Martin Neukom vertröstet auf Ende Jahr

In den ersten 100 Tagen im Amt hat der grüne Zürcher Baudirektor noch keine Pflöcke für den Klimaschutz eingeschlagen. Aber er hält an seinem Plan fest.

Alltag eines Baudirektors in Stichworten: Martin Neukom hatte seit seinem Amtsantritt zum Beispiel mit Strassenböschungen, Zeughäusern und Borkenkäfern zu tun. Bild: Reto Oeschger

Alltag eines Baudirektors in Stichworten: Martin Neukom hatte seit seinem Amtsantritt zum Beispiel mit Strassenböschungen, Zeughäusern und Borkenkäfern zu tun. Bild: Reto Oeschger

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Der grüne Zürcher Baudirektor Martin Neukom, Hoffnungsträger aller Klimabesorgten, hat nach den ersten hundert Tagen im Amt einen ersten Einblick in sein Wirken gegeben. Das Fazit nach einer dreiviertelstündigen Tour d’Horizon: Seine Pläne sind nicht an der Realität zerschellt – aber es geht damit auch nicht so schnell voran, wie manche seiner Wähler vielleicht hoffen.

An Taten wird sich der Neu-Regierungsrat spätestens Ende Jahr messen lassen müssen. Denn in mehreren Schlüsselfragen kündigte er an, dass er beabsichtige, bis dahin etwas Konkretes vorliegen zu haben. Das gilt zuallererst für jenen Bereich, von dem er sich den grössten Beitrag bei der Reduktion von CO2-Emissionen verspricht: Gebäudesanierungen.

Mehr Geld vom Staat

Neukom kündigt an, die Kürzung der Subventionen rückgängig zu machen, die der Kanton aus Spargründen beschlossen hat. Hauseigentümer, die den Energieverbrauch ihrer Liegenschaften senken, sollen also wieder unterstützt werden. Neukom will der Gesamtregierung «hoffentlich noch in diesem Jahr» eine konkrete Vorlage unterbreiten. Um welchen finanziellen Umfang es dabei geht, könne er noch nicht sagen. Klar ist aber, dass Zürich heute im Vergleich mit vielen anderen Kantonen knausrig ist.

Eine Kurskorrektur kündigte Neukom erneut auch bei der Umsetzung der Mustervorschriften für die energetische Sanierung von Gebäuden an, ohne allerdings konkret zu werden. Klar sei, dass er im Vergleich zu seinem Vorgänger Markus Kägi (SVP) eine ökologischere Umsetzung anstrebe. Er werde aber nicht alles über den Haufen werfen und strebe auch keine neue Vernehmlassung an.

So will er Hauseigentümer gewinnen

Er wolle primär jene Massnahmen ergreifen, die klimapolitisch besonders wirksam sind, ohne die betroffenen Hauseigentümer allzu sehr zu stören. Neukom strebt eine austarierte Vorlage an, die mehrheitsfähig ist. Als mahnendes Negativbeispiel hat er den Kanton Bern vor Augen, wo die Umsetzung der Mustervorschriften in einer Abstimmung knapp scheiterte.

Der Zürcher Baudirektor denkt deshalb zum Beispiel über sogenannte «Contracting-Lösungen» nach, wenn es ums Ersetzen von Heizungen geht. Das heisst: Der Hauseigentümer müsste den Einbau einer neuen Wärmepumpe nicht selbst bezahlen, sondern überlässt dies einer Firma, der er danach die Energie abkauft – im Effekt eine Art Leasing von Heizungen. Damit hofft Neukom, Hemmschwellen zu senken. Denn eine Wärmepumpe sei wohl über den gesamten Lebenszyklus etwa gleich teuer wie eine Ölheizung, aber nicht jeder Hauseigentümer habe am Tag X genug Geld für den Einbau.

Auch mit dem Schutz der Biodiversität verspricht Neukom, vorwärtszumachen. Im kantonalen Naturschutzkonzept seien alle notwendigen Massnahmen bereits vorgezeichnet. Das Problem sei, dass das Geld für die Umsetzung fehle. Das will der grüne Regierungsrat ändern: Man werde dazu «wahrscheinlich» noch dieses Jahr etwas aus seiner Direktion hören.

Erstellt: 20.08.2019, 12:42 Uhr

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