Mehr Ferien für Zürcher Kantonsangestellte

Ein Grossteil der Mitarbeiter beim Kanton erhält neu fünf statt vier Wochen Ferien. Einige gehen aber auch leer aus.

Auch Primarlehrerinnen profitieren von den zusätzlichen Ferien. Bei ihnen wird die Jahresarbeitszeit ab dem 1. August 2020 entsprechend angepasst. (Archivbild)

Auch Primarlehrerinnen profitieren von den zusätzlichen Ferien. Bei ihnen wird die Jahresarbeitszeit ab dem 1. August 2020 entsprechend angepasst. (Archivbild) Bild: Reto Oeschger

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Fast 22’000 Angestellte des Kantons Zürich erhalten im kommenden Jahr mehr Ferien. Es sind dies alle Mitarbeitenden im Alter von 21 bis 49 Jahren, die neu fünf statt vier Wochen Ferien im Jahr erhalten, wie der Regierungsrat heute Donnerstag mitteilt. Genau genommen sind es drei zusätzliche Tage, denn bisher hat der Regierungsrat allen rund 38’000 Angestellten jedes Jahr über den Jahreswechsel zwei freie Tage gutgeschrieben, da die kantonale Verwaltung dann geschlossen ist.

Per 1. Januar 2020 hat der Regierungsrat die Vollzugsordnung zum Personalgesetz dahingehend geändert, dass die freien Tage über den Jahreswechsel neu als Ferientage gelten. Damit erhalten auch alle anderen Altersgruppen im Kanton zwei zusätzliche Ferientage. Bei den unter 20- und 50- bis 59-Jährigen sind es neu insgesamt 27 Tage, bei den über 60-Jährigen 32 Tage.

Keine Erhöhung der Arbeitszeit

Ursprünglich wollte der Regierungsrat die zusätzlichen Ferientage kostenneutral umsetzen und die wöchentliche Arbeitszeit für alle Angestellten von 42 auf 42,5 Stunden erhöhen. Darauf verzichtet der Regierungsrat nun, wie der zuständige Finanzdirektor Ernst Stocker auf Anfrage sagt: «Der Vorschlag ist in der Vernehmlassung auf breite Kritik gestossen.»

Der Regierungsrat rechnet nun mit Mehrkosten von 7,5 Millionen Franken für den Kanton und bis zu 29,7 Millionen Franken für die Gemeinden. Dies weil durch die zusätzlichen Ferien bei Betrieben im Schichtbetrieb und bei den Volksschulen neue Stellen notwendig waren.

Auch Lehrerinnen und Lehrer profitieren

Entsprechend positiv fallen die Reaktionen auf den Beschluss des Regierungsrats aus. Die Gewerkschaften und Personalverbände zeigten sich in Medienmitteilungen erfreut über die neue Regelung. Dieser Entscheid entspreche weitgehend den langjährigen Forderungen der Verbände. Fast gleichlautend reagierte die EVP in einer Mitteilung.

Von den zusätzlichen Ferien betroffen sind auch die meisten Lehrerinnen und Lehrer im Kanton. In der Volksschule gilt die Jahresarbeitszeit, diese wurde den zusätzlichen Ferientagen entsprechend gekürzt. Bei ihnen gilt die Änderung ab dem 1. August 2020. Die Lehrpersonen der Mittel-, Fachhoch- und Berufsschulen können allerdings nicht profitieren. Weil sie per Lektionen angestellt sind, gilt bei ihnen die Jahresarbeitszeit nicht, und es werden keine Anpassungen vorgenommen. «Die Flexibilität bei diesen Lehrpersonen ist nach wie vor genügend gross, sodass wir eine Anpassung nicht für nötig befunden haben», sagt Ernst Stocker.

50- bis 59-Jährige gehen leer aus

Dafür zeigt der Mittelschullehrpersonenverband «absolutes Unverständnis». Die Argumentation des Regierungsrats sei «fadenscheinig». Damit werde der Beruf unattraktiver und senke das Engagement der Lehrpersonen. Für die Vereinigten Personalverbände und den VPOD ist dies ein Wermutstropfen der neuen Vollzugsordnung: «Wir werden uns weiter für eine zusätzliche Ferienwoche auch für diese Berufsgruppen einsetzen», schreiben sie in der Mitteilung.

Ebenfalls leer gehen die Kantonsangestellten im Alter von 50 bis 59 Jahren aus. Ihnen hatte der Regierungsrat 2018 bei der Vernehmlassung noch eine zusätzliche Ferienwoche in Aussicht gestellt. Darauf hat die Regierung aber nun verzichtet: «Die zusätzlichen drei Ferientage hätten die 50- bis 59-Jährigen durch die auf 42,5 Stunden erhöhte Arbeitszeit selbst erarbeiten müssen. Das fällt jetzt weg», präzisiert die Chefin des Personalamts, Anita Vogel, auf Anfrage.

Erstellt: 25.04.2019, 14:59 Uhr

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