Martin Stöckling wird Stadtpräsident von Rapperswil-Jona

Nach einem gehässigen Wahlkampf hat sich der Kandidat der FDP deutlich durchgesetzt.

Der neue Stadtpräsident von Rapperswil-Jona: Martin Stöckling.

Der neue Stadtpräsident von Rapperswil-Jona: Martin Stöckling. Bild: PD

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Martin Stöckling betritt das Stadthaus in Rapperswil-Jona mit dem Lächeln eines Mannes, der weiss, dass er gewonnen hat. «Ich gebe zu, mit einem Sieg habe ich gerechnet, aber nicht mit einem ­solchen Traumresultat», sagt er. Gegen 5000 Stimmen konnte die FDP bei der gestrigen Wahl einheimsen, rund die Hälfte aller abgegebenen. Und die ­Rapperswiler waren zahlreich zur Urne gegangen. Die Stimmbeteiligung lag bei 54 Prozent, ein unerwartet hoher Wert.

Das Kontrastprogramm zu Stöckling bildete Erich Zoller, der bisherige Amtsin­haber: Er betrat die Stadthalle als Letzter, erkältet und enttäuscht. «Das Wahlresultat überrascht mich nicht», sagte er. «Ich bedaure aber, dass die Stimmung in dieser Stadt durch eine Gratiszeitung gebildet wird, die eigene Interessen verfolgt.»

Immerhin konnte Zoller seinen CVP-Parteikollegen Peter Göldi übertrumpfen. Dieser war von der Partei für den zweiten Wahlgang anstelle von Zoller nominiert worden. Die anderen Kandidaten, Rahel Würmli von der linksgrünen UGS und der parteilose Hubert Zeis, blieben chancenlos.

Trotz klarem Resultat: Die Rapperswiler müssen bald erneut an die Urne. Stöckling war bereits im September als gewöhnlicher Stadtrat gewählt worden. Jetzt muss für ihn ein Ersatz gefunden werden. Und zur Ruhe wird die Stadt so rasch auch nicht kommen: Nach wie vor ist nämlich gegen den Verleger der «Obersee-Nachrichten», Bruno Hug, ein Verfahren hängig. Die Klage eingereicht hat Ende Februar Walter Grob, Leiter der Kesb Linth, gemeinsam mit der Stadt Rapperswil. Der neu gewählte Stadtpräsident, mit Hug schon länger bekannt, hat diesen als Anwalt beraten.

Schattenmacht des Gratisblatts

Verleger Bruno Hug gilt als die zentrale Figur in diesem mehr als aussergewöhnlichen Wahlkampf. Er hat sich im Kampf gegen die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) landesweit einen Namen gemacht und sich dabei nicht eben zimperlich benommen.

Bruno Hug liess sich im ersten Wahlgang selbst als Kandidat für das Stadtpräsidium aufstellen und erzielte prompt am meisten Stimmen. Dann bekam er kalte Füsse: Zum zweiten Wahlgang trat er nicht mehr an, empfahl ­dafür aber Stöckling zur Wahl. Auch die CVP hat sich im Laufe des Wahlkampfes nicht mit Ruhm bekleckert. Sie machte sich zunächst für den bisherigen Zoller stark. Als er im ersten Wahlgang ein enttäuschendes Resultat erzielte, liess sie ihn fallen und nominierte den populären Peter Göldi. Ein Manöver, das sich nicht ausbezahlt hat: Die CVP hat gestern nicht nur das Gesicht, sondern auch einen Sitz verloren.

«Kleiner Berlusconi»

Die Wahl von Stöckling hinterlässt Risse: Für Kultur- und Kunstwissenschaftler Peter Röllin ist nicht die Person des neu gewählten Präsidenten das Problem in seiner Stadt, sondern die poli­tische Schattenmacht von Hugs Gratisblatt «Obersee Nachrichten». «Hug hat die politisch-gesellschaftliche und medienpolitische Kultur in dieser Stadt auf Orkanstärke hinaufgeschaukelt», sagt er. Wenn eine Stadt von einem Verleger und Chefredaktor in Personalunion in diesem Ausmass jeden Donnerstag befallen und beschossen werde, dann stellten sich ernsthafte Fragen, sagt Röllin.

Die lokale Rockband Knuts Koffer hat die Antwort auf eine dieser Fragen möglicherweise schon gefunden. Sie hat über die Wahl einen Song geschrieben, «Rapperseldwyla-Jona». Hug bezeichnet sie darin als einen «kleinen Berlusconi». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.11.2016, 15:12 Uhr

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