heute, dass die Krankenkassenprämien zu einem der grössten Belastungsfaktoren geworden sind. Auch die Reform der Altersvorsorge hat grosse Priorität, es war eines meiner wichtigsten Themen als Präsident der Jungen SVP. Und natürlich ist uns die Umwelt wichtig, wir sind aber nicht bereit, die Bürgerinnen und Bürger mit mehr Verboten, höheren Preisen und Abgaben zu belasten für etwas Symbolpolitik.

Erstellt: 24.12.2019, 11:29 Uhr

Benjamin Fischer

Der 28-jährige Benjamin Fischer wurde am Montag, 23. Dezember 2019, vom Zürcher SVP-Vorstand fürs Zürcher SVP-Präsidium nominiert. Bislang war er Präsident der Jungpartei. Wie er tickt, lesen Sie hier im Porträt.

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