Mario Fehr schickt Flüchtlinge in «Swiss-Skills-Kurse»

Der Zürcher Sicherheitsdirektor entlastet die Gemeinden mit tieferen Asylquoten. Zudem ergänzt der Kanton seine Asylpolitik mit neuen Instrumenten.

Verströmt gute Laune: Sicherheitsdirektor Mario Fehr. Foto: Raisa Durandi

Verströmt gute Laune: Sicherheitsdirektor Mario Fehr. Foto: Raisa Durandi

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Mario Fehr empfing heute Morgen die Medienschaffenden überaus gut gelaunt: Alle Anwesenden begrüsste der Zürcher Sicherheitsdirektor einzeln. Ein Schulterklopfen da, ein kräftiger Händedruck hier: «Wie geht es Ihnen? Schön, dass Sie hier sind.» Zu berichten hatte er «Aktuelles aus dem Asylbereich», eine Ankündigung, die mit ein Grund für die positiven Vibes gewesen sein könnte: Der Kanton Zürich senkt die Asylquote für die Gemeinden – ein weiteres Mal.

Ab Anfang 2020 müssen Gemeinden auf 1000 Einwohner neu fünf statt sechs Asylsuchende aufnehmen. Es ist die Fortsetzung eines Trends: Die Quote wurde bereits im März von sieben auf sechs gesenkt. Eine gute Nachricht ist dies vor allem für die Gemeinden: Sie sparen damit Betreuungs- und Integrationskosten, die auf dem Höchststand der zurückliegenden Flüchtlingswelle im Jahr 2012 teilweise stark gestiegen sind.

Schnellere Verfahren

Das neue Asylgesetz, das seit März in Kraft getreten ist, greife gut, sagt Fehr. «Damit schaffen wir Normalität im Asylwesen.» Man wolle mit der Aufregung brechen, die beim Thema Asyl in der Vergangenheit immer wieder ausgebrochen sei. Normalität heisst vor allem: schnellere Verfahren. Fast 1000 Verfahren seien dieses Jahr abgearbeitet worden – mit einer überdurchschnittlichen Anerkennungsquote von über 50 Prozent, wie Fehr sagt. Jene mit Bleibeperspektive sollen schneller und verstärkt integriert werden, alle anderen würden konsequent in ihre Heimatländer rückgeführt. «Das beschleunigte Asylverfahren läuft sehr gut», sagt Fehr.

Bemerkenswert: Trotz schnellerer Verfahren ist der Gesamtasylbestand in diesem Jahr um knapp 600 Personen auf 17’611 gestiegen. Das hat gemäss Fehr drei Gründe: verstärkter Familiennachzug, höhere Geburtenrate und mehr Kriegsflüchtlinge, die vorläufig aufgenommen worden seien.

«Durch persönliche Gespräche und eine enge Begleitung der Betroffenen kann viel erreicht werden.»Urs Betschart, Chef des Migrationsamts

Daneben betreibt der Kanton eine verstärkte Integration. Neu erfolgen Massnahmen zur Eingliederung in die Schweiz nicht nur auf Gemeindeebene, sondern bereits in kantonalen Durchgangszentren. In sogenannten Swiss-Skills-Kursen erhalten Neuankommende beispielsweise Informationen zum Leben in der Schweiz, zur Gesundheitsversorgung, und sie erlernen den Umgang mit den Behörden.

Die Kurse werden in der jeweiligen Muttersprache gehalten. Sprich in erster Linie auf Arabisch, Farsi und Kurdisch. «Damit legen wir die Basis für die Integration in die Gemeinden», sagt Andrea Lübberstedt, Chefin des kantonalen Sozialamts.

Sonderbeauftragter für «schwierige Fälle»

Die Statistik zeigt: Die Zahl der Nothilfebezüger im Kanton Zürich ist seit 2012 stark gesunken. Von 1476 auf aktuell 654. Langzeitbeziehende in der Nothilfe seien jedoch weiterhin eine Herausforderung, sagt Urs Betschart, Chef des Migrationsamts. «Durch persönliche Gespräche und eine enge Begleitung der Betroffenen kann jedoch viel erreicht werden.»

Dazu setzt der Kanton neu einen Sonderbeauftragten ein. Er steht im engen Kontakt mit abgewiesenen Asylsuchenden, um sie «zur freiwilligen Rückkehr» in ihr Heimatland zu bewegen. Vollzugsprobleme zur Übernahme bestehen gemäss Betschart weiterhin. Hauptsächlich mit nordafrikanischen Ländern wie Äthiopien, Eritrea, Algerien und Marokko.

Erstellt: 31.10.2019, 12:52 Uhr

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