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Mehr Publikum, mehr Geld – und manchmal auch mehr Punkte

Die Zürcher Fussballclubs rechnen mit 50 Prozent mehr Zuschauern im neuen Stadion. Nicht zu Unrecht, wie ein Vergleich zeigt.

Bessere Resultate dank «Hexenkessel»: Die vielen Fans im neuen Stadion sorgen für 15 zusätzliche Punkte, schätzt FCZ-Chef Ancillo Canepa.
Bessere Resultate dank «Hexenkessel»: Die vielen Fans im neuen Stadion sorgen für 15 zusätzliche Punkte, schätzt FCZ-Chef Ancillo Canepa.
zvg

Die Präsidenten der Zürcher Fussballclubs erwarten vom neuen Stadion im Hardturm deutlichen Schub: Mit 15'000 Zuschauern pro Spiel statt heute 11'000 rechnet etwa FCZ-Präsident Ancillo Canepa, wie er im Interview mit der NZZ sagt. GC-Chef Stephan Anliker geht von 9000 bis 10'000 Fans pro Spiel aus, wo heute rund 7000 an einen GC-Match pilgern.

Optimistisch sind die beiden Clubpräsidenten nicht nur bei den Zuschauern: Auch auf die Leistung der Spieler soll sich das neue Stadion im Hardturm positiv auswirken – so das Zürcher Stimmvolk am 25. November Ja dazu sagt. Dies dank der Akustik und der Nähe der Fans zum Spielfeld. Es lägen 10 bis 15 Punkte mehr in der Meisterschaft drin, schätzt Canepa, und auch der GC-Chef rechnet dank der besseren Stimmung im «Hexenkessel» mit Höhenflügen der eigenen Mannschaft.

YB im Hoch

Die beiden berufen sich auf Vergleiche im In- und Ausland. «Ein modernes Stadion bringt automatisch mehr Fans», so Canepa. Man würde nie leichtfertig budgetieren, sagt Anliker. Und tatsächlich: Ein Blick auf die Saisontabellen und die Zuschauerentwicklung der Schweizer Clubs vor und nach dem Bezug eines neuen Stadions gibt den Optimisten bei FCZ und GC recht.

Am deutlichsten wurde das bei den Berner Young Boys. Rechtzeitig zum Saisonstart im Sommer 2005 war das Stade de Suisse fertig und die Zahl der Besucher verdoppelte sich: Von den im Wankdorf (64'000 Plätze) üblichen 7000 bis 8000 pro Spiel auf 14'000 in der ersten und 15'500 in der zweiten Saison im neuen Stadion. Der spielerische Erfolg blieb nicht aus: Hatten die Young Boys in der Saison 04/05 noch 49 Punkte geholt (in 34 Spielen), so waren es im neuen Stadion 62 (36 Spiele) und im Folgejahr immerhin noch 59 Punkte. Das hatte auch finanzielle Konsequenzen: Die Sponsoringeinnahmen bei YB konnten im Folgejahr fast verdreifacht werden.

St. Gallen: Mehr Zuschauer trotz Abstieg

Eine fast schon märchenhafte Vervierfachung bei den Zuschauern brachte das neue «Joggeli» dem FC Basel: Waren in der Saison 2000/2001 knapp 6500 Fans an ein Spiel angereist, kamen ins Anfang 2001 eingeweihte neue Stadion durchschnittlich 25'800. Dabei hatte sich spielerisch beim FCB gar nichts getan: Im Vorjahr hatte der Club in 22 Spielen 34 Punkte geholt, in den ersten beiden Saisons im neuen Joggeli jeweils 55 Punkte in 36 Spielen. Das sind stabile 1,5 Punkte pro Begegnung.

Ein Spezialfall ist der FC St. Gallen: Die erste Saison im 2008 eröffneten Kybunpark musste der Club in den Tiefen der Challenge-League absolvieren. Doch er spielte sich wieder hinauf, erreichte 2009 jedoch nicht mehr die 34 Punkte wie beim Ausscheiden aus der Super League. Trotz einem weiteren Taucher in die untere Liga in der Saison 2011/12 konnte sich der Club seither in der Super League halten. Der Abstieg in die 2. Liga bescherte – wohl wegen des neuen Stadions – bei den Zuschauerzahlen kein Minus, im Gegenteil: Von durchschnittlich 10'000 im Vorjahr stiegen die Zuschauerzahlen auf 12'500 in der Saison 2008/09 und auf über 14'000 im Folgejahr.

Luzern verliert Zuschauer wieder

Fast verdoppelt haben sich die Zuschauerzahlen auch beim FC Luzern: in die 2011 eröffnete Swissporarena kamen durchschnittlich 14'180 Zuschauer an ein Spiel. Im Vorjahr waren es jeweils knapp 8000 gewesen. In der Folgesaison sank die Anzahl Zuschauer wieder leicht auf 12'337 pro Spiel. Das hat möglicherweise mit der durchzogenen spielerischen Leistung zu tun: Nach einem Hoch im ersten Jahr im neuen Stadion mit 54 Punkten ergatterte Luzern 2012/13 nur noch deren 42. Weniger als drei Jahre zuvor (48 Punkte).

Die beiden Zürcher Fussballclubs dürfen demnach bei der Annahme der Stadionvorlage zu Recht auf einen Schub bei den Zuschauerzahlen hoffen. Allerdings zeigen die Westschweizer Beispiele Xamax und Servette, dass es auch anders kommen kann: So hat das neue Stadion der Genfer Servette in den ersten zwei Jahren Rekordbesucherzahlen beschert, den Abstieg in die Challenge-League aber nicht aufhalten können. Die hohen Besucherzahlen sind seither nicht zurückgekehrt: Heute besuchen 2000 bis 3000 Fans ein Spiel von Servette. Bei Xamax sind es erst dieses Jahr wieder annähernd gleich viele wie vor dem Bezug des neuen Stadions 2007. Ob sich die höheren Zuschauerzahlen auf die spielerische Leistung auswirkt, ist ohnehin alles andere als klar.

Auf bessere Jahresabschlüsse aber dürfen die Clubpräsidenten hoffen. Mehr Zuschauer bringen mehr Einnahmen bei Eintritten, beim Catering und Merchandising. Zudem würden Kosten wegfallen, sagt Canepa zur NZZ. Zum Beispiel die Stadionmiete im Letzigrund. Beide Clubs rechnen deshalb als Betreiber des neuen Stadions mit einem Plus von rund 5 Millionen Franken pro Jahr.

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