Mehr Pendler am Freitag!

Was Mobility-Pricing mit Teilzeitarbeit zu tun hat

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Zwei Nachrichten der vergangenen Tage: Der Bundesrat will über Mobility-Pricing die Pendler zu Stosszeiten stärker zur Kasse bitten – und so den Verkehr besser verteilen. Gleichzeitig lesen wir heute, dass in Zürich freitags viele Büros leer stehen, weil viele Teilzeitangestellte am gleichen Tag frei machen – nicht zur Freude ihrer Kollegen, die voll arbeiten.

Was hat das Freimachen am Freitag mit Mobility-Pricing zu tun?

Das eine könnte helfen, das andere zu lösen. Trotz flexiblen Arbeitszeiten führen nämlich fixe Gewohnheiten in der Berufswelt genau zu den Engpässen, die Mobility-Pricing beseitigen will. Wird nun das Pendeln auf Strasse und Bahn zu Spitzenzeiten teurer, überlegt sich der eine oder andere, ob er nicht lieber am Montag frei machen will. Am «blauen» Freitag würde er jedenfalls günstiger zur Arbeit fahren können – zum Vorteil von beiden: den Mitpendlern und den Arbeitskollegen.

Es ist nur ein Beispiel, wie verursachergerechte Preise den Verkehr verlagern könnten – man zahlt dann am meisten, wenn man die Infrastruktur am stärksten belastet. Ein solches System hat viele Vorteile: Neben einer besseren Verteilung des Verkehrs macht es die Kosten der Mobilität sichtbarer, beseitigt die finanzielle Bevorzugung von Vielfahrern mit einem GA und bremst im besten Fall auch die viel beklagte Zersiedelung. Zentral ist dabei, dass diese leistungsabhängigen Abgaben erst einmal nicht als zusätzliche Steuer wahrgenommen werden, sondern als Ersatz für Pauschalabgaben wie die Autobahnvignette oder eben das GA.

Natürlich wird auch Mobility-Pricing unerwünschte Nebenwirkungen haben. Deshalb wird zunächst in Pilotprojekten getestet, wie das Verursacherprinzip die Verkehrsströme verändert. Ob etwa Familien mit tiefen Einkommen überproportional belastet werden. Und wie man diese Nebenwirkungen abfedern kann. Aber unter dem Strich ist es höchste Zeit, dass wir im Personalverkehr endlich den Schritt machen, den Ökonomen und Umweltwissenschaftler seit langem fordern: den Schritt zur Kostenwahrheit.

Erstellt: 07.07.2016, 20:02 Uhr

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